Die NiedersÀchsische Technische Hochschule (NTH) hat ein neues zentrales Forschungsvorhaben offiziell eingeweiht
Neuer NTH-Projektverbund: âStrategien und Methoden des Life-Cycle-Engineerings fĂŒr Ingenieurbauwerke und GebĂ€udeâ.
Die Bauingenieure an der TU Braunschweig und der Leibniz UniversitĂ€t Hannover haben sich in einem NTH-Verbundprojekt zusammengeschlossen, um mit gebĂŒndelter Kompetenz und gemeinsamen KrĂ€ften die Zustandsentwicklung von Ingenieurbauwerken, GebĂ€uden und KĂŒstenschutzanlagen besser vorhersagen zu können.

Auf diesen Erkenntnissen aufbauend lassen sich fĂŒr solche Bauwerke Strategien und Methoden fĂŒr ein âLife-Cycle-Engineeringâ entwickeln und in ein Lebensdauer-
managementsystem integrieren. Das ambitionierte Vorhaben gehört zu den so genanten âTop-down-Projektenâ der NTH, die ĂŒbergreifende Forschungskompetenzen in zentralen gemeinsamen AktivitĂ€ten der drei Partnerhochschulen bĂŒndeln.
Bild: Die VersuchsbrĂŒcke âConcertoâ steht auf dem GelĂ€nde des Instituts fĂŒr Baustoffe, Massivbau und Brandschutz der TU Braunschweig. Sie dient Bauingenieuren dazu, SchĂ€digungen zu untersuchen, Prognosemodelle zu ĂŒberprĂŒfen und die Ăberwachungsmethoden zu verbessern. Dadurch lĂ€sst sich die Entwicklung des Bauwerkszustandes genauer voraussagen. NTH

Warum die Aufgabe der Ingenieure, sich mit den bestehenden Bauwerken zu befassen, fĂŒr ein entwickeltes Industrieland mit alterndem Bauwerksbestand so wichtig ist, verdeutlicht ein beispielhafter Blick auf die StraĂenbrĂŒcken. In Deutschland gibt es ĂŒber 120.000 StraĂenbrĂŒcken, davon allein 40.000 an FernstraĂen, also an den BundesstraĂen und Autobahnen. Viele BrĂŒcken sind nach langjĂ€hriger Nutzung unter stark angewachsenem Verkehr heute erheblich geschĂ€digt und mĂŒssen instandgesetzt oder erneuert werden.
Bild: Bei der Eröffnung (von links): Prof. JĂŒrgen Hesselbach, PrĂ€sident der TU Braunschweig, Prof. Johanna Wanka, Ministerin fĂŒr Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen, Prof. Erich Barke, PrĂ€sident der LU Hannover, die Projektsprecher Prof. Ludger Lohaus und Prof. Harald Budelmann, Dr. Alexander Holst, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des NTH-Projektes. NTH
MĂŒssten diese 40.000 FernstraĂenbrĂŒcken heute alle neu gebaut werden, so wĂŒrde das ca. 80 Mrd. Euro kosten. FĂŒr den Erhalt der BrĂŒcken werden pro Jahr aber nur 400 Mio. Euro ausgegeben. Diese Mittel reichen bei weitem nicht aus, um den BrĂŒckenbestand langfristig zu erhalten. Ăhnliche Situationen liegen praktisch fĂŒr die gesamte Infrastruktur unseres Landes vor, fĂŒr KlĂ€ranlagen, AbwasserkanĂ€le, KĂŒstenschutzbauwerke, Wohn- und IndustriegebĂ€ude u.v.m. Der BĂŒrger bemerkt die kontinuierliche Zustandsverschlechterung der Infrastruktur meist nur, wenn sie seine NutzungsbedĂŒrfnisse betrifft, z.B. wenn sich nach einem strengen Winter der Zustand vieler StraĂenoberflĂ€chen verschlechtert hat.
Um bei Mittelknappheit eine möglichst lange, nachhaltige und zuverlĂ€ssige Nutzung sowie eine Optimierung der Investitions- und Betriebskosten (Gesamtkosten) und eine Minimierung der Auswirkungen auf die Umwelt (Ressourcen, Energie, Emissionen) zu erreichen, muss man in die Zukunft schauen und abschĂ€tzen, wann welcher Eingriff an welchem Bauwerk zur Erreichung dieses Gesamtzieles sinnvoll ist. Dies ist die Aufgabe des Life-Cycle-Engineerings (LCE), innerhalb dessen das Lebensdauermanagement auf alle MaĂnahmen zur Sicherstellung der FunktionalitĂ€t der Bauwerke wĂ€hrend der gesamten Lebensdauer gerichtet ist.
Nun sind Ingenieure keine Propheten, wohl aber kennen sie Methoden, um anhand der Beurteilung des heutigen Zustandes und mit Hilfe einer BauwerksĂŒberwachung, AbschĂ€tzungen in die Zukunft vorzunehmen. Die erwartete Zustandsentwicklung wird dann in sogenannten Prognosemodellen beschrieben. Heute sind in Teilbereichen bereits solche Prognosemodelle und Ăberwachungsmethoden verfĂŒgbar, jedoch fehlt eine abgestimmte, ganzheitliche Methodik, mit der das Wechselspiel unterschiedlicher Teilprozesse und Randbedingungen wĂ€hrend der Lebens- bzw. Nutzungsdauer physikalisch begrĂŒndet modelliert, kontrolliert sowie ganzheitlich bewertet und adaptiv gesteuert werden kann.
Das NTH-Projekt nimmt sich vor, die Möglichkeit fĂŒr ein Lebensdauermanagement von Bauwerken wesentlich zu verbessern.
In insgesamt sechs Teilprojekten mit gemischten Arbeitsgruppen aus acht LehrstĂŒhlen der LU Hannover und sieben der TU Braunschweig fĂŒhren die Bauingenieure beider UniversitĂ€ten ihre wissenschaftlichen Kompetenzen unter der Gesamtkoordination der TU Braunschweig zusammen. Das Verbundprojekt wird aus Mitteln der NiedersĂ€chsischen Hochschule (NTH) ab 1.7.2010 wĂ€hrend einer Laufzeit von 2,5 Jahren mit insgesamt 2,5 Mio. Euro gefördert. Am Ende des Projektes soll auĂerdem ein weiterfĂŒhrendes gemeinsames Forschungsprojekt beider UniversitĂ€ten im Bauingenieurwesen entstehen.
Kontakt:
FĂŒr weitere AuskĂŒnfte steht Ihnen Dr.-Ing. Alexander Holst, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des NTH-Forschungsprojektes, Institut fĂŒr Baustoffe, Massivbau und Brandschutz der TU Braunschweig, unter Telefon +49 531 391 5440 oder per E-Mail unter a.holst@ibmb.tu-bs.de zur VerfĂŒgung.
NiedersÀchsische Technische Hochschule
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Dr. Elisabeth Hoffmann, Pressesprecherin
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kirsten.poetzke@nth-online.org
Weitere Informationen:
http://www.nth-online.org/forschung-an-der-nth/forschungsprojekte/nth-projekte/lifecycle/ - Projektseite der NTH
http://www.nth-bau.de/ - Website des Projekts fĂŒr weiterfĂŒhrende Informationen
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