Was sind biologisch abbaubare Werkstoffe (BAW)? – Rohstoffe, Eigenschaften und biologischer Abbau

Biologisch abbaubare Werkstoffe werden allgemein als Hoffnungsträger zur Bewälti-gung der zunehmend problematisch erkannten Umweltkontamination mit Kunststof-fen gesehen. Das mediale und das öffentliche Interesse sind aktuell enorm groß. Ma-terialien, die aus biogenen Rohstoffen hergestellt werden und auch außerhalb eines industriellen, thermophilen Kompostierungsprozesses rasch vollständig abbaubar sind, gelten als besonders vorteilhaft. Aber wie so oft, ist der Vorteil in einem Aspekt mit einem Nachteil in einem anderen verbunden. Ein ganzheitlicher Ansatz, der die Rohstoffherkunft, die Materialeigenschaften während der Verwendung, das Verhalten in der Umwelt und die Mehrfachverwendung bzw. das Materialrecycling gleichwertig in die Betrachtung einbezieht, ist notwendig.

Es beginnt bereits mit dem im alltäglichen Sprachgebrauch weit verbreiteten Begriff Biokunststoff, ein Oxymoron. So verbinden wir mit der Silbe „Bio" doch eher etwas Natürliches oder der Natur unverändert entnommenes und somit etwas, das ungehindert in den Stoffkreislauf zurückfließen kann. Kunststoff hingegen ist ein Synonym für ein von Menschen geschaffenes Material (ein Polymer), das einer Zersetzung oder Verrottung möglichst lange Widerstand leisten, also vorsätzlich nicht biologisch abbaubar sein soll. Daneben verwenden verschiedene Sparten der Industrie und der Wissenschaft traditionell dieselben Begriffe, ordnen ihnen aber unterschiedliche Bedeutungen zu (beispielsweise wird „abbaubar" in der Medizintechnik anders interpretiert als im Umweltbereich).

In der Folge darf es nicht weiter verwundern, wenn Begriffe zur Beschreibung von Materialeigenschaften vermischt mit Verwendungs- oder Verwertungsmöglichkeiten, wie beispielsweise „abbaubar", „biologisch abbaubar" und „kompostierbar" sowohl in der Bevölkerung als auch in Fachkreisen nicht mehr durchgängig gleichartig verstanden werden. Zum Erfassen dieses komplexen Themas erscheint ein exaktes und damit leider auch komplexes Begriffsvokabular angebracht. Ein erster Versuch der Begriffsdefinition wurde mit dem Technischen Report CEN TR 15351 unternommen. Etwas ausführlichere Erklärungen zu den wichtigsten Begriffen finden sich bei Amlinger & Fritz (2008).



Copyright: © Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH
Quelle: 29. Kasseler Abfall- und Bioenergieforum (Mai 2017)
Seiten: 10
Preis: € 5,00
Autor: Dr. Ines Fritz

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