Schulze: Was gegen Naturzerstörung hilft, hilft auch gegen Entstehung neuer Pandemien

Neuer Bericht des Weltbiodiversitätsrats belegt Zusammenhang von biologischer Vielfalt und Pandemieprävention


Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat heute gemeinsam mit VertreterInnen des Weltbiodiversit√§tsrates (IPBES) den IPBES-Bericht zu Biodiversit√§t und Pandemien vorgestellt. Der Bericht warnt, dass Pandemien infolge der Naturzerst√∂rung in Zukunft noch h√§ufiger auftreten k√∂nnten. Die Ursachen f√ľr Pandemien sind die gleichen, die auch zum Verlust der biologischen Vielfalt beitragen ‚Äď allen voran das Eindringen des Menschen in vormals intakte √Ėkosysteme, etwa durch die weltweite Ausdehnung und Intensivierung der Landwirtschaft sowie den unregulierten Handel mit Wildtieren. Um das Risiko zuk√ľnftiger Pandemien zu verringern, empfiehlt der Weltbiodiversit√§tsrat vermehrt in vorsorgende Ma√ünahmen zum Schutz der Natur zu investieren. Schulze hatte den Weltbiodiversit√§t im April gebeten, den aktuellen weltweiten Wissensstand zum Thema biologische Vielfalt und Pandemien zusammenzutragen.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: "Die Naturzerst√∂rung ist die Krise hinter der Krise. Denn die menschliche Gesundheit h√§ngt direkt von einer intakten Natur ab. Es ist wichtig, bei aller akuten Krisenbew√§ltigung die tieferen Ursachen der Pandemie nicht zu vergessen und alles daf√ľr zu tun, die Entstehung k√ľnftiger Pandemien zu verhindern. Pandemien haben zwar ihren Ursprung im Tierreich, aber ihre Entstehung wird von menschlichen Aktivit√§ten bestimmt. Das hei√üt auch, dass wir Menschen etwas tun k√∂nnen und nicht machtlos sind. Der Bericht des Weltbiodiversit√§tsrats zeigt, dass wir das Pandemierisiko verringern k√∂nnen, wenn wir die menschengemachten globalen Umweltver√§nderungen reduzieren. Daf√ľr sind gro√üe Investitionen in den Erhalt, die nachhaltige Nutzung und die Wiederherstellung von √Ėkosystemen n√∂tig. Aber verglichen mit den Kosten einer Pandemie sind die Kosten f√ľr die Vorbeugung deutlich geringer."

IPBES-Exekutivsekret√§rin Dr. Anne Larigauderie: "Der Bericht bietet der Politik neue Einsichten, wie man das Risiko von Pandemien senken und k√ľnftige Pandemien vermeiden kann. Es ist eine der wissenschaftlich robustesten und aktuellsten Untersuchungen seit Beginn der COVID-19-Pandemie ‚Äď obwohl sie in Rekordgeschwindigkeit erstellt wurde. Wir gratulieren allen Autoren dieser wichtigen Arbeit und danken Ministerin Schulze und der deutschen Regierung f√ľr ihre Unterst√ľtzung - sowohl f√ľr die Forschungsarbeit als auch als Sitzstaat des IPBES-Sekretariats."

Dr. Sandra Junglen, Leiterin der Arbeitsgruppe "√Ėkologie neuartiger Arboviren" am Institut f√ľr Virologie, Charit√© Universit√§tsmedizin Berlin: "Der IPBES-Workshop zu Biodiversit√§t und Pandemien macht unmissverst√§ndlich den Zusammenhang zwischen Naturzerst√∂rung und der Entstehung von neuartigen Krankheiten, die von Tieren auf den Menschen √ľbergesprungen sind, deutlich. Die Geschwindigkeit, mit der √Ėkosysteme zerst√∂rt werden und Tierarten aussterben, l√§sst vermuten, dass wir in Zukunft h√§ufiger Epidemien mit neuartigen Krankheiten in k√ľrzeren Abst√§nden erleben werden. Es ist daher dringend ein Umdenken in Richtung Pr√§vention von Epidemien durch Natur- und Klimaschutz erforderlich."

Vor dem Hintergrund der aktuellen COVID-19-Pandemie hat der Weltbiodiversit√§tsrat im Juli 2020 zu einem mehrt√§gigen Workshop zum Zusammenhang von biologischer Vielfalt und Pandemien eingeladen. 22 Expertinnen und Experten aus der ganzen Welt haben den aktuellen Wissensstand zur Entstehung von Pandemien, deren Folgen und Handlungsma√ünahmen zur Pr√§vention und Bek√§mpfung zusammengetragen und analysiert. Im nun ver√∂ffentlichten Workshop-Bericht warnen die Wissenschaftler*innen davor, dass Pandemien ohne Pr√§ventionsma√ünahmen in Zukunft vermehrt auftreten und die Auswirkungen auf Menschen und Wirtschaft noch drastischer ausfallen k√∂nnten. Die wirtschaftlichen Kosten von Reaktionen auf Pandemien k√∂nnten die Ausgaben f√ľr vorbeugende Ma√ünahmen um Gr√∂√üenordnungen √ľbersteigen. Daher sollte in Zukunft mehr in vorbeugende Ma√ünahmen investiert werden, wie den sogenannten "One Health" Ansatz, der die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt gemeinsam betrachtet. Staaten m√ľssen bei der Bek√§mpfung und Vorbeugung von Pandemien an einem Strang ziehen und gemeinsame Ziele und Ma√ünahmen definieren, die alle betroffenen Sektoren und Akteure der Gesellschaft einbeziehen, so die Empfehlung. Landnutzungs√§nderungen, die Ausdehnung und Intensivierung der Landwirtschaft und der Handel mit Wildtieren sollen im Kontext der Pandemiepr√§vention betrachtet und reguliert werden.

Das Bundesumweltministerium (BMU) setzt sich national und international daf√ľr ein, die Ursachen f√ľr Pandemien besser zu verstehen und diesen entgegenzuwirken. Neben Ma√ünahmen zum Klimaschutz und zum Erhalt der biologischen Vielfalt z√§hlt hierzu auch der Kampf gegen den unregulierten internationalen Wildtierhandel. Auch die Wiederbelebung der Wirtschaft muss biodiversit√§ts- und klimafreundlich gestaltet werden. Durch ein eigenes "Corona Response" Ma√ünahmenpaket unterst√ľtzt das BMU kurzfristig Entwicklungs- und Schwellenl√§nder bei der Bew√§ltigung der Corona-Krise mit etwa 68 Millionen Euro aus Mitteln der Internationalen Klimaschutzinitiative. Ein Schwerpunkt der Ma√ünahmen liegt dabei auch auf der Pandemiepr√§vention. Das Paket umfasst unter anderem Soforthilfen f√ľr Schutzgebiete und Biodiversit√§tshotspots, die F√∂rderung klimafreundlicher wirtschaftlicher Neustarts und Projekte zur Widerstandsf√§higkeit gegen√ľber k√ľnftigen Pandemien.

Auch in internationalen Verhandlungen setzt sich das BMU daf√ľr ein, dass die Lehren aus der Pandemie gezogen werden. Hierzu z√§hlt ein ambitionierter neuer globaler Rahmen f√ľr die biologische Vielfalt nach 2020 zur Umsetzung der Konvention √ľber die biologische Vielfalt. Ein weiteres Ziel des BMU ist es, auf internationaler Ebene Verhandlungen f√ľr ein Protokoll zur Bek√§mpfung von Wildtierkriminalit√§t unter der Konvention gegen grenz√ľberschreitende organisierte Kriminalit√§t anzusto√üen.
Der Weltbiodiversit√§tsrat IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) ist ein zwischenstaatliches Gremium zur wissenschaftlichen Politikberatung f√ľr das Thema biologische Vielfalt und √Ėkosystemleistungen. IPBES ist vergleichbar mit seiner √§lteren Schwester IPCC f√ľr das Klima ("Weltklimarat"). Aktuell sind 137 Staaten (inkl. Deutschland) Mitglied im IPBES. Deutschland ist einer der gr√∂√üten Finanzgeber; das Sekretariat des Weltbiodiversit√§tsrats hat seinen Sitz in Bonn. Das BMU hat die Erstellung des Workshop-Berichts zu Biodiversit√§t und Pandemien finanziell unterst√ľtzt.

Die Originalpressemitteilung finden Sie hier.



Copyright: © Bundesministerium f√ľr Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (30.10.2020)
 
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