DGAW Position zum Chemischen Recycling

Die DGAW sieht chemisches Recycling langfristig als wertvolle
Ergänzung zum werkstofflichen Recycling

Das werkstoffliche Kunststoffrecycling ist seit Jahrzehnten etabliert. Aktuell werden zunehmend physikalische und chemische Verfahren als Erg√§nzung des mechanischen Recyclings diskutiert. Die Diskussionen zu diesem Thema werden intensiv gef√ľhrt, weil in den Verfahren eine Konkurrenz u.a. zum mechanischen Recyclinggesehen wird. Vordergr√ľndig werden die Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit in Frage gestellt.

Die DGAW begr√ľ√üt die Bestrebungen, insbesondere der chemischen und petrochemischen Industrie, mit Investitionen von rund 2,6 Milliarden Euro bis 2025 und rund 7,2 Milliarden Euro bis 2030 eine Erg√§nzung zum mechanischen Recycling zu schaffen und damit die Produzentenverantwortung wahrzunehmen.(Quelle: ‚ÄěKunststofferzeuger wollen Milliarden in chemisches Recycling investieren‚Äú im Online-Magazin320Gradvom 01.06.2021)

Fakt ist:

  1. Das werkstoffliche Recycling ist weder bisher noch in absehbarer Zeit in der Lage, die ambitionierten Recyclingquoten der EU mengenm√§√üig in der notwendigen Qualit√§t zu erreichen. Daher werden bisher und auch zuk√ľnftig erhebliche Mengen an Kunststoffen entweder energetisch genutzt oder ins Ausland exportiert, wenn keine neuen Verfahren etabliert werden.
  2. Die Verfahren des physikalischen und chemischen Recyclings sind noch nicht vollst√§ndig ausgereift, auch wenn es bereits gr√∂√üere Anlagen im halbindustriellen Ma√üstab gibt. Viele Verfahren haben gro√ütechnisch, √∂konomisch und √∂kologisch bisher nicht √ľberzeugen k√∂nnen. Die ver√∂ffentlichten Studien zeigen sowohl den umfangreichen Forschungsbedarf als auch das hohe Potenzial dieser neuen Verfahren.

Daher pl√§diert die DGAW daf√ľr:

  1. Weitere Studien durchzuf√ľhren, die die √Ėkobilanz sowie die technische Reife (TRL-technical readiness level) der Verfahren untersuchen.
  2. Neben den Recyclingquoten werden zuk√ľnftig verst√§rkt Substitutionsquoten bzw. Vorgaben f√ľr den ‚Äěminimal content‚Äú an Recyclingmaterial in Neuware festgelegt. Den Start machen die PET-Getr√§nkeflaschen, die ab 2025 zu 25% aus rPET bestehen m√ľssen. Es werden weitere Produkte und Verpackungen nach dem Willen der EU folgen. Dies begr√ľ√üt die DGAW sehr, da damit eine langj√§hrige Forderung der DGAW zum verst√§rkten Einsatz von Recyclingmaterial in Verantwortung der Produzenten umgesetzt wird.
  3. Nach Einsch√§tzung der DGAW wird gerade im Lebensmittel-und im Kosmetikbereich die Qualit√§t der Rezyklate aus dem derzeitigen mechanischen Recycling nicht ausreichen und eine Zulassung unwahrscheinlich sein. Daher kann das chemische Recycling zu einer Erh√∂hung des Einsatzes von Post-Consumer-Kunststoffabf√§llen f√ľhren. Denn aus den Produkten (Pyrolyse√∂l oder Syngas) k√∂nnen Kunststoffe in Neuwarequalit√§t hergestellt werden, so dass das Recycling von Mischkunststoffen gesteigert werden kann. Die Kreislauff√ľhrung des im Kunststoffabfall enthaltenen Kohlenstoffes wird einen Beitrag zur Dekarbonisierung der Industrie leisten.
  4. Zugleich vertritt die DGAW die Position, dass die aufw√§ndige Aufbereitung von z.B. Mischkunststoffen zu Produkten wie Pyrolyse√∂l oder Syngas, sowie deren anschlie√üende Verbrennung z. B. als Diesel, kein ‚ÄěRecycling‚Äú sein kann. In diesem Fall sollte aus Sicht der DGAW die direkte thermische Umwandlung zu Strom und Abw√§rme bevorzugt werden.
  5. Auch die alleinige Betrachtung von Verpackungskunststoffen ist zu kurz gedacht und l√§sst viele technische Kunststoffe au√üer Acht, f√ľr die es aktuell keine werkstofflichen Verfahren gibt.

Diesen Prozessen in Deutschland und der EU im weiteren Sinne keine Chance zu geben, sieht die DGAW als r√ľckw√§rtsgewandt. Ein solches Klima in Deutschland d√ľrfte dazu f√ľhren, dass die Innovatoren und Investoren in risikofreudigere L√§nder abwandern.

Die Zeit scheint reif: Wir sollten neuen Verfahren und neuen Akteuren eine Chance geben, sich in der Praxis zu beweisen. Nur so kommen wir auf dem Weg zur Circular Economy weiter.

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Copyright: © DGAW - Deutsche Gesellschaft f√ľr Abfallwirtschaft e.V. (23.07.2021)
 
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