Die nachträgliche Untergrundabdichtung des Wadi-Dayqah-Dammes im Oman

Der Wadi-Dayqah-Damm ist die größte Talsperre im Sultanat Oman. Beträchtliche Regenfälle haben die Bauwerke bestehend aus einem Walzbetondamm und einem Erdschütt-Satteldamm bereits in den ersten Betriebsjahren auf die Probe gestellt. Nach der letzten starken Flut im Jahr 2010 wurden übermäßige Sickerwasseraustritte mit destabilisierenden Tendenzen im Bereich der rechten Talseite des Satteldammes beobachtet. Auch aufgrund von möglichen Auflösungsprozessen wurden Nachbesserungsarbeiten ausgeschrieben und die Firma STRABAG mit der Ausführung beauftragt.

Das an der Ostseite der arabischen Halbinsel gelegene Oman mit den Nachbarländern Vereinigte Arabische Emirate, Saudi Arabien und Jemen gehört zu den semiariden Gebieten der Erde. Die dort üblichen hohen Temperaturen, die hohe Verdunstungsrate und der niedrige durchschnittliche Niederschlag führen zu einem Wassermangel der Bevölkerung. Die Vereinten Nationen haben für das Sultanat eine jährliche Wiederanreicherung der Wasserressourcen von unter 500 m³ pro Kopf und Jahr berechnet; die Bewohner Omans leben somit unter der Wasserarmutsgrenze von 1 000 m³ pro Jahr. Wasser ist daher ein wertvolles Gut im Sultanat Oman und mit dem Bau von zahlreichen Staudämmen wurde in den letzten Jahrzehnten versucht, in den Trockentälern (Wadis) des Landes Regenwasser zurückzuhalten und zu speichern.

Vor allem durch die Größe seines Einzugsgebiets nimmt der ca. 100 km von der Hauptstadt Muskat entfernte Wadi Dayqah eine Sonderstellung unter den Trockentälern im Oman ein: Es kann hier auch außerhalb der Regenzeiten mit einem Abfluss von 1 bis 2 m³/s gerechnet werden. Seit den frühen 70er Jahren wurde dieser Flusslauf daher als eine mögliche Ressource für Wasser untersucht. Nach zahlreichen Studien wurde im Jahre 2006 schließlich an der geeignetsten Sperrenstelle in der Nähe des Dorfes Mazara mit dem Bau der Anlage begonnen. Bereits während der Bauarbeiten wurde der Oman von einer Flut ungeahnten Ausmaßes heimgesucht. Das 500-jährliche Hochwasserereignis Zyklon „Gonu“ traf das Sultanat mit einer solchen Zerstörungsgewalt, dass nicht nur Milliardenschäden entstanden, sondern auch das Projekt in Wadi Dayqah besonders im Hinblick auf die Leistungsfähigkeit der Hochwasserentlastung deutlich angepasst werden musste.

Der 2009 fertig gestellte Hauptdamm aus Walzbeton (RCC) ist 75 m hoch sowie 410 m lang und dient zugleich als Hochwasserentlastungsanlage mit einem maximal möglichen Abfluss von 13 800 m³/s, was dem neu berechneten HQ10 000 entspricht. Der nahegelegene Satteldamm aus Steinschüttmaterial wurde zur Absperrung eines links des Wadis gelegenen Seitentals mit einer Höhe von 50 m sowie einer Länge von 360 m errichtet und mit einer mineralischen Innendichtung versehen.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft 07-08/2014 (August 2014)
Seiten: 6
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: M. Sc. Norman Dix

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