Insolvenz Schmack Biogas AG

Interview mit Professor Dr. Josef Hofmann zur Auswirkung in der Branche - "Ich sehe die Perspektiven fĂŒr den Biogasanlagenmarkt eher in vielen kleineren Projekten im lĂ€ndlichen Raum..."

ASK:
Sehr geehrter Herr Professor Hofmann. Erst vor wenigen Tagen meldete die Schmack Biogas AG Insolvenz an. Was
bedeutet das fĂŒr die Biogasbranche. Ist die VergĂ€rung von Organik aus der Landwirtschaft damit am Ende?
Josef Hofmann:
Aus meiner Sicht hat dies auf die Biogasbranche keine gravierenden Auswirkungen, da es in diesem Bereich viele mittelstĂ€ndische Planer und Hersteller von Biogasanlagen und Systemkomponenten fĂŒr Biogasanlagen gibt, die den anziehenden Markt fĂŒr Biogasanlagen gut versorgen können.
Mit der Schmack AG verliert die Branche jedoch eine eine innovative Firma, die viel Engagement und finanzielle Mittel in die Forschung und Entwicklung neuer Technologien gesteckt hat. Ich frage mich jedoch, ob die Entwicklung des Biogasmarktes vom Vorstand der Schmack AG in den letzten drei Jahren nicht etwas zu positiv gesehen wurde. Gerade die nahezu explodierenden Preise fĂŒr landwirtschaftliche Rohstoffe im Jahr 2008 haben zunĂ€chst viele institutionelle Investoren abgeschreckt, in große Anlagen zu investieren, deren Inputkosten sie mittelfristig nicht vorhersagen können. Denn gerade im Bereich der grĂ¶ĂŸeren Biogasanlagen fĂŒr nachwachsende Rohstoffe mit mehr als 300 Kilowatt elektrischer Leistung besteht eine Konkurrenzsituation mit der Nahrungsmittelproduktion und somit mit den Weltmarktpreisen fĂŒr Lebensmittel. Großanlagen fĂŒr nachwachsende Rohstoffe waren jedoch der HauptgeschĂ€ftsschwerpunkt der Schmack AG. Aus meiner Sicht besitzt die Biogastechnologie in der Landwirtschaft weiterhin ein großes Potenzial, wenn auch mehr im Bereich kleinerer Anlagen, die eine vollstĂ€ndige regenerative WĂ€rme- und Stromversorgung im lĂ€ndlichen Raum im Verbund mit Sonne, Wind und fester Biomasse ermöglichen. Gerade die VergĂ€rung von organischen Reststoffen aus der Landwirtschaft wie GĂŒlle oder RĂŒckstĂ€nde aus der Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln bietet weiterhin große Chancen, da die Erzeugerkosten fĂŒr diese Einsatzstoffe in Biogasanlagen bei nahezu 0 Euro liegen. 


ASK:
Schmack Biogas hat in Deutschland als erstes Unternehmen die Biogaseinspeisung realisiert. Haben sie sich daran ĂŒberhoben? 
Josef Hofmann:  
Ich denke nicht, dass die Realisierung der Biogaseinspeisung in das Erdgasnetz die alleinige Ursache fĂŒr die Insolvenz der Schmack AG war.

Die meisten dieser Großanlagen werden allerdings von Investoren realisiert, die auf ein strenges Kostencontrolling bei Planung und Bau von Biogasanlagen achten. Inwieweit die Gewinnmargen aus diesen Projekten fĂŒr die Schmack AG noch ausreichend fĂŒr einen wirtschaftlichen Erfolg waren, kann ich nicht beurteilen, da ich hier keine Einblicke habe.
ASK:
Schmack hat auf Großanlagen gesetzt und sah sich damit erheblichen Investitionen und Risiken ausgesetzt. Ist das der richtige Weg fĂŒr die deutsche Industrie?
Josef Hofmann:
Ich sehe die Perspektiven fĂŒr den Biogasanlagenmarkt eher in vielen kleineren Projekten im lĂ€ndlichen Raum, bei denen die WĂ€rme bzw. das Biogas ohne aufwĂ€ndige Gasreinigung möglichst vor Ort genutzt werden kann. Allerdings mĂŒssen hier vernetzte Konzepte entwickelt werden, die die Landwirte, BĂŒrger und Kommunalpolitiker einbinden und somit eine möglichst hohe Akzeptanz vor Ort schaffen. Hier spielt vor allem die Bauleitplanung der Gemeinden eine wichtige Rolle, da die Standorte der Anlagen so gewĂ€hlt werden mĂŒssen, dass es nicht zu Konflikten mit Nachbarn kommt. Ferner sind im Rahmen einer Standortanalyse auch die Potenziale fĂŒr Einsatzstoffe der Biogasanlagen und fĂŒr WĂ€rmeabnahme in den jeweiligen Gemeinden vor dem Bau von Biogasanlagen zu ermitteln.
Außerdem ist eine robuste Anlagentechnik mit durchdachten Stoff- und WĂ€rmeströmen zu wĂ€hlen, um eine möglichst gute Wirtschaftlichkeit bei gleichzeitig hohen Umweltstandards zu erreichen. Dies bietet bei den derzeit sinkenden Preisen fĂŒr landwirtschaftliche Erzeugnissen Möglichkeiten fĂŒr die Landwirte vor Ort gesicherte Preise fĂŒr ihre Produkte zu erzielen und fĂŒr die BĂŒrger eine langfristig stabile und kosteneffiziente WĂ€rmeversorgung zu erreichen. Außerdem können hiermit ArbeitsplĂ€tze in der Landwirtschaft gesichert werden und auch neue ArbeitsplĂ€tze beim Anlagenbetrieb geschaffen werden. 

 
ASK:
Sehr geehrter Herr Professor Hofmann,  
mit Ihrer langjĂ€hrigen Erfahrung aus der Bezirksregierung Niederbayern sind Sie nun seit 01.Oktober dieses Jahres als Professor fĂŒr Energie- und Umwelttechnik an der Hochschule Landshut; sicher haben Sie noch vieles vor. WĂŒrden Sie uns bitte einen kleinen Ausblick in Ihre zukĂŒnftige Ziele geben.
Josef Hofmann:
An der Hochschule Landshut bin ich in den Bachelor-StudiengĂ€ngen Maschinenbau und Automobil und Nutzfahrzeugtechnik in der Lehre in den Bereichen Chemie, Energie- und Umwelttechnik sowie Energieversorgung, Klimaschutz und Stoffstrommanagement eingebunden. Der Umgang mit junden Menschen und die Sensibilisierung fĂŒr diese Themen bereitet mir sehr viel Freude.
Ich möchte mich im Bereich der Energietechnik vor allem mit Fragestellungen der Biogastechnik und Solartechnik sowohl in der Lehre als auch in der angewandten Forschung und Entwicklung auseinandersetzen, da diese beiden Schwerpunkte auch eine große Bedeutung fĂŒr den Raum Landshut und darĂŒber hinaus auch fĂŒr Bayern in energiewirtschaftlicher Sicht haben. Im Bereich der Umwelttechnik ist die Entsorgung von KlĂ€rschlamm ein fĂŒr die kommunalen KlĂ€ranlagenbetreiber gerade in Niederbayern derzeit ein drĂ€ngendes Problem, zu dem ich im technischen Bereich Lösungen anbieten möchte. Besonders bin ich an der Zusammenarbeit mit Firmen aus Ober- und Niederbayern im Umwelt- und Energietechnikbereich interessiert, um gemeinsam mit Studenten aus unserer Hochschule innovative Lösungen zu aktuellen Fragestellungen zu entwickeln.

Mit freundlichen GrĂŒĂŸen
Josef Hofmann
 
Das Interview fĂŒhrte Werner P. Bauer



Copyright: © ASK-EU (27.10.2009)
 
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