Stickstoffeinträge aus der Landwirtschaft – ein überwindbares Hindernis bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie?

In Deutschland verfehlen 90 % der Oberflächengewässer und 38 % der Grundwasserkörper die Ziele der EU Wasserrahmenrichtlinie. Dafür sind auch zu hohe Stickstoff- und Phosphoreinträge aus der Landwirtschaft verantwortlich. Die umfangreichen Maßnahmen zur Reduzierung der Einträge genügen bislang nicht zur Zielerreichung.

Stickstoff ist einer der wichtigsten Nährstoffe auf der Erde. Durch die Herstellung von Ammoniak aus Luftstickstoff konnte die landwirtschaftliche Produktion im 20. Jahrhundert drastisch gesteigert werden. Einerseits erhöht dies die Versorgungssicherheit der stetig wachsenden Weltbevölkerung, andererseits gehen mit der Anreicherung der Stickstoffflüsse ernsthafte Umweltprobleme einher, welche den Gewässerschutz schon lange beschäftigen.
Die Stickstoffeinträge in die deutschen Binnenoberflächengewässer sind in den Berichtszeiträumen zwischen 1983 und 2011 von 1.030 kt/a auf 578 kt/a zurückgegangen. Die genannten Fortschritte resultierten vor allem durch den Ausbau der Kläranlagen in den 1990er-Jahren. Der Rückgang der diffusen Einträge aus der Landwirtschaft fällt hingegen deutlich geringer aus. Die landwirtschaftliche Produktion ist daher mittlerweile der mit Abstand größte Verursacher für den Stickstoffeintrag in Oberflächengewässer.
Besonders in Regionen mit hoher Viehhaltungsdichte, aber auch in auf Gemüsebau spezialisierten Gebieten kommt es zu hohen Stickstoffüberschüssen. Der Ausbau der Biogaserzeugung, welcher insbesondere durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) von 2004 und 2009 finanziell stark gefördert wurde, hat die Lage zusätzlich verschärft. Dabei ist der räumlich konzentrierte Anfall von Gärresten aus der Biogaserzeugung vor allem in Regionen problematisch, wo bereits hohe Stickstoffüberschüsse bestanden. Allgemeine Intensivierungstendenzen in der Landwirtschaft, zu denen auch der vermehrte Anbau von Energiepflanzen beiträgt, sind aus Sicht des Wasserschutzes ebenfalls negativ zu bewerten.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 06 2015 (Juni 2015)
Seiten: 6
Preis: € 10,90
Autor: Dr. Markus Salomon
Till Kuhn

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