Capacity Building für Wasserversorger in Itang, Äthiopien

Der dringend notwendige Ausbau der Versorgungskapazität eines Wasserversorgers im äthiopischen Grenzgebiet zum Südsudan hat begonnen. Mit ihm verbessern sich die Lebensbedingungen von > 210.000 Flüchtlingen und ca. 40.0000 Einwohnern in der Gambella-Region. Die Aufklärungsarbeit vor Ort mindert situationsbedingte lokale Konflikte.


Infolge der politischen Unruhen im Südsudan ist das Grenzgebiet in der äthiopischen Gambella-Region seit vielen Jahren das Ziel einer anhaltenden Zuwanderung von Flüchtlingen. Heute leben etwa 210.000 Schutzsuchende in den Auffanglagern von Tierkidi, Kule und Nguenyyiel nahe der Stadt Itang (Bild 1). Die Lebensbedingungen in den Lagern sind schwierig – eines der größten Probleme ist die ausreichende Bereitstellung von Trinkwasser (Bild 2). Anfangs erfolgte die Belieferung der Lager mit Trinkwasserbehältern per Lastwagen. Aufgrund der jedoch weiter ansteigenden Flüchtlingszahlen veranlasste das Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen, UNICEF, den Aufbau einer Notversorgung, gewartet und betrieben von einer internationalen Non-Governmental Organization, NGO. Das Trinkwassernotsystem versorgte neben den Flüchtlingslagern auch die einheimische Bevölkerung (ca. 40.000 Einwohner) in der Region um und in Itang sowie die Gemeinde Thurpham. Diese Lösung hatte primär die Notversorgung zum Ziel und weniger einen langfristig angelegten, nachhaltigen Anlagenbetrieb auf der Basis internationaler Standards. Das zügig aufgebaute und schrittweise erweiterte Trinkwasserversorgungssystem diente einzig und allein einer möglichst schnellen Verbesserung der Situation für die Betroffenen in der Region. Doch auch die Kapazitäten dieser Notversorgung waren schnell erschöpft – und so begann UNICEF mit der Planung und Implementierung eines leistungsstärkeren Versorgungsmodells, welches die sehr spezifischen Bedingungen vor Ort berücksichtigt.

Auf Initiative von UNICEF wurde 2017 das kommunale Versorgungsunternehmen Itang Town Water Utility, ITWU, gegründet. Damit wurde die Trinkwasserversorgung in die Verantwortung eines lokalen, staatlichen Unternehmens gegeben. Von diesem neuen Betreibermodell unter Eigentümerverantwortung erwarten die Beteiligten deutlich geringere Betriebs- und Wartungskosten sowie einen langfristig und nachhaltig angelegten Anlagenbetrieb. Vor allem sollen die stetig wachsenden Kapazitätsanforderungen infolge der anhaltenden Flüchtlingssituation künftig mehr Berücksichtigung finden.

Die strategische Aufgabe der ITWU besteht darin, das Notversorgungssystem zeitnah durch ein zukunftsorientiertes Versorgungsmodell zu ersetzen. Gegenwärtig besteht die Wasserversorgung aus einer Reihe von Brunnen nahe des Baro Rivers und einer Pumpstation bei Thurpham (Bilder 3 und 4). Zunächst in Speicherbehältern gesammelt, wird das Wasser in das Stadtgebiet von Itang und die angrenzenden Flüchtlingslager gepumpt. Der tägliche Wasserverbrauch ist mit 20 Litern pro Kopf relativ gering, perspektivisch jedoch ist der Bedarf von Stadt und Flüchtlingslagern mit den vorhandenen Brunnen nicht abdeckbar – weitere Brunnen sollen gebohrt werden und Optimierungsmaßnahmen im Trinkwassernetz sind geplant.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 07 und 08 (Juli 2020)
Seiten: 5
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Dr. Jürgen Wummel
Jens Liebelt

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