Nachhaltige Weinproduktion dank intelligentem Abwassermanagement

Bis die edlen Tropfen in der Flasche sind und ihre Kellerruhe antreten, herrschte Hochbetrieb an den einzelnen Verarbeitungsstationen fĂŒr Rot- und Weißwein. Um das an diesen Stationen eingesetzte Wasser aufzubereiten, und um die anfallenden AbfĂ€lle bestmöglich zu verwerten, geht das EU-Projekt Sustavino, koordiniert vom ttz Bremerhaven, neue Wege: Durch die Messung der Belastung des Wasser und der organischen AbfĂ€lle können die optimale Aufbereitung bestimmt und Wertstoffen zurĂŒckgewonnen werden. Die Probennahmen auf insgesamt vier WeingĂŒtern machen deutlich: Eine Optimierung des Abwassermanagement duldet keinen Aufschub.

Bremerhaven, Dezember 2009. Bei dem entspannten Genuss eines guten Weines kommt nicht jedem das Thema Umweltschutz in den Sinn. Dennoch ist es naheliegend, spielt doch das grĂŒne Image bei der Weinproduktion eine zunehmend grĂ¶ĂŸere Rolle und gewinnt an Zugkraft fĂŒr das Marketing. Bei der Weinproduktion fallen große Abwassermengen an, die teilweise hohe Mengen an festen organischen Substanzen enthalten. Da die ProduktionsablĂ€ufe saisonal ablaufen, können in Hochzeiten Schock-Belastungen der kommunalen Abwasserbehandlungssysteme auftreten. Ist das Weinanbaugebiet nicht an die Kanalisation angeschlossen, können nachhaltige BeeintrĂ€chtigungen von Seen und FlĂŒssen die Folge sein.
Bis zu 600 Liter Wasser werden pro Reinigungsschritt bei der Produktion eingesetzt - zur SpĂŒlung der FĂ€sser und Tanks, Reinigung des Transportlasters und SĂ€uberung der Weinpresse und GĂ€rtanks. Bisher wird das Wasser aus allen Prozessschritten gleich behandelt - und ohne Aufbereitung zumeist in die Kanalisation geleitet. Dieser Umgang mit der Ressource hat auch finanzielle Nachteile fĂŒr die Produzenten: Da die Belastung mit organischen Stoffen in Weinbaugebieten saisonal stark steigt wird in manchen Regionen, wie z.B. in der Pfalz, eine sogenannte "WeinbauzusatzgebĂŒhr" fĂ€llig. Weinproduzenten zahlen damit den erhöhten Strombedarf, der KlĂ€rwerken durch einen höheren Verschmutzungsgrad des Wassers entsteht.
Außerdem gehen im Prozess biologisch aktive Reststoffe wie Polyphenole und Antioxidantien verloren - potenzielle Wertstoffe fĂŒr Anwendungen in der Kosmetik-, Pharma- und Lebensmittelindustrie. Bisher enden diese Substanzen, die vorwiegend in den festen RĂŒckstĂ€nden der Weinproduktion vorhanden sind, vielfach auf dem Acker. Das ttz Bremerhaven arbeitet daran, diese Reststoffe zu Wertstoffen weiter zu entwickeln.
Im EU-Projekt Sustavino wird eine differenzierte Optimierung entwickelt, um das Abwasser- und Reststoff-Management effizienter zu gestalten. Um die wissenschaftlichen Werte zu ermitteln, wurden auf WeingĂŒtern in Spanien, RumĂ€nien, Ungarn und Deutschland Proben entnommen. Der einzige Produzent aus Deutschland ist das Weingut Holstein aus Kindenheim. "Meine Kunden sind in der Regel sehr an der Produktionsart der von Ihnen genossenen Weine interessiert. Mit der Teilnahme am Projekt Sustavino erarbeiten wir uns ein GĂŒtesiegel, das unseren ökologischen Pionierstatus gut kommunizierbar und nachprĂŒfbar macht", begrĂŒndet Thilo Holstein seinen Entschluss zur Projektteilnahme. Damit trĂ€gt Holstein dem zunehmenden Verbraucherinteresse an der Umweltbilanz von Wein Rechnung.
Mitarbeiter des Bereichs Wasser-, Energie- und Landschaftsmanagement des ttz Bremerhaven begleiten momentan die Produktion in Kindenheim. Die Proben werden auf Indikatoren fĂŒr den Grad der organischen Verschmutzung, NĂ€hrstoffgehalte, Schwebstoffe, pH-Wert, LeitfĂ€higkeit, Schwermetalle, Pestizide, Polyphenole und coliforme Keime hin untersucht. Dazu werden in jedem Prozessschritt aus 20 Liter-Einheiten volumenbezogene Proben Wasser abgefĂŒllt. Das Ergebnis: Die Belastung des Wassers mit organischen Komponenten liegt bei allen Reinigungsschritten deutlich ĂŒber dem durchschnittlichen Zulaufwerten von KlĂ€ranlagen. Dringender Optimierungsbedarf zeigt sich also auch hier. Die Belastung kann durch verschiedene, sogenannte on-site Vorbehandlungen, vermindert werden. Hierzu zĂ€hlen z.B. belĂŒftete VorklĂ€rbecken oder verschiedene Formen von Bio-Reaktoren sowie PflanzenklĂ€ranlagen.
Im nĂ€chsten Jahr werden die verschiedenen Möglichkeiten zunĂ€chst im Labor getestet. Zur nĂ€chsten Weinernte werden dann neue AnsĂ€tze auf den WeingĂŒtern getestet und bewertet werden.
Weitere Informationen:
http://www.sustavino.eu/
http://www.ttz-bremerhaven.de/index.php?option=com_content&view=article&...



Copyright: © Informationsdienst Wissenschaft e.V. -idw- (14.12.2009)
 
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