Qualitätsstandards für Deponieabdichtungssysteme

Aufgrund der Zusammensetzung und Menge von Abfällen, die auf Deponien abgelagert werden, besitzen Deponien ein hohes Schadstoffpotenzial. Zur Wahrung des Wohls der Allgemeinheit bedürfen sie unter anderem langfristig funktionstüchtiger technischer Sicherungsmaßnahmen.

Die EU hat Anforderungen an Deponien in der Deponierichtlinie [1] festgelegt. Diese unterscheidet drei Deponieklassen: Deponien für Inertabfälle, für nicht gefährliche und für gefährliche Abfälle. Je nach Schadstoffgehalt der Abfälle werden unterschiedliche Anforderungen an den Standort und die Abdichtungssysteme von Deponien gestellt. Die dort genannten grundsätzlichen Anforderungen an Abfalldeponien werden in Deutschland durch die Deponieverordnung (DepV) [2] umgesetzt. Dabei werden in Deutschland Deponien für nicht gefährliche Abfälle in die Deponien der Klasse I und II differenziert (DK I und DK II). Die beiden anderen Deponiearten werden in Deutschland als Deponie der Klasse 0 (DK 0 für Inertabfälle) und der Klasse III (DK III für gefährliche Abfälle) bezeichnet. Der Untergrund soll neben seiner bautechnischen Eignung zur Aufnahme der aus der Deponie resultierenden Auflast auch auf Grund seiner geringen Durchlässigkeit (DK 0 k ≤ 1 · 10­7 m/s; DK I bis III k ≤ 1 · 10­9 m/s), Mächtigkeit (DK 0 bis II 1,0 m; DK III 5,0 m) und Homogenität sowie seines Schadstoffrückhaltevermögens eine Schadstoffausbreitung aus der Deponie maßgeblich behindern können (Wirkung als geologische Barriere). Zur Verhinderung eines Schadstoffaustritts aus der Deponie in den Untergrund müssen Deponien der Klasse I bis III mit einem Basisabdichtungssystem mit einer (DK I) bzw. zwei (DK II und III) Abdichtungskomponenten versehen werden. Nach der Verfüllung eines Deponieabschnittes oder einer Deponie müssen diese auch an der Oberfläche mit einer (DK I) oder zwei (DK II und III) Komponenten abgedichtet werden, um das Entstehen von belastetem Sickerwasser zu minimieren beziehungsweise zu verhindern. Zur Kontrolle der Dichtigkeit von Abdichtungskomponenten in Oberflächenabdichtungssystemen von Deponien der Klasse III sind Dichtungskontrollsysteme erforderlich. Materialien, Komponenten und Systeme dürfen in Deponieabdichtungssystemen nur eingesetzt werden, wenn sie dem Stand der Technik entsprechen. Sie und das Gesamtsystem müssen unter allen äußeren und gegenseitigen Einwirkungen über einen Zeitraum von mindestens 100 Jahren, Dichtungskontrollsysteme über einen Zeitraum von mindestens 30 Jahre, funktionstüchtig sein.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 05 - 2019 (Mai 2019)
Seiten: 4
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Wolfgang Bräcker

Artikel weiterleiten In den Warenkorb legen Artikel kommentieren


Diese Fachartikel könnten Sie auch interessieren:

Entsorgungssicherheit gefährdet
© Rhombos Verlag (9/2019)
Neue Stoffstromverschiebungen würden in den meisten Bundesländern den Bedarf an Deponiekapazitäten für mineralische Abfälle erhöhen

Modifizierte Verfahren
© Rhombos Verlag (6/2019)
Mit Hilfe der einschlägigen VDI-Richtlinie lässt sich die Emissionssituation an Deponien der Deponieklasse I besser beschreiben

Deponieplanung des Landes Niedersachsen zur Sicherstellung der Abfallbeseitigung
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (5/2019)
Mit der Fortschreibung des Abfallwirtschaftsplans Niedersachsen wird gegenwärtig auch die Deponieplanung des Landes aktualisiert. Hierbei kommt es darauf an, anhand der zu erwartenden Abfallmassen und der regional unterschiedlich verfügbaren Deponiekapazitäten die mittelfristig erforderlichen Deponiekapazitäten darzustellen.

PP.Deponie/„Prepaid Deponie“– Schaffung neuer Deponiekapazitäten in Public Private Kooperation
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (4/2019)
Die Schaffung neuen Deponieraums ist wieder verstärkt zur abfallwirtschaftlichen Herausforderung geworden, da der Bedarf an Entsorgungsmöglichkeiten für mineralische Abfälle nicht gedeckt werden kann.

Kalkulation von Nachsorgekosten – Grundlagen und Eckpunkte
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (4/2019)
Für die erforderlichen Maßnahmen der Stilllegung und der Nachsorge von Deponien sind während des aktiven Deponiebetriebs ausreichende Rückstellungen zu bilden. Dabei sind ausreichende Kostensteigerungsraten wie auch Zinserträge aus den jeweiligen Ansparbeträgen bis zum jeweiligen Ausgabenzeitpunkt der Maßnahme einzukalkulieren.

Name:

Passwort:

 Angemeldet bleiben

Passwort vergessen?

Leichtweiß-Institut
Physikalische und biologische
Aufbereitungs- und Behandlungs-
technologien, TU Braunschweig