Schulze: "Intakte Natur ist Voraussetzung f√ľr krisenfeste Gesellschaft"

Bericht zur Lage der Natur zeigt gemischtes Bild vom Zustand von Arten und Lebensräumen in Deutschland


Der Natur in Deutschland geht es insgesamt nicht gut genug. Neben positiven Entwicklungen in W√§ldern und ersten Lichtblicken in D√∂rfern und St√§dten ist der Zustand der Natur vor allem in der Agrarlandschaft √ľberwiegend schlecht. Das geht aus dem "Bericht zur Lage der Natur" hervor, den Bundesumweltministerin Svenja Schulze und die Pr√§sidentin des Bundesamtes f√ľr Naturschutz, Beate Jessel, heute in Berlin vorstellten. Der Bericht basiert auf Daten, die nur alle sechs Jahre erhoben und an die EU-Kommission berichtet werden: insgesamt rund 14.000 Stichproben von den Sandb√§nken in der Nordsee bis zu den L√§rchenw√§ldern in den Alpen sowie vielen weiteren Beobachtungen aus dem bundesweiten Vogelmonitoring.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: "Die Generalinventur unserer biologischen Vielfalt in Deutschland zeigt ein sehr gemischtes Bild. In manchen Teilen des Landes erholt sich die Natur: Vielen Buchenw√§ldern geht es gut, in den W√§ldern und Siedlungen gibt es wieder mehr V√∂gel. Auch die Renaturierung von Fl√ľssen und Auen tr√§gt zur Erholung der Natur bei. Vor allem in der Agrarlandschaft geht es der Natur dagegen besorgniserregend schlecht. Das gilt besonders f√ľr Schmetterlinge und andere Insektenarten, die auf bl√ľtenreiche Wiesen und Weiden angewiesen sind. Denn diese wichtigen √Ėkosysteme gibt es in der intensiven Landwirtschaft immer seltener. Starke Verluste sehen wir auch bei vielen Vogelarten der Agrarlandschaft wie Kiebitz und Rebhuhn."

BfN-Pr√§sidentin Prof.Dr. Beate Jessel: "Artenreiche Wiesen und Weiden verzeichnen sowohl in der Fl√§che als auch in ihrer Artenvielfalt starke R√ľckg√§nge. Dieser Trend setzt sich seit dem ersten nationalen FFH-Bericht im Jahr 2001 ungebrochen fort. Mehr als die H√§lfte aller FFH-Gr√ľnland-Lebensraumtypen befindet sich in Deutschland in einem ung√ľnstig-schlechten Erhaltungszustand. Der Schutz des Gr√ľnlands muss deshalb nicht nur auf europ√§ischer, sondern auch auf nationaler Ebene verbessert werden. Wenn wir Arten und Lebensr√§ume erfolgreich sch√ľtzen und erhalten, kann die Natur ein Teil von L√∂sungen sein. Auch das verdeutlicht unser Bericht: Renaturierte Feuchtgebiete, intakte Moore und nachhaltig genutzte W√§lder k√∂nnen entscheidend zu Klimaschutz und Klimaanpassung beitragen."

Im Einzelnen sind 25 Prozent der untersuchten Arten in einem g√ľnstigen Erhaltungszustand, darunter der Seehund und die Kegelrobbe in der Nordsee oder der Steinbock in den Alpen. 30 Prozent sind in einem unzureichenden Zustand. 33 Prozent sind in einem schlechten Zustand, das betrifft vor allem Schmetterlinge, K√§fer und Libellen. Bei den Lebensr√§umen sieht es √§hnlich aus. Hier sind 30 Prozent in einem g√ľnstigen Zustand, zum Beispiel verschiedene Wald-Lebensr√§ume, alpine Heiden und Geb√ľsche sowie Fels-Lebensr√§ume. 32 Prozent weisen einen unzureichenden Zustand auf, w√§hrend sich 37 Prozent der untersuchten Lebensr√§ume in einem schlechten Zustand befinden, vor allem die landwirtschaftlich genutzten Gr√ľnland-Fl√§chen, aber auch Seen und Moore.


Hintergrundinformationen

Alle sechs Jahre nehmen Bund und L√§nder eine Bewertung des Zustands der Natur in Deutschland vor. Dazu werden umfassende Berichte erstellt, die durch die Bundesregierung an die EU-Kommission zur Erf√ľllung der europ√§ischen Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie und der EU-Vogelschutz-Richtlinie √ľbermittelt werden. Grundlage f√ľr die Analyse ist ein Datenschatz, den ehrenamtliche Natursch√ľtzerinnen und Natursch√ľtzer und Beh√∂rden bundesweit zusammengetragen: In rund 14.000 Stichproben haben sie im Zeitraum von 2013 bis 2018 den Zustand von Tieren, Pflanzen und Lebensr√§umen erfasst, die √ľber die europ√§ischen FFH- und Vogelschutzrichtlinien gesch√ľtzt sind. F√ľr den Vogelschutzbericht liefern die Programme des bundesweiten Vogelmonitorings eine weitere wichtige Datenbasis. Aus den Daten lassen sich auch R√ľckschl√ľsse auf die Lage der Natur in Deutschland insgesamt ziehen.
 

Die Originalpressemitteilung finden Sie hier.



Copyright: © Bundesministerium f√ľr Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (19.05.2020)
 
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