Neue Märkte für Gärprodukte

Gärprodukte aus Biogasanlagen sind hochwertige organische Düngemittel für die Landwirtschaft. Aber auch in anderen Bereichen erfreuen sich die Substrate einer zunehmenden Beliebtheit.

Noch vor wenigen Jahren wurden Gärprodukte aus Biogasanlagen ausschließlich auf landwirtschaftlich genutzten Flächen eingesetzt. Die Ausbringung erfolgt überwiegend in flüssiger Form mit der für Gülle üblichen Technik.

Durch zunehmende Restriktionen bei der Aufbringung von Nährstoffen auf landwirtschaftliche Flächen gewinnen in den vergangenen Jahren Absatzmärkte außerhalb der Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Biogasanlagen produzieren neben flüssigen Gärprodukten auch speziell aufbereitete Handelsdünger, die meist in fester Form z. B. auch in Privatgärten oder im Garten-/Landschaftsbau eingesetzt werden können.

Wachstum alternativer Absatzbereiche

Im Rahmen der jährlichen BGK-Jahresabfrage werden bei allen Biogasanlagen, die der RAL-Gütesicherung unterliegen, auch die Vermarktungswege der Gärprodukte erfasst. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Anteil der außerhalb der Landwirtschaft vermarkteten festen Gärprodukte von 10 % auf über 22 % mehr als verdoppelt. Markant war der Anstieg in den letzten drei Jahren. Für die Zukunft ist zu erwarten, dass sich der progressive Trend - insbesondere für aufbereitete Gärprodukte - fortsetzt.

Variable Düngeprodukte für neue Märkte

An Düngemittel, die in Privatgärten sowie im Bereich des öffentlichen und gewerblichen Garten-/Landschaftsbau eingesetzt werden, werden hohe Anforderungen gestellt. Neben den Qualitätsanforderungen der Rechtsbestimmungen und der Gütesicherung an die Inhaltsstoffe und Hygiene, spielen auch die Nährstoffverhältnisse, das Aussehen, der Geruch und die Homogenität (Körnung) eine Rolle.

Geforderte Eigenschaften können oftmals nur durch zusätzliche Aufbereitung der Gärprodukte erreicht werden. Viele Biogasanlagenbetreiber haben daher in entsprechende Technik investiert. Zu nennen sind Separationsaggregate, Trocknungstechnik sowie Systeme zur Pelletierung und Granulierung. Auch eine mehrwöchige Nachrotte fester Gärprodukte, ggf. nach einer vorhergehenden Entwässerung, kann sinnvoll sein.

Aufbereitete Produkte können mit Nährstoffen ergänzt werden. Auch eine Abreicherung von Nährstoffen kann zur Diskussion stehen, etwa wenn die Substrate im Bereich der Erdenproduktion eingesetzt werden sollen.

Erste Erdenwerke zeigen Interesse

Gerade feste Gärprodukte aus nachwachsenden Rohstoffen NawaRo-Gärprodukte) können für den Einsatz in Erden und Kultursubstraten geeignet sein. Sie weisen i.d.R. geringe Gehalte an löslichen Nährstoffen sowie Salzen auf und können bei der Herstellung von Pflanzsubstraten und Blumenerden daher in wesentlichen quantitativen Anteilen eingesetzt werden.

Klassische Mischkomponenten wie z. B. Torf können so ersetzt und die ökologische Wertigkeit der Substrate verbessert werden. Erste Beispiele für den Absatz gütegesicherter Gärprodukte aus Biogasanlagen an Erdenhersteller sind bereits zu verzeichnen.

Markthemmnisse vermeiden

Die Entwicklung der neuen Absatzbereiche für aufbereitete Gärprodukte entspricht auch den politischen Zielsetzungen zur Nachhaltigkeit, dem Ressourcenschutz und einem regionalem Nährstoffmanagement.

Neben der Stützung dieser Entwicklung gilt es aber auch etwaige Hemmnisse zu vermeiden. Ein Beispiel wäre etwa die erwartete Novelle der Bioabfallverordnung. In dieser ist vorgesehen, den Anwendungsbereich der Verordnung über die Landwirtschaft hinaus auch auf Flächen des Garten- und Landschaftsbaus auszuweiten. Dies würde bedeuten, dass aufbereitete Gärprodukte aus Biogasanlagen, die Bioabfälle (mit-)verarbeiten, als „Abfälle“ gelten und den abfallrechtlichen Nachweisverfahren der Verordnung unterworfen werden. Das war und ist bislang nicht der Fall. Es wäre aber, wenn es kommt, gerade in den innovativen Absatzbereichen von Gärprodukten ein enormes Markthemmnis. (KI)

Den ursprünglichen Artikel finden sie hier.



Copyright: © Bundesgütegemeinschaft Kompost e.V. (16.12.2020)
 
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