Anpassungsstrategien im Hochwassermanagement zwischen Gerechtigkeit und technischen Möglichkeiten

Das Hochwasserrisikomanagement unterliegt einer Vielzahl von verschiedenen Herausforderungen und Entwicklungen, die nicht immer ganz rasch und einfach hydrologisch-hydraulisch gelöst werden können. Durch den sozio-ökonomischen und demographischen Wandel der vergangenen Jahrzehnte hat sich nicht nur die Zusammensetzung der Gesellschaft verändert, sondern auch die Frage gewandelt, welche Ziele das Hochwasserrisikomanagement in der Gegenwart und in Zukunft verfolgen soll und kann.

Der Ausgleich zwischen der Sicherstellung der Bedürfnisse der Bevölkerung auf der einen Seite und den technischen Möglichkeiten bzw. der wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit von Schutzkonzepten zum Hochwasserschutz auf der anderen Seite sind kritisch zu betrachten. Hier spielt auch der technische Fortschritt eine bedeutsame Rolle, vor allem wie zukünftige Technologien das gesellschaftliche sowie das individuelle Risiko in Zukunft verringern können [1, 2, 3]. Verstärkt wird diese Entwicklung durch die Thematik, welche Rolle private Haushalte spielen können [2, 3]. In erster Linie befindet sich der Bereich des Restrisikos in diesem Spannungsfeld, einerseits zwischen technischem Schutz vor zukünftigen Hochwasserereignissen und, ob alle vor sämtlichen Hochwasserereignissen geschützt werden können oder nicht. Eine Herausforderung besteht darin, herauszufinden, ob es dabei unterschiedliche Schutzziele für die einzelnen Regionen und Gemeinden in einer Region geben kann oder nicht [4].

Diese Fragestellungen haben eine massive Auswirkung auf den Aspekt der Gerechtigkeit und welche Rolle das Hochwasserrisikomanagement dabei spielen soll [5]. Gerechtigkeit hat nicht nur eine Definition sowie Bedeutung für die Gesellschaft sowie für jede einzelne Person, sondern unterliegt einer Vielzahl von verschiedenen Erklärungsmustern und Interpretationen. Die verschiedenen Konzepte liefern unterschiedliche Antworten, sind aber per se weder falsch noch richtig, sondern verfolgen meist nur ein unterschiedliches Verständnis an die gesellschaftlichen Probleme heranzugehen und diese zu lösen. Hier sind die drei Gerechtigkeitsmaßstäbe Utilitarismus, Liberalismus und egalitärer Liberalismus die wichtigsten Ideenkonzepte, die auch im Hochwasserrisikomanagement sehr relevante Rollen spielen, aber meist für konkrete Handlungen recht abstrakt wirken [6, 7].

Anhand der österreichischen Hochwasserrisikomanagementpolitik erfolgt eine Auseinandersetzung hinsichtlich der Herausforderung, wie viel Schutz vor zukünftigen Hochwasserereignissen in der aktuellen Hochwasserrisikomanagementpolitik erzielbar ist und wie der Ausgleich der gesellschaftlichen Gerechtigkeit dabei erreicht wird.

Gerechtigkeitskonzepte im Hochwassermanagement

Der Utilitarismus, der erste Ansatz, stellt die Annahme auf, dass die Entscheidungen der öffentlichen Hand durch den gesellschaftlichen Nutzen (oder Glück und Leid bzw. Kosten und Nutzen) definiert werden müssen [5]. Dies führt dazu, dass sich Entscheidungen für bzw. gegen ein Projekt stark an der Gesellschaft bzw. dem gesellschaftlichen Mehrwert orientieren sollten. Übersetzt für das Hochwasserrisikomanagement würde dies bedeuten, dass bei sämtlichen Maßnahmen anhand der Kosten-Nutzen-Analyse (KNU) bewertet und entschieden werden sollte. Wer einen Schutz zur Verfügung gestellt bekommt bzw. wer zuerst (Priorisierung) die Maßnahme erhält, hängt daher massiv von dem Ergebnis der KNU ab: je höher der KNU-Wert ist, desto eher und rascher erfolgt die Umsetzung. Alternativ würde dies bedeuten, dass bei einem niedrigen oder gar negativen KNU-Wert kein Schutz oder eine andere Lösungsmöglichkeit, wie z. B. Umsiedlung der Bevölkerung aus dem Gefährdungsbereich, in Betracht gezogen werden müsste.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 09 (September 2020)
Seiten: 4
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Thomas Thaler

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