Wie Kommunen sich bei der Energiewende gegenseitig stärken können
Was ihre Energieversorgung betrifft, müssen sich Kommunen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten neu erfinden.
- Wissenschaft und Praxis erproben neues Format, um Energiewende vor Ort zu bewältigen: Kommunale Lernwerkstätten
- Praxiserfahrung zeigt: Vernetzung zwischen Kommunen kann dazu beitragen, Akteure vor Ort in ihrer Handlungsfähigkeit zu stärken
- Bürgermeisterin der Stadt Sandersdorf-Brehna (Sachsen-Anhalt) Steffi Syska: „Für uns als Kommune eine wichtige Plattform“
Was ihre Energieversorgung betrifft, müssen sich Kommunen in den
nächsten Jahren und Jahrzehnten neu erfinden. Die Aufgaben sind enorm.
Aber wo fängt man an? Die Herausforderungen jeder Gemeinde mögen
spezifisch sein, aber bei der Erarbeitung von Konzepten sind sie nicht
allein. Austausch und Vernetzung untereinander kann sie bei der
Bewältigung der Energiewende vor Ort unterstützen. Wissenschaft und
Praxis haben ein neues Format entwickelt, wie dies gelingen kann:
Kommunale Lernwerkstätten. In Sachsen-Anhalt haben das Institut für
ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), das Zentrum Technik und
Gesellschaft (ZTG) der Technischen Universität Berlin und das Bündnis
Energieavantgarde Anhalt das Format erprobt. Nun stellen sie die
Erfahrungen vor, die bei der Durchführung von drei Lernwerkstätten im
transdisziplinären Forschungsprojekt „Partizipation im digitalisierten
Energiesystem durch soziale Innovationen“ (PaDiSo) mit Förderung durch
das Bundeswirtschaftsministerium gesammelt wurden. Fazit: Bei
sorgfältiger Planung können solche Vernetzungsworkshops dazu beitragen,
Akteure vor Ort in ihrer Handlungsfähigkeit zu stärken.
Kommunen haben Bedarf an Vernetzung und Erfahrungsaustausch zur Energiewende
„Idee
der Lernwerkstätten ist es, die Akteure in einer Region vor Ort
zusammenzubringen, auch wenn sie bisher noch nicht so viel mit
Energiethemen zu tun haben“, so Projektleiterin Friederike Rohde vom
IÖW. „Denn durch die Klimakrise und spätestens durch die Turbulenzen auf
den Energiemärkten seit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine steht die
Energieversorgung ganz oben auf der Agenda der Kommunen. Alle stehen vor
der gleichen Herausforderung: Sie wollen das Ziel erreichen, eine
kommunale, unabhängige, erneuerbare, preisstabile und von den
Bürger*innen mitgetragene Energieversorgung zu schaffen.“
Das
Forschungsprojekt hat mehrere Erfolgsfaktoren identifiziert, damit der
interkommunale Austausch gelingt: „Die Kombination mehrerer Methoden und
die Kontinuität der Teilnahme an drei aufeinanderfolgenden
Lernwerkstätten haben sich bewährt“, so Emilia Nagy vom Zentrum Technik
und Gesellschaft, das die Lernwerkstätten konzipiert hat. „Durch den
intensiven fachlichen Austausch ist es gelungen, eine ‚Community of
Practice‘ aufzubauen, sodass die Teilnehmenden konstruktiv miteinander
ins Gespräch auf Augenhöhe kommen. Die Zukunft dieser Gemeinschaft wird
maßgeblich durch erfahrene und regional verankerte Praxispartner wie die
Energieavantgarde Anhalt vorangetrieben“, so die Expertin für
transdisziplinäre Prozesse.
Bürgermeisterin: „Für uns als Kommune eine wichtige Plattform“
Viele
Kommunen stehen vor ähnlichen Herausforderungen, wenn es darum geht,
vor Ort unabhängiger von fossilen Energieträgern zu werden, zum
Klimaschutz beizutragen, aber insbesondere auch Versorgungssicherheit zu
bieten. Von gelingender Bürgerbeteiligung über Fachkräftemangel bis hin
zur Orientierung im Förderdschungel können in Kommunen wichtige
Lernprozesse angestoßen werden. „Für uns als Kommune stellen die
Lernwerkstätten mit ihren Impulsen und dem inhaltlichen Austausch eine
wichtige Plattform dar, um bei der Energiewende vorwärtszukommen“, so
Steffi Syska, Bürgermeisterin der Stadt Sandersdorf-Brehna in
Sachsen-Anhalt und eine Teilnehmerin der Lernwerkstätten.
Über das Projekt
Das
Projekt PaDiSo möchte aufzeigen, warum soziale Innovationen eine
wichtige Voraussetzung sind, um die Energiewende regional erfolgreich
gesellschaftlich zu verankern. Es wird vom Bundesministerium für
Wirtschaft und Klimaschutz im Programm „Energiewende und Gesellschaft“
gefördert.
Weiterführende Informationen:
©iöw Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung
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