Erfolgreiche ökologische Verbesserungen in der Lachte

Die Durchgängigkeit ist unverzichtbar für den guten Zustand von Fließgewässern. Gleichzeitig müssen sich auch die Wasserqualität, die Struktur und das Substrat des Flussbettes in einem guten (naturnahen) Zustand befinden. Nur wenn alle abiotischen Qualitätsnormen der EG-WRRL einen guten Zustand erreicht haben, werden sich die meisten der ursprünglichen und typischen Arten wieder ausbreiten und eine gewässertypische Abundanz erreichen.


Die Lachte ist ein Fließgewässer der südlichen Lüneburger Heide (Niedersachsen) und entwässert mit ihren Nebenbächen Aschau und Lutter ein Einzugsgebiet von ca. 500 km2. Die Lachte mündet oberhalb von Celle in die Aller, noch oberhalb des Wehres der Celler „Rathsmühle". Die Wasserqualität der Lachte und ihrer Nebengewässer ist aufgrund des großen Waldanteils und der gut funktionierenden kommunalen und industriellen Kläranlagen inzwischen wieder recht gut.Mängel des ökologischen Zustands weisen große Teile des Fließgewässersystems der Lachte nach EG-WRRL [1] allerdings hinsichtlich Durchgängigkeit des Flusses, Struktur und Substrat des Flussbetts sowie Zusammensetzung und Abundanz der benthischen wirbellosen Fauna auf.In den letzten 20 Jahren bemüht sich der Unterhaltungsverband Lachte in enger Kooperation mit den zuständigen Wasser-und Naturschutzbehörden um die Verbesserung der ökologischen Situation in seinem Gewässersystem. Ein Teil dieser Maßnahmen erstreckt sich auf den Unterlauf zwischen Lachendorf und der Mündung in die Aller am Ortsrand von Celle (Bild 1). Ein Teil der dortigen Aktivitäten und die erreichten Erfolge werden vorgestellt.

Durchgängigkeit
Die ökologische Durchgängigkeit in der Aller und ihren rechten Nebengewässern zwischen Celle und ihrer Einmündung in die Weser bei Verden (Aller) ist bereits seit dem Mittelalter durch den Bau von Wassermühlen unterbrochen worden: Gohbach: Eitzer Mühle 1220, Lehrde: Stemmer Wassermühle ca. 1500, Böhme: Gutsmühle Böhme vor 1731, Meiße: Hudemühle in Hodenhagen um 1300, Örtze: Mühle Wolthausen 1438; Aller: Rathsmühle in Celle 1378 (Daten zur ersten urkundlichen Datierung der Mühlen aus [2]). Mit dem urkundlich 1378 belegten Bau der Rathsmühle in Celle wurde das gesamte oberhalb liegende Einzugsgebiet der Aller mit den größeren Nebengewässern Lachte, Schwarzwasser, Ise, Kleine Aller und insbesondere mit Oker und Schunter für die meisten Wanderfische unerreichbar. Konnten die jungen Aale die hölzernen Wehre noch gut überwinden, schafften den „großen Sprung" nur noch wenige Lachse, während z. B. die Störe seitdem ihre Laichgebiete nicht mehr erreicht haben. Leider ging damit auch das Wissen um ihr früheres Vorkommen in der kiesgeprägten [3] Aller verloren. Die Durchgängigkeit der Aller in Celle an der Rathsmühle wurde durch den Bau einer Fischtreppe im Jahre 2012 wesentlich verbessert [4], sodass zumindest die Kurzdistanz-Wanderfische aus der Aller unterhalb von Celle nach aufwärts und in Richtung auf die Lachte gelangen können.

Im Unterlauf der Lachte wurde die Durchgängigkeit an der Mühle Lachtehausen (Bild 1, Position 1) im Sommer 2005 in optimaler Weise wieder hergestellt (Bild 2)



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 06 (Juni 2020)
Seiten: 6
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Dr. Reinhard Altmüller
Dr. Thomas Ols Eggers
Ernst Kohls
Jens Kubitzki

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