Sauberes Wasser - ganz ohne Chemikalieneinsatz

An der FH Osnabr√ľck forschen Prof. Dr. Sandra Rosenberger und Prof. Dr. Frank Peter Helmus erfolgreich an einer chemikalienfreien L√∂sung f√ľr den Betrieb von Kl√§ranlagen. Das Kooperationsprojekt, das die Fachhochschule zusammen mit dem Wiesbadener Unternehmen Microdyn-Nadir betreibt, wird nun von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit rund 440.000 Euro gef√∂rdert - DBU-Generalsekret√§r Dr. Fritz Brickwedde √ľbergab die F√∂rderungsurkunde an das Projekt-Team.

Dass Wasser zu den wertvollsten Ressourcen unseres Planeten gehört ist kein Geheimnis. Das Leitungswasser, das wir täglich verbrauchen, wird deshalb durch den Einsatz aufwändiger Verfahren gereinigt. In modernen Kläranlagen kommt hierzu eine Kombination aus biologischer Reinigung und sogenannten "getauchten Modulsystemen" zum Einsatz. Man spricht von Membranbioreaktoren (MBR). Die darin befindlichen Membranen sind in der Lage, z.B. Bakterien und Viren sowie andere gesundheitsgefährdende Inhaltsstoffe aus dem Abwasser herauszufiltern. Diese Methode ist zwar teurer als die konventionelle Kläranlagentechnologie, setzt sich aber vor dem Hintergrund zunehmenden Umwelt- und Gesundheitsbewusstseins immer mehr durch.
Der einzige Haken: Auf den Membranen bilden sich Deckschichten - es entstehen Ablagerungen, die den Reinigungsprozess behindern. Um diesem sogenannte "Fouling" zu begegnen sind regelm√§√üige Reinigungsma√ünahmen erforderlich. Dabei wird typischerweise Natriumhypochlorid eingesetzt, dessen Umweltgef√§hrdungspotenzial sehr hoch ist. Und genau hier setzt das Forschungsvorhaben an: Durch den Einsatz der sogenannten Wirbelschichttechnologie soll der Einsatz umweltgef√§hrdender Chemikalien √ľberfl√ľssig gemacht werden. Dabei wird das Fouling durch Kunststoffgranulate, die immer wieder an der Membranoberfl√§che entlangstr√∂men, st√§ndig beseitigt. Bereits seit zwei Jahren wird an der Fachhochschule Osnabr√ľck zu diesem Thema geforscht. Dabei konnte die prinzipielle Machbarkeit dieser neuen Technologie nachgewiesen werden. Aber auch hier gibt es ein Problem: Je st√§rker man mit den Kunststoffgranulaten reinigt, umso schneller verschlei√üen die empfindlichen und auch teuren Membranen.
"Zusammen mit der Firma Microdyn-Nadir arbeiten wir an einer Technologie, die einen langfristig chemikalienfreien Betrieb von MBR in Kl√§ranlagen zul√§sst. Die F√∂rderung durch die DBU ist f√ľr unsere Forschung ein Meilenstein, weil sie uns erm√∂glicht, die entwickelte Methode unter realen Bedingungen in der Praxis zu untersuchen und zu optimieren. An dieser Stelle m√∂chten wir uns auch f√ľr die M√∂glichkeit bedanken, unsere Forschungsanlage an der Kl√§ranlage Eversburg der Stadtwerke Osnabr√ľck aufstellen und betreiben zu d√ľrfen", erkl√§rt Frank Peter Helmus, Professor f√ľr Mechanische Verfahrenstechnik und Anlagenplanung der FH Osnabr√ľck.
Sandra Rosenberger, Professorin f√ľr Nachhaltige Energietechnik, betont: "Der chemikalienfreie Betrieb von Kl√§ranlagen mit MBR-Technologie soll nicht nur f√ľr neue Anlagen m√∂glich sein. Durch die Einfachheit der neuen Technologie mit Wirbelschicht soll die √úbertragung auch auf bereits bestehende Anlagen mit nur geringf√ľgigen Modifikationen erm√∂glicht werden."
Hier erweist sich die Kooperation mit Microdyn-Nadir als besonders vorteilhaft, da das Unternehmen √ľber eine langj√§hrige Expertise im Bereich Membrantrennverfahren verf√ľgt. Von den F√∂rdergeldern sollen zirka 150.000 Euro an die Firma und rund 290.000 Euro an die Fakult√§t Ingenieurwissenschaften und Informatik der FH Osnabr√ľck gehen. Die voraussichtliche Laufzeit des Projekts betr√§gt drei Jahre. Sowohl die Fachhochschule als auch das Unternehmen sprechen von einer "gelungenen Partnerschaft."



Copyright: © Informationsdienst Wissenschaft e.V. -idw- (30.06.2009)
 
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