Potenzialstudie: Kompost für den Ökolandbau

Im Rahmen des Projektes „Netzwerk Ökolandbau und Kompost in Hessen“ wurden Abschätzungen über den möglichen Bedarf sowie die Menge an Kompost vorgenommen, die für das Marktsegment Ökolandbau zur Verfügung stehen könnten.

Das Projekt wurde seitens des Witzenhausen Institutes, der VÖL (Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen e.V.) und dem Ingenieurbüro für Sekundärrohstoffe und Abfallwirtschaft (ISA) durchgeführt sowie vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klima, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) und der Regionale Gü-tegemeinschaft Kompost Südwest (RGK Südwest) gefördert (Endbericht).

Nährstoffdefizit

Im ökologischen Landbau nimmt der Anteil an Marktfruchtbetrieben mit nur wenig oder keiner Tierhaltung seit Jahren zu. Bei solchen intensiv wirtschaftenden ökologischen Ackerbau-/Marktfrucht- und Gemüsebaubetrieben treten meist erhebliche Nährstoffdefizite auf, sofern diese nicht durch Düngerzukauf ausgeglichen werden. Die entsprechenden negativen Nährstoffsalden (Differenz zwischen Nährstoffexport v.a. mit den Lebensmitteln aus dem und Nährstoffimport in den Betrieb) -lagen in Beispielberechnungen hessischer Betriebe zwischen rund -32 bis -41 kg P2O5 (Phosphat) entsprechend -14 bis -18 kg P (Phosphor) sowie rund -85 bis -117 kg K2O entsprechend -70 bis -97 kg K (Kalium) pro Hektar und Jahr.

Die flächendeckende Bilanzierung über alle hessischen Ökolandbau-Betriebe, d.h. auch inkl. der viehhaltenden Betriebe, wies 2018 ein Saldendefizit von ca. -23 kg P2O5(-10 kg P) und ca. -60 kg K2O (-50 kg K) pro Hektar und Jahr auf. Die negativen Salden hängen im Wesentlichen von der Anzahl und Art der Ökobetriebe einer Region ab und verteilen sich in Hessen entsprechend unterschiedlich.

Kontinuierliche Saldendefizite führen dazu, dass die zur Verfügung stehenden Bodenvorräte an Nährstoffen abnehmen. Auf die Nährstoffvorräte im Boden ist jedoch der ökologische Landbau in besonderer Weise angewiesen, da im Gegensatz zum konventionellen Landbau die Möglichkeiten einer mineralischen Ergänzungsdüngung stark eingeschränkt sind.

Nährstoffdefizite können in ökologisch wirtschaftenden Betrieben aber auch sehr gut mit Biogut- und Grüngutkomposten ausgeglichen werden, was zusätzlich zu einer wichtigen Humuszufuhr führt. Damit stellt sich  die Frage, wie hoch der Anteil geeigneter Komposte für den Ökolandbau aus der RAL-Gütesicherung ist und in welchen Mengen sie zur Verfügung stehen.

Geeignete Komposte

Als geeignete Komposte wurden solche angesehen, die sowohl den Anforderungen der EU-Ökoverordnung entsprechen, als auch den dar-über hinaus gehenden Anforderungen der Öko-landbauverbände Bioland und Naturland, was ggf. auf den Prüfzeugnissen der RAL-Gütesicherung Kompost von der BGK ausgewiesen wird.

Abbildung 1 zeigt den Anteil der Komposte, die diesen Anforderungen bundesweit sowie in Hessen entsprechen. Die bundesweiten Daten basieren auf Auswertungen von Analysenergebnissen der BGK in 2018, die für das Projekt „ProBio“ zur Verfügung gestellt wurden, das seitens des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) und des Bundesprogramm Ökologischer Landbau und anderer Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gefördert wird.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass gemäß den vorgenannten Anforderungen rund zwei Drittel der bundesweit hergestellten Biogut-und Grüngutkomposte mit RAL-Gütesicherung für den Einsatz im Ökolandbau zulässig sind -ein Anteil, der deutlich höher liegt als vielfach angenommen. Ähnliche und z.T. noch höhere Anteile geeigneter Komposte wurden in einem mittlerweile ebenfalls abgeschlossenen Vorhaben in Schleswig-Holstein (SH) gefunden. Dieses Projekt wurde vom Landwirtschafts– und Umweltministerium in Schleswig-Holstein (MELUND SH) und einer Projektgemeinschaft von Kompostanlagen unter Koordinierung der VKN gefördert.

Produkt-und Nährstoffmengen

Anhand der ausgewerteten Analysedaten wurden in Hessen auch die Produkt-und Nährstoffmengen berechnet, die für den Ökolandbau in geeigneten Biogut-und Grüngutkomposten enthalten waren. In Hessen waren dies 2018 rund 153.000 Tonnen Kompost. Bundesweit werden diese Mengen auf bis zu 2,4 Millionen Tonnen Kompost pro Jahr berechnet.

Die in Hessen jährlich verfügbaren Nährstoffmengen betrugen für die jeweiligen Gesamtgehalte bei Stickstoff ca. 1.490 t N, bei Phosphor ca. 330 t P und bei Kalium ca. 1.150 t K. Die genannten Men-gen hätten 2018 im hessischen Ökolandbau 31 % des P-Bedarfs und 23 % des K-Bedarfs aus externen Nährstoffquellen abgedeckt.

Beim Stickstoff lag der Deckungsgrad auf Gesamt-N bezogen sogar bei 72 %. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass der organisch gebundene Stickstoff aus Komposten zunächst weitgehend in den Bodenhumus eingeht. Für die Pflanze sind während einer üblichen langjährigen Fruchtfolge im Ökolandbau vom Gesamtstickstoff zunächst nur 15 -25 % verfügbar. Der im Kompost bzw. Boden gebundene organische Stickstoff unterstützt jedoch den Aufbau des Bodenhumus -eine für den Ökolandbau neben der Nährstoffversorgung nicht minder wichtige Funktion -die zudem Kohlenstoff im Boden temporär bindet. Anders als beim Stickstoff weisen Phosphor, Kalium, Magnesium und Calcium in den Komposten eine gute Verfügbarkeit auf. Dies gilt gleichermaßen für viele Mikronährstoffe. Im Rahmen der langjährigen Fruchtfolgen sind damit die entsprechend zugeführten Nähr-stoffmengen weitgehend bis voll-ständig pflanzenverfügbar.

Flächenpotential

Mit einer beispielhaft angenommenen Kompostgabe von 5 t Frischmasse pro Hektar und Jahr würden rund 20 –25 kg P2O5/ha aus-gebracht werden. Davon ausgehend könnten bundesweit bis zu 480.000 ha Ökolandbauflächen versorgt werden, vorausgesetzt, dass das o.g. Potential geeigneter Komposte für den Ökolandbau tatsächlich ausgeschöpft würde. (GOT, LN) Quelle: BioTOPP 4/20


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