Geht dem Ozean die Luft aus? - Sauerstoffgehalt der tropischenOzeane nahm in den letzten 50 Jahren ab -

Meereswissenschaftler sind einer weiteren alarmierenden Ver√§nderung auf dieSpur gekommen. In einigen Regionen des Weltozeans nimmt der Sauerstoffgehaltab, der die Lebensgrundlage f√ľr marine Organismen darstellt.

Schon l√§nger ist bekannt, dass die Sauerstoffverteilung im Ozean nicht gleichm√§√üig ist. An den √∂stlichen R√§ndern der tropischen Ozeane existieren in etwa 200-800 m Tiefe Zonen mit reduziertem Sauerstoffgehalt, die Sauerstoffminimumzonen genannt werden. Bedingt durch den CO2-Anstieg und die damit verbundene Temperaturzunahme wird auch eine allgemeine Abnahme des Sauerstoffgehalts im Ozean erwartet, da in w√§rmeren Wasser die Sauerstoffl√∂slichkeit abnimmt und sich aber vor allem das Absinken von sauerstoffreichen Wasser in den polaren Regionen verringert, und folglich die tiefen Schichten des Ozeans weniger bel√ľftet werden. Dabei sind die erwarteten √Ąnderungen im subtropischen und subpolaren Meeresgebieten h√∂her als in den tropischen Regionen. In den h√∂heren Breiten konnte die Sauerstoffabnahme mit Hilfe von Beobachtungsdaten bereits nachgewiesen werden.
Das war in den Tropen sehr viel schwieriger, da viel weniger Messdaten zur Verf√ľgung stehen. Eine internationale Forschergruppe unter Leitung von Dr. Stramma vom IFM-GEOMAR zusammen mit Dr. Gregory Johnson von der NOAA in Seattle, Dr. Janet Sprintall vom Scripps Institution of Oceanography in San Diego und Dr. Volker Mohrholz vom Institut f√ľr Ostseeforschung in Warnem√ľnde w√§hlten einzelne Gebiete mit h√∂herer Datenmenge aus und erg√§nzten sie mit aktuellen Messungen, um die Abnahme des Sauerstoffgehalts zu dokumentieren. "Die gr√∂√üte Sauerstoffabnahme im Tiefenbereich 300-700 m wurde im tropischen Nordostatlantik beobachtet, w√§hrend im √∂stlichen Indischen Ozean die Sauerstoffabnahme eher gering ausfiel", erkl√§rt Dr. Stramma. Ob die beobachteten Sauerstoff√§nderungen im Zusammenhang mit der globalen Klimaerw√§rmung stehen k√∂nnen, ist noch zu kl√§ren. "Im Ozean existieren √Ąnderungen auf unterschiedlichen Zeitskalen", betont Dr. Stramma. "Mit Messungen alleine k√∂nnen wir nicht die Ursachen der √Ąnderungen erkl√§ren. Auch nat√ľrliche Prozesse, die auf k√ľrzeren Zeitskalen auftreten, k√∂nnen die beobachtete Abnahme des Sauerstoffgehalts verursacht haben", so Stramma weiter. Allerdings ist das Ergebnis konsistent mit Modellrechnungen, die auch f√ľr die Zukunft eine weitere Abnahme prognostizieren.

Wenn sich dieser Trend fortsetzen w√ľrde, ist dies besonders in den jetzt untersuchten tropischen Regionen bedeutsam, denn hier sind die Sauerstoffgehalte im Wasser generell niedrig und ein weiteres Absinken kann zu existentiellen Problemen f√ľr marine Organismen f√ľhren.

Die vorgestellten Messergebnisse sind ein wichtiger Ausgangspunkt f√ľr die laufenden Arbeiten in einem im Januar 2008 von der Christian-Albrechts-Universit√§t zu Kiel und dem IFM-GEOMAR begonnenen Sonderforschungsbereich 754: "Klima - biogeochemische Wechselwirkungen im tropischen Ozean", der von der Deutsche Forschungsgemeinschaft f√ľr die erste F√∂rderungsphase 2008-2011 bewilligt wurde. Der SFB-754 soll helfen das Wechselspiel von Klima und Biogeochemie des tropischen Ozeans auf einer quantitativen Basis besser zu definieren.

Weitere Informationen:
Der Autor Dr. Lothar Stramma ist langj√§hriger wissenschaftlicher Mitarbeiter am IFM-GEOMAR und hat in √ľber 50 wissenschaftlichen Ver√∂ffentlichungen vor allem die Wassermassen und die Meeresstr√∂mungen im Atlantischen, Indischen und Pazifischen Ozean untersucht. Im SFB-754 leitet er ein wissenschaftliches Teilprojekt, dass hydrographische und Spurenstoffmessungen des tropischen √∂stlichen S√ľdpazifiks kombiniert, um die mittleren Verteilungen, die Variabilit√§t und Trends der Wassermassenverteilung und der Str√∂mungen zu untersuchen. Au√üerdem leitet er ein Teilprojekt, das die laufenden und geplanten projekt√ľbergreifenden Schiffsexpeditionen des SFB-754 koordiniert. Untersuchungsschwerpunkte des SFB-754 sind die Reaktion tropischer Sauerstoffminimumzonen auf √Ąnderungen in der Ozeanzirkulation und Ventilation des tiefen Ozeans, das Verhalten der Senken und Quellen von N√§hrstoffen bei Ver√§nderungen im Sauerstoffgehalt und die Gr√∂√üenordnungen, Zeitskalen, und wichtigsten Kontrollmechanismen von fr√ľheren, heutigen und zuk√ľnftigen Ver√§nderungen im ozeanischen Sauerstoff- und N√§hrstoffhaushalt.

Originalarbeit:
Stramma, L., G.C. Johnson, J. Sprintall und V. Mohrholz, 2008: Expanding oxygen-minimum zones in the Tropical Oceans. Science, Ausgabe 2. Mai 2008.

Ansprechpartner
Dr. Lothar Stramma, Tel. 0431 - 600 4103, lstramma@ifm-geomar.de
Dr. Andreas Villwock (√Ėffentlichkeitsarbeit), Tel. 0431 - 600 2802, avillwock@ifm-geomar.de
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de - Website des IFM-GEOMAR
http://www.sfb754.de - Sonderforschungsbereich 754 "Klima-Biogeochemische Wechselwirkungen im Tropischen Ozean"
http://www.sciencemag.org - Website des Science Magazines

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news258057



Copyright: © Informationsdienst Wissenschaft e.V. -idw- (01.05.2008)
 
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