Lösung des Schlickproblems an der Ems durch flexible Tidesteuerung mit dem Emssperrwerk

In den Sommermonaten leidet die Tideems unter extrem hohen Sedimentfrachten und damit verbunden unter hohen Sauerstoffzehrungen. Die ökologische Situation ist angespannt, die Unterhaltungskosten sind hoch. Die Flexible Tidesteuerung mit dem Emssperrwerk soll die Tideasymmetrie reduzieren und dadurch die Schwebstoffmengen entscheidend senken.

Die Tideems (Bild 1) ist in den letzten zwanzig Jahren, nicht nur wegen der medienwirksamen Überführungen der Kreuzfahrtriesender Papenburger Meyer Werft, zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeitund der zuständigen Fachbehörden geraten. Eine starke Verschlickung in den Sommermonaten, ausgelöst durch morphologische Anpassungen, aber möglicherweise auch durch stark verringerte Entnahmen von Schlick aus der Ems, hat dazu geführt, dass ernsthafte Auswirkungen auf die Lebewelt im Fluss zu beobachten sind. Auch die Gewässerunterhaltung des Flusses und der Betrieb der anliegenden Häfen wird zunehmend schwieriger (Bild 2). Seit 2008 gibt es Überlegungen und Untersuchungen dazu, wie man die Situation wieder verbessern kann. Ein paar Jahre später nahm sich auch die EU-Kommission dieser Problemlage an und setzte ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik Deutschland in Gang.

Um die Zahlung von drohenden Vertragstrafen zu vermeiden, wurden die Überlegungen zur Problemlösung nun gemeinsam mit vielen wichtigen Interessenvertretern entlang der Tideems nocheinmal beschleunigt. Der Masterplan Ems 2050 wurde in 2015 unterzeichnet. Ein Kernziel ist die Lösung der Schlickproblematikunter Wahrung der wirtschaftlichen Interessen an der Ems. Die Maßnahme des Masterplan Ems 2050, die sich zur Verbesserung der Wasserqualität heraus kristallisiert hat, ist die Flexible Tidesteuerung. Dieser Ansatz wurde gemeinsam vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und der Bundeswasserstraßenverwaltung (WSV) entwickelt und wird von beiden Institutionen vorangetrieben und umgesetzt.

Nach dem langwierigen Prozess der Erstellung eines verlässlichen Computermodells durch die Forschungsstelle Küste des NLWKN, welches in der Lage ist, derartige Schlickproblematiken zu modellieren, und den sich anschließenden Berechnungen sollte nun ein Praxistest erfolgen, der auch die praktischen Aspekte derFlexiblen Tidesteuerung beleuchtet. Themen wie die Auswirkungender Steuerungen auf das Emssperrwerk, die Auswirkungen der Sperrungen auf den Schifffahrtsbetrieb, die Entwässerung und den Baggerbedarf sollten vorrangig untersucht werden. Der technische Test konnte innerhalb eines Jahres vorbereitet, genehmigt und imSommer 2020 durchgeführt werden. Dazu war es erforderlich, vorab die Zustimmung der Interessenvertreter an der Ems zu erhalten und für mögliche Problemlagen Lösungen parat zu haben.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 07 (Juli 2021)
Seiten: 5
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Dirk Post
Andreas Engels
Markus Jänen

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