Chinesisches Importverbot: bvse fordert Trendumkehr

„Das chinesische Importverbot fĂŒr KunststoffabfĂ€lle wird weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen mĂŒssen. Es gibt gegenwĂ€rtig keine vernĂŒnftige Alternative, die Materialien, die bisher nach China exportiert wurden, auf andere ExportmĂ€rkte umzulenken. Es ist daher ein Umdenken bei Industrie, Handel und der Politik erforderlich“, erklĂ€rt Herbert Snell, VizeprĂ€sident des bvse-Bundesverband SekundĂ€rrohstoffe und Entsorgung.

GegenwĂ€rtig ist zu beobachten, dass der Markt fĂŒr KunststoffabfĂ€lle von einer schwarzen Null zu einer roten Null abdriftet, auch erste Zuzahlungen an die Kunststoffrecycler gibt es bereits. FrĂŒher haben Kunststoffrecycler fĂŒr eine Tonne Folie 70-120 Euro bezahlt, aktuell sind es Minus 60 bis 20 Euro. Die Kunststoffrecyclingunternehmen profitieren also zunĂ€chst von dem Überangebot an AbfĂ€llen. Auch deshalb, weil sie aus einem großen Mengenangebot die besten QualitĂ€ten auswĂ€hlen können.

„Auch wenn manche daran zweifeln. Wir glauben, dass China die angekĂŒndigten Maßnahmen sicherlich umsetzen wird. Vermutlich will China das Importverbot zum Anlass nehmen, die eigene Sammlung von KunststoffabfĂ€llen zu verbessern. Noch ist China zwar auf einen gewissen Mengenimport angewiesen. Aber spĂ€testens in ein, zwei Jahren wird die Situation in Deutschland extrem eng, wenn sich nichts Ă€ndert“, warnt bvse-Kunststoffexperte Thomas Probst.

Lösungsansatz: RecyclingfÀhigkeit im Fokus

Es muss deshalb so schnell wie möglich der Fokus darauf gelegt werden, dass schon bei der Produkt- oder Verpackungsentwicklung die RecyclingfĂ€higkeit berĂŒcksichtigt wird. Möglichst ressourcenschonende Produkte zu entwickeln, kommt dabei nicht nur der Umwelt zugute, sondern kann den Unternehmen auch helfen, Kosten zu sparen. Bislang wird dieses Feld von den Industrieunternehmen aber noch nicht mit dem nötigen Engagement beackert.

Daher fordern die Kunststoffrecycler im bvse ein „Design for Recycling“ von den Herstellern. Entsprechende AnsĂ€tze des Verpackungsgesetzes mĂŒssen in Abstimmung von Recyclern mit den Inverkehrbringern von Verpackungen umgesetzt werden. „Wir sagen auch ausdrĂŒcklich, dass wir bereit sind, hier unser Know-how beizusteuern. Es muss darum gehen, dass einerseits die Funktion der jeweiligen Verpackung gewĂ€hrleistet ist, aber andererseits, und das ist in der Vergangenheit unserer Meinung nach nur unzureichend beachtet worden, die gebrauchten Verpackungen fĂŒr ein qualitativ hochwertiges Recycling geeignet sind. Ein erster Schritt zu einem „Design for Recycling“ könnten definierte Bewertungskriterien sein oder auch die EinfĂŒhrung einer Recycling-Ampel, um die RecyclingfĂ€higkeit von Verpackungen zu verdeutlichen“, macht Dr. Dirk Textor, Vorsitzender des bvse-Fachverbandes Kunststoffrecycling deutlich.


Lösungsansatz: Sammelstrukturen optimieren

Der bvse sieht auch schon bei der haushaltsnahen Sammlung erhebliches Verbesserungspotenzial. „Die seit Jahren strĂ€flich vernachlĂ€ssigte Verbraucherkommunikation ist deutlich zu verstĂ€rken, wie bvse-VizeprĂ€sident Herbert Snell betont und er erklĂ€rt weiter: „Es kann doch nicht sein, dass Kommunen ihre HausmĂŒllentsorgung optimieren und dann die Sammlung fĂŒr VerpackungsabfĂ€lle zur weiteren RestmĂŒllsammlung verkommt. Es gibt Beispiele, dass als Folge einer Umstellung der öffentlich-rechtlichen Sammlung die RestmĂŒllmenge kleiner wurde und sich stattdessen die Gelbe-Tonne-Sammlung deutlich erhöht hat und die Material-QualitĂ€t dementsprechend in den Keller gerauscht ist. Da hilft dann auch die modernste Sortieranlage nicht mehr weiter!“

Aber auch die Sortieranlagenbetreiber sind aus Sicht der Kunststoffrecycler in der Verantwortung. Die von den Sortieranlagen gelieferten SekundĂ€rrohstoffe entsprechen zumeist nicht den vereinbarten Spezifikationen. Snell: „Auch hier gilt: QualitĂ€t beginnt beim Input!“ Um diesem Ziel nĂ€her zu kommen, werden höhere SortierkapazitĂ€ten benötigt. Dadurch entstehe Spielraum fĂŒr eine Verbesserung der SortierqualitĂ€t, die einhergehen mĂŒsse mit der Möglichkeit, dass Sortierer und Kunststoffrecycler bilaterale Vereinbarungen treffen können.

Lösungsansatz: Mehr Kunststoffrecyclate einsetzen

Eine weitere Stellschraube sieht der bvse-Fachverband Kunststoffrecycling auch im öffentlichen Beschaffungswesen. Bisher sind alle Forderungen, das öffentliche Beschaffungswesen auch auf das Kunststoffrecycling auszuweiten, erfolglos geblieben.

„Wir fordern hier eine Trendumkehr und zukĂŒnftig eine Vorreiterrolle der öffentlichen Hand. Die Vergabepraxis der öffentlichen Hand hinkt der in § 45 Kreislaufwirtschaftsgesetz verankerten Verpflichtung, ihren Bedarf nach Möglichkeit auch verstĂ€rkt ĂŒber Recyclingprodukte zu decken, immer noch stark hinterher. Gerade die Bundesbehörden, aber auch bundeseigene Unternehmen, hier insbesondere die Deutsche Bahn, sollten diese bundesgesetzliche Verpflichtung ernst nehmen. Das geschieht nur unzureichend und wir vermissen deshalb wirksame Gegenmaßnahmen der fĂŒr den Gesetzesvollzug zustĂ€ndigen LĂ€nderbehörden“, kritisiert bvse-VizeprĂ€sident Herbert Snell.







Copyright: © bvse-Bundesverband SekundĂ€rrohstoffe und Entsorgung (05.01.2018)
 
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