Forscher untersuchen Einfluss des Bodens auf das Klima

Wenn die ersten Fr√ľhjahrsst√ľrme √ľber das Land peitschen, denkt man gerade als Laie nicht daran, welch wichtige Rolle der Boden bei diesen atmosph√§rischen Prozessen spielt. Denn Erdreich und Vegetation sind ein enorm wichtiger Bestandteil der irdischen "Klimamaschine". Seit 2007 versuchen Wissenschaftler der Universit√§ten Bonn und K√∂ln, der RWTH Aachen sowie des Forschungszentrums J√ľlich, das komplexe Wechselspiel zwischen Boden und Atmosph√§re besser zu verstehen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat nun zugesagt, das Projekt f√ľr weitere vier Jahre zu f√∂rdern. Dabei hat die DFG die F√∂rdersumme fast verdoppelt - auf √ľber 3 Millionen Euro pro Jahr.

Das Gro√üprojekt TR32 (Transregio-Sonderforschungsbereich 32) besch√§ftigt sich vor allem mit dem W√§rmeaustausch zwischen Boden und Luft. "Die Erdoberfl√§che ist ganz wesentlich daf√ľr verantwortlich, wie die Energie der Sonnenstrahlung √ľberhaupt in die Atmosph√§re hineinkommt", erkl√§rt Professor Simmer. "Der gr√∂√üte Teil der W√§rme nimmt n√§mlich einen Umweg: Erst heizt die Sonne den Boden auf, dann erw√§rmt der wie eine Herdplatte die Luft dar√ľber."
Wichtige Beteiligte an diesem Prozess sind Wasserdampf und Kohlendioxid. "Wasserdampf ist ein guter Energiespeicher", sagt Simmer. "Damit Wasser zu Dampf werden kann, wird Energie benötigt. Wenn Dampf zu Wasser kondensiert, wird diese Energie wieder frei." Auch die Pflanzen sind ein Teil dieses Gas- und Wasser-Kreislaufs: Um wachsen zu können, nehmen sie Kohlendioxid aus der Luft auf. Dazu öffnen sie die Poren in ihren Blättern und Stängeln - mit dem Resultat, dass das in ihnen enthaltene Wasser verdunstet und als Gas in die Atmosphäre entweicht. Dies alles nimmt Einfluss auf die Phänomene, die der Mensch in kleinem Maßstab "Wetter" nennt, in großem Maßstab "Klima". Wann und wo zum Beispiel Wolken und Gewitter entstehen, wie stark der Wind weht und wieviel es wo regnet.
Um all das besser verstehen zu k√∂nnen, wollen die Experten zun√§chst die Atmosph√§re genauer als bislang √ľblich betrachten. Dazu richten sie zum Beispiel Mikrowellen-Sensoren gen Himmel, um die W√§rmestrahlung der Atomsph√§re zu messen, ihren Wasserdampfgehalt, teilweise sogar die Form der Tropfen im Regen: Ziel ist, unter anderem das bekannte "Regenradar" wesentlich zu verfeinern.
Die Forscher wollen auch untersuchen, wo im Boden Wasser und Kohlendioxid gespeichert werden. Dazu durchleuchten sie das Erdreich mit einer Art Tomografen. Wie wichtig der Aspekt ‚ÄěBodenfeuchte‚Äú beispielsweise f√ľr Wettervorhersagen ist, wei√ü jeder, der K√ľsten- und Kontinentalklima vergleicht: Wasser ist ein sehr guter W√§rmespeicher ‚Äď Grund f√ľr die milden Winter an den K√ľsten.
Ziel der Wissenschaftler ist es, die derzeit benutzten Klima- und Wetterprognosesysteme zu verbessern. In der aktuellen zweiten F√∂rderphase wollen sie dazu ein Modell erstellen, das alle relevanten Prozesse vom Grundwasser bis zur Gewitterwolke miteinander verkn√ľpft. Mit Hilfe von Supercomputern soll sich dann verl√§sslicher berechnen lassen, wie sich das Weltklima in den kommenden Jahrzehnten entwickeln k√∂nnte.
Insgesamt vereint der TR32 √ľber 20 verschiedene Projekte. Die Universit√§t Bonn stellt mit Professor Clemens Simmer vom Meteorologischen Institut den Sprecher und mit Professor Dr. Bernd Diekkr√ľger vom Geographischen Institut seinen Stellvertreter. Das Leitungsgremium wird durch weitere Vertreter der drei Kooperationspartner, Professor Dr. Susanne Crewell aus K√∂ln, Professor Dr. Christoph Clauser aus Aachen und Professor Dr. Harry Vereecken aus J√ľlich, komplettiert.
Kontakt:
Professor Dr. Clemens Simmer
Meteorologisches Institut der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-5181 oder -5190
E-Mail: csimmer@uni-bonn.de



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