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Freiburgs Oberbürgermeister Horn will Einwegverpackungssteuer verhindern und stattdessen auf überwiegend freiwillige Maßnahmen setzen
Die Stadt Freiburg soll an der geplanten Einführung einer Steuer auf
Einweg-Takeaway-Verpackungen festhalten. Das fordert ein Bündnis aus
Deutscher Umwelthilfe (DUH), BUND Freiburg, Zukunftsakademie, Fridays
for Future Freiburg, Trash Heroes, mehreren Freiburger Bürgervereinen
sowie lokalen Gastronomiebetrieben. Der Freiburger Gemeinderat hatte die
Stadtverwaltung bereits mit der Ausarbeitung einer Satzung für eine
Verpackungssteuer bis Mitte 2025 beauftragt. Doch Oberbürgermeister
Martin Horn will die bisher geplante Einführung einer
Einweg-Verpackungssteuer verhindern und stattdessen auf überwiegend
freiwillige Maßnahmen im Rahmen einer sogenannten „Mehrwegoffensive“
setzen. Am 6. Mai entscheidet der Freiburger Gemeinderat abschließend
über die Einführung der Einweg-Verpackungssteuer.
Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH: „Die
kommunale Einweg-Verpackungssteuer ist für Städte eines der wirksamsten
Mittel gegen die riesigen Müllmengen. In der Vorreiterstadt Tübingen
gibt es mittlerweile das größte Mehrwegangebot Deutschlands im
Verhältnis zur Einwohnerzahl, die Vermüllung im öffentlichen Raum ist
sichtbar zurückgegangen. Auch haushaltspolitisch ist die Steuer ein
voller Erfolg: 2022 hat Tübingen eine Million Euro eingenommen, was die
Verwaltungskosten um das Neunfache übersteigt. Freiwillige Initiativen
der Wirtschaft haben bislang nicht zu einer starken Nutzung von
Mehrwegbechern und Essensboxen geführt. Deshalb sollten sich noch mehr
Städte auf den Weg machen und Einweg-Verpackungssteuern einführen.
Gerade Freiburg hat sich damals mit dem Freiburg Cup als eine der ersten
Städte dem Problem von zu viel Einweg-Müll angenommen. Jetzt haben der
Oberbürgermeister Horn und der Gemeinderat mit der Verpackungssteuer die
Chance, das Müllproblem an der Wurzel zu packen. Wir fordern sie auf,
im Sinne der Bürgerinnen und Bürger an der Einführung der Einwegsteuer
festzuhalten, auch weil diese Entscheidung Strahlkraft über Freiburg
hinaus hat.“
Mascha Klein, Vorständin des BUND Freiburg: „Der
Gemeinderat hat jetzt die Chance, für mehr Umweltgerechtigkeit, Klima-
und Ressourcenschutz im Alltag vieler Freiburgerinnen und Freiburger zu
sorgen. Das wünschen sich auch rund 2.600 Menschen, die unsere Petition
für die Einführung einer Einweg-Verpackungssteuer in Freiburg
unterschrieben haben. Da umweltfreundliche Mehrwegverpackungen nicht
unter die Verpackungssteuer fallen, gibt es einen direkten Anreiz,
Einweg-Verpackungen zu vermeiden. Stattdessen werden die Unternehmen in
die Verantwortung genommen, die weiter massenweise Einweg-Müll ausgeben.“
Greta Waltenberg von Fridays for Future Freiburg: „Für
uns ist die Einführung einer Verpackungssteuer auf
Einweg-To-Go-Verpackungen in Freiburg eine überzeugende Lösung: Sie kann
Müll reduzieren, macht unsere Stadt nachhaltiger und sauberer und
belastet niemanden unangemessen.“
Patricia Dehmel von Trash Heroes Freiburg: „Wir
ärgern uns über den vielen Einweg-Müll in unserer Stadt, den wir bei
unseren ehrenamtlichen Säuberungsaktionen wegräumen. Und das obwohl in
Freiburg die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtreinigung täglich
bereits 4.500 Kilogramm Müll einsammeln. Einweg-Verpackungen machen
davon einen großen Volumenanteil aus, sind aber vermeidbar. Eine saubere
Stadt erhöht die Lebensqualität für alle.“
Benny Haas, Inhaber des Café Auszeit in Freiburg: „Eine
Einweg-Verpackungssteuer ist eine Chance für die Freiburger
Gastronomie, sich nachhaltiger aufzustellen. Wenn die Gastronomie auf
die Einführung der Steuer gut vorbereitet wird und Mehrwegalternativen
anbietet, sehe ich in der Umsetzung keine Probleme.“
Hintergrund:
Das
Bundesverfassungsgericht hat am 22. Januar 2025 die Klage einer
McDonald’s-Franchisenehmerin gegen die in Tübingen seit Januar 2022
geltende Einweg-Verpackungssteuer abgewiesen. Seither haben 144 Städte
deutschlandweit Interesse eine Verpackungssteuer einzuführen, wie eine
neue Umfrage der DUH belegt. Neben Tübingen erhebt seit 2025 auch
Konstanz eine Verpackungssteuer auf Einweg-Geschirr.
Diese
Freiburger Initiativen und Gastronomiebetriebe fordern im Bündnis die
Verpackungssteuer: Zukunftsakademie, BUND, NABU, Trash Heroes, Fridays
for Future, Parents for Future, Psychologists for Future, Extinction
Rebellion, Ökostation, Schwarzwaldverein, AK Wasser im BBU,
Arbeitsgemeinschaft Nachhaltigkeit in der Dermatologie, Klimacamp,
Bienen Coop, Fesa, die Bürgervereine: Rieselfeld, Weingarten,
Oberwiehre-Waldsee-Oberau, Mitte- und Unterwiehre, Vauban,
Betzenhausen-Bischofslinde sowie Café Auszeit, Café Moltke, Mohrentopf,
JC Café, Alma Café, Bäckerei Doppelback, Bierhandlung, Glaskiste,
Andreas Dilger, Jos Fritz und Green Dabba.
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