Boden als Ressource schätzen

"Cleansoil"-Verfahren ermöglicht eine schonende Aufbereitung
Der Wert fruchtbarer, unbelasteter Erde wird in Zeiten der Nahrungsmittelengp√§sse in einigen Teilen der Welt besonders deutlich. Daher wird die Suche nach effektiven Methoden zur Regeneration umso dringlicher. Bisher wird den Problemen haupts√§chlich mit Abtragung der verseuchten Erde begegnet. Im Rahmen des 6. EU-Forschungsrahmenprogrammes haben f√ľr das Projekt Cleansoil acht Partner aus Forschung und Industrie - darunter das ...

...Umweltinstitut des ttz Bremerhaven - eine vor Ort anwendbare Methode zur Regeneration der Bodenqualit√§t entwickelt. Erprobt wurde das Verfahren in russischen und ukrainischen Gebieten, die durch R√ľckst√§nde der Petrochemie schwer belastet waren. Das nun beendete dreij√§hrige Projekt mit einem Volumen von 965.000 Euro diente neben der Entwicklung eines √∂konomischen und √∂kologischen Verfahrens zur Bodenaufbereitung dem Ziel, Landbesitzern das Methodenwissen zu vermitteln.
 
Eine Untersuchung des russischen Landwirtschaftsministeriums lieferte 2001 erschreckende Zahlen zum Verschmutzungsgrad der regionalen B√∂den: 70 Millionen Hektar waren mit Schwermetallen belastet, 2,5% der untersuchten B√∂den wiesen Chemikalien der Risikoklasse 1 auf und auf 4% der Fl√§chen wurden Pestizide nachgewiesen. Schwermetalle, Pestizide, organische Industrier√ľckst√§nde, fl√ľchtige und schwerfl√ľchtige organische Verbindungen geh√∂ren zu den am meisten gefundenen Bodenverunreinigungen. Die Lebensqualit√§t in diesen Gebieten ist gering, Ackerbau kann nicht betrieben werden und die Belastung des Trinkwassers enorm hoch. Es wird davon ausgegangen, dass der gr√∂√üte Anteil der Bodenverschmutzung auf die Gewinnung von Hydrocarbonaten in der Erd√∂lindustrie zur√ľckgeht. Dass es keine Grenzwerte f√ľr die zugelassene √Ėlbelastungen im Boden gibt, erschwert die Regeneration der verseuchten Fl√§chen.

Gerade in West Sibirien und der n√∂rdlichen Kaukasusregion, der Republik Komi, Baschkirien, der Republik Tatarstan und der Wolga Region ist der Verschmutzungsgrad hoch. Genaue Zahlen dazu liegen nicht vor. Das Problem wurde bisher ausschlie√ülich mit der Abtragung und dem Austausch von Boden behandelt - einer teuren, nicht immer praktikablen und f√ľr das √Ėkosystem sehr belastenden Methode. Die Kosten daf√ľr variieren je nach eingesetzter Technologie und Kontaminierungsgrad von 59 bis 109 Mio. €/ha. Mit dem Projekt CLEANSOIL wurde bewusst ein anderer Weg beschritten: zusammen mit drei russischen, einem polnischen und einem ukrainischen Forschungsinstitut, den Unternehmen Bioazul S.L. aus Spanien und Globe Water AB aus Schweden haben Forscher vom ttz Bremerhaven einen Weg gefunden, die Bodenwerte mittels Adsorption und Aufbereitung vor Ort zu verbessern. Dazu werden synthetischen H√ľlsen mit einem aufnahmef√§higen Material in den Boden eingesetzt, die wiederum durch Rohren miteinander verbunden sind.

Ist der Absorbtionsprozess weit genug fortgeschritten, kann das System einfach deinstalliert und die Kan√ľlen f√ľr eine weitere Verwendung aufbereitet werden. Der gro√üe Vorteil des Systems ist der gro√üfl√§chige Einsatz direkt vor Ort - besonders, wenn vorhandene Infrastruktur eine Abtragung unm√∂glich macht. Durch Installation und den Einsatz an verschiedenen Orten in Russland und der Ukraine wurde die Wirksamkeit bei verschiedensten Verschmutzungsgraden und -arten getestet. In Monchegorsk auf der Kola-Halbinsel sowie im sibirischen Khanty-Mansiysk konzentrierte sich der Aufbereitungsprozess auf Verunreinigungen der Hydrocarbone aus dem Erd√∂l. In Novo-Alexandrova, Dnepropetrovsk (Ukraine) sollte vor allem die Pestizidbelastung des Bodens reduziert werden.

W√§hrend des gesamten Untersuchungszeitraums wurden zur √úberpr√ľfung der Fortschritte Bodenproben entnommen. Parallel haben die Partner eine Machbarkeitsstudie erstellt und gekl√§rt, in welchem Verh√§ltnis der finanzielle Aufwand, die praktische Anwendbarkeit vor Ort und die Kosten f√ľr die Technik steht. Die Ergebnisse wurden in einer abschlie√üenden Studie zusammengefasst, die der Europ√§ischen Kommission und den Projektpartnern vorliegt. Fazit: Die absorbierenden Substanzen haben unterschiedlich auf verschiedene Arten der Verschmutzung reagiert. Die h√∂chste Effizienz wurde bei der Reinigung des Bodens von Pestiziden erreicht. Damit das entwickelte Know-how den Weg in die Praxis findet, wurden zwei Workshops - in Warschau und in Moskau - durchgef√ľhrt. Aufgrund der regen Beteiligung k√∂nnten 150 Landbesitzer √ľber das Verfahren informiert werden.
 
Weitere Informationen:
http://idw-online.de/pages/de/news260363
 
URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news260363



Copyright: © Informationsdienst Wissenschaft e.V. -idw- (16.05.2008)
 
Name:

Passwort:

 Angemeldet bleiben

Passwort vergessen?