ISOBEL - Lebensraumfunktion von Fischaufstiegsanlagen und Auswirkung der Revitalisierungsmaßnahmen auf die Fischfauna

In der Iller zwischen Altusried und Lautrach wurde die Wanderung von Fischen durch fünf Fischaufstiegsanlagen, deren Eignung als Lebensraum und die Auswirkung der Revitalisierung von kiesigen Gewässerstrukturen untersucht. Es konnte gezeigt werden, dass Fische artspezifisch sowohl Schlüsselhabitate im Hauptfluss als auch in Fischaufstiegsanlagen nutzen. Revitalisierungsmaßnahmen müssen immer sowohl im Hauptfluss als auch in natürlichen und künstlich angelegtenNebengewässern stattfinden und die Anforderungen der Zielfischarten auf Artniveau betrachtet werden.

1 Einleitung
In der 2021 aktualisierten Version der bayerischen Roten Liste für die Artengruppe Fische wurden 40 der 75 analysierten Arten in eine der sechs Gefährdungskategorien aufgenommen [1]. Dies entspricht einem Anteil von 53 %. Der Grund für die hoheGefährdung der heimischen Fischarten liegt fast ausnahmslos in der anthropogenen Nutzung der Gewässer. Diese führt in Fließgewässern häufig zu massiven hydromorphologischen Veränderungen, welche sich wiederum negativ auf die in den Gewässern lebenden Biozönosen auswirken. Besonders starke Auswirkungen zeigt dabei der Bau von Querbauwerken. Querbauwerke führen häufig zu einer tiefgreifenden Änderung der Abfluss- und Strömungssituation sowie des Sedimenttransports und resultieren in einer Unterbrechung der linearen Durchgängigkeit.  Dies wirkt sich vor allem auf rheophile Kieslaicher sowie Mittel- und Langstreckenwanderfische negativ aus. Der Grund für deren Rückgang liegt primär in dem Verlust von geeigneten Schlüssellebensräumen, besonders Jungfisch- und Laichhabitate sowie einer fehlenden Durchgängigkeit [2]. Die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) soll dieser Entwicklung entgegenwirken. Sie formuliert umfassende Ziele und Handlungswerkzeuge für den Schutz europäischer Gewässer. Eine zentrale Forderung der WRRL stellt die Erreichung des mindestens guten ökologischen Zustands in allen europäischen Gewässern dar. Um diesen zu erreichen, ist es auch notwendig, in fragmentierten Gewässern die Durchgängigkeit wiederherzustellen. Eine etablierte Möglichkeit zur Wiederherstellung der stromaufwärts gerichteten Durchgängigkeit stellen Fischaufstiegsanlagen (FAA) dar, deren Funktionalität bereits zahlreich belegtwurde [3].



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft - Heft 02-03 (März 2022)
Seiten: 6
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Dr. Tobias Epple
Dr. Oliver Born
Prof. Dr. Karl-Friedrich Wetzel
Prof. Dr. Arne Friedmann

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