VKU stellt 7-Punkte-Plan vor, Emschergenossenschaft und Lippeverband präsentiert Best-Practice-Lösungen

Wie Klima-Anpassung gelingen kann


Heute hat der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) einen 7-Punkte-Plan für klimarobuste Städte und Gemeinden vorgestellt und gemeinsam mit Emschergenossenschaft und Lippeverband praxiserprobte Klima-Anpassungsstrategien präsentiert.

Warum Klima-Anpassung wichtig ist

Schon heute ist der Klimawandel spürbar. Lange Trockenheit stressen unsere Wasserressourcen. So werden Nutzungskonkurrenzen um Wasser zunehmen. Zugleich führen häufigere Starkregen zu Überflutungen, die bereits Schäden in Milliardenhöhe verursachten. Die Folgen des Klimawandels mögen zwar von Ort zu Ort unterschiedlich stark ausgeprägt sein, erfordern jedoch in ganz Deutschland Anpassungsmaßnahmen. Die kommunale Wasserwirtschaft ergreift maßgeschneiderte Maßnahmen, um Städte und Gemeinden vor den Klimawandel-Folgen zu schützen und die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung durch klimarobustere Systeme und Infrastrukturen langfristig sicherzustellen.

Wie es funktioniert: Mehr Grün und Blau im Grau!

Im Ruhrgebiet, dem größten Ballungsraum Deutschlands, haben Land, Kommunen und Wasserverbände im Rahmen der Ruhr-Konferenz das Projekt „Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft“ ins Leben gerufen, das eine Vorreiterrolle beim Thema Klimafolgenanpassung einnehmen soll. Eine zentrale „Service-Organisation“, angesiedelt bei der Emschergenossenschaft, unterstützt mit perspektivisch über 20 Mitarbeitenden die Kommunen und Wasserverbände bei der Umsetzung einer integrierten, wassersensiblen Stadtgestaltung.

Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender von Emschergenossenschaft und Lippeverband, stellte praxiserprobte Strategien zum Umgang mit den Folgen des Klimawandels vor: „Die Herkulesaufgabe Klimafolgenanpassung kann im verdichteten Ruhrgebiet nur gelingen, wenn Kommunen gemeinsame Konzepte und Lösungen erarbeiten. Denn Wasser macht nicht an Stadtgrenzen halt“. Starkregenereignisse wie überhitzte Innenstädte durch Dürreperioden können abgemildert werden: Ein Mix aus Regenwasserversickerung, Flächenentsiegelung, Dach- und Fassadenbegrünung, Regenwasserzuführung zum Gewässer und eine kreative, multifunktionale Gestaltung und Nutzung von Freiflächen, die temporär bei Starkregen überfluten dürfen, sorgt in Kommunen für besseres Klima. Solche Maßnahmen klängen zwar recht technisch, aber eine begrünte Hausfassade oder eine grün gestaltete Versickerungsfläche werteten zudem das gesamte Stadtbild auf, ist Paetzel überzeugt.

Gemeinsam mit unseren kommunalen Partnern haben wir bereits mehr als 100 Projekte zur Klimafolgenanpassung vorbereitet und die ersten umgesetzt. So wollen wir bis 2040 den Verdunstungsgrad mindestens um zehn Prozent in der Region erhöhen und 25 Prozent der befestigten Flächen vom Kanalnetz abkoppeln – denn in den Kläranlagen nützt Regenwasser niemandem“, so Prof. Paetzel weiter. Für dieses Projekt stehen in den nächsten zehn Jahren 250 Mio. Euro bereit.

Kooperationen für eine sichere Trinkwasserversorgung in Dürreperioden

Viele Wasserversorger wiederum stellen ihre Versorgung zum Schutz vor Dürren auf mehrere Standbeine - z. B. indem sie mit anderen Versorgern kooperieren, um gemeinsam die Trinkwasserversorgung zu sichern oder verschiedene Ressourcen effizienter zu nutzen. Dies geht bis zur Schaffung von Verbundsystemen.

Schutz vor den Folgen des Klimawandels darf keine Frage des Wohnorts sein - Unterstützung von Bund und Ländern notwendig

Bund und Länder müssen die Kommunen und ihre Unternehmen dabei mehr unterstützen: Wir brauchen erstens gute Rahmenbedingungen, etwa für intelligentes Wasserressourcen-Management oder ausreichend Wasserrechte. Zweitens müssen Klimaschutz und Klima-Anpassung konsequenter zusammengedacht werden, weshalb das BMU-Programm der bewährten Klimaschutz-Manager explizit für Klima-Anpassung weiterentwickelt und geöffnet werden sollte. Drittens brauchen wir eine solide Finanzbasis, denn Vorsorge gibt es nicht zum Nulltarif: Wir appellieren an Bund und Länder, ein Sonderprogramm Klimavorsorge aufzulegen. Breitenförderung ist wichtig, damit Schutz vor den Folgen des Klimawandels keine Frage des Wohnorts wird.“, erklärt Ingbert Liebing, VKU-Hauptgeschäftsführer. 

Unser 7-Punkte-Plan für klimarobuste Städte und Gemeinden:

  1. Bei bewährten Grundsätzen bleiben: Klima-Anpassung ist auf der Ebene der Kommunen gut aufgehoben. Dem Grundwasser sind Ortsschilder egal: Wo es sich sammelt, wie es fließt - das lässt sich nicht zentral von Berlin aus steuern. Entscheidend ist allein die Situation vor Ort. Wie Infrastrukturen an den Klimawandel anzupassen sind, muss deshalb grundsätzlich Sache der Kommunen vor Ort sein.
  2. Richtungsentscheidung zum Modell für den Schutz von Trinkwasserressourcen vor Verunreinigungen treffen: Statt aufwändiger und teurer Nachsorge sollten Verunreinigungen von vornherein verhindert werden. Dafür sollte das Vorsorge- und das Verursacherprinzip stärker verankert werden, sodass wirksame Anreize für den Schutz der Wasserressourcen.
  3. Effizienteren Umgang mit Wasser: Ziel muss zudem sein, die Wasserressourcen von vornherein intelligent zu managen und dafür alle Akteure in der Kommune wie Behörden, Landwirte, Wirtschaft und Wasserversorger an einen Tisch zu bringen.
  4. Die öffentliche Wasserversorgung hat Priorität: Diese gesetzliche Vorgabe muss künftig auch wieder stärker bei behördlichen Entscheidungen berücksichtigt werden. 
  5. Ausreichend Wasserrechte: Wenn Wasserversorger höhere Wasserrechte brauchen, um die Versorgung auch in Dürreperioden zu sichern, müssen sie diese auch bekommen können.
  6. Klima-Anpassung gelingt, wenn wir Wissen teilen und vor Ort umsetzen. Daher sollte das bewährte BMU-Programm der Klimaschutz-Manager explizit für Klima-Anpassung weiterentwickelt und geöffnet werden.
  7. Klima-Anpassung muss solide finanziert werden: Deshalb appellieren wir an Bund und Länder, dem Vorschlag des Umweltbundesamts zu folgen und ein Sonderprogramm Klimavorsorge aufzulegen.



Copyright: © VKU (28.10.2020)
 
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