25 Jahre Kooperation mit der Landwirtschaft - Ein Erfolgsmodell für das Einzugsgebietsmanagement von Trinkwassertalsperren

Seit 25 Jahren arbeitet der Wupperverband im natürlichen Einzugsgebiet der Wupper an insgesamt sechs Talsperren, davon drei Trinkwassertalsperren, erfolgreich mit den Landwirten vor Ort zusammen. Unter dem Motto „Kooperation statt Konfrontation“ werden gemeinsam sinnvolle Maßnahmen entwickelt, um die Einträge von Nährstoffen, Pflanzenbehandlungsmitteln oder mikrobiellen Verunreinigungen in die Oberflächengewässer zu minimieren.

1 Kooperationsarbeit in Nordrhein-Westfalen
Die Anfänge der Kooperation zwischen Wasserversorgungsunternehmen (WVU) und Landwirten waren durch gegenseitiges Misstrauen und Vorbehalte geprägt. Unter der damaligen nordrhein-westfälischen Landesregierung wurde in Zusammenarbeit mit den Landesverbänden der nordrhein-westfälischen Land- und Wasserwirtschaft 1989 ein 12-Punkte-Programm entwickelt, welches nach wie vor die Grundlage für die heutige Zusammenarbeit bildet. Mit dem 12-Punkte-Programm
signalisierten die damaligen Akteure nicht nur ihre Bereitschaft zur Kooperation, sondern auch dazu, wissenschaftliche Erkenntnisse über die Wirkungszusammenhänge zwischen Gewässerbelastungen, Trinkwasserversorgung und Landwirtschaft/ Gartenbau zu gewinnen, um diese für die gemeinsame Arbeit nutzen zu können. In sogenannten regionalen Arbeitsgemeinschaften sitzen neben den Wasserversorgungsunternehmen und der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (LWK NRW) auch Vertreter der Landwirtschafts- und Gartenbauverbände sowie der Unteren und Höheren Wasserbehörden an einem Tisch, um die Basis für die Kooperationsarbeit zu schaffen und den Informationsaustausch untereinander zu pflegen. Auf Kreisebene wurden schließlich Anfang der 1990erJahre Kooperationen zwischen den örtlichen WVU und
Talsperren betreibern, der jeweils zuständigen Kreisstelle der LWK NRW, den Vertretern der Landwirtschafts-/Gartenbauverbänden sowie den in den Wasserschutzgebieten wirtschaftenden Landwirten gegründet. Die LWK NRW stellte besonders geschulte Berater ein, welche durch die WVU finanziert wurden und werden. Diese Berater sind zugleich Geschäftsführer der Kooperationen und das wichtigste Bindeglied zwischen den landwirtschaftlichen Betrieben und den WVU. Der Wupperverband (WV) finanziert gemeinsam mit mehreren anderen an den örtlichen Kooperationen beteiligten WVU insgesamt drei dieser landwirtschaftlichen Spezialberater, gerne auch als Wasserberater bezeichnet. Neben der Finanzierung der Wasserberater werden die landwirtschaftlichen Betriebe bei der Maßnahmenumsetzung finanziell unterstützt. Sie errichten z. B. zusätzliche Lagerkapazitäten für organische Düngemittel unter besonders strengen Auflagen oder rüsten ihre Altanlagen technisch auf. Die finanzielle Unterstützung der WVU erfolgt ausschließlich für Maßnahmen, die über das vom Gesetzgeber geforderte Maß, z. B. bei der Größe und Ausstattung von Güllelager-Behältern, hinausgehen. Es werden außerdem Anbauversuche durchgeführt und ausgewertet; die Ergebnisse werden in regelmäßigen Fortbildungen allen Kooperationsmitgliedern vorgestellt.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft - Heft 04 - 2019 (Mai 2019)
Seiten: 4
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Dipl.-Ing. agr. Friedrike Mürkens

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