Der Damm-Komplex am Oberen Atbara im Sudan

Der Damm-Komplex am Oberen Atbara im Nordsudan dient neben Bewässerungszwecken dem Hochwasserschutz und stellt 320 MW elektrischer Leistung zur Verfügung. Mit der im Juni 2018 abgeschlossenen Netzsynchronisation der vier Maschinensätze befindet sich das von Tractebel Engineering GmbH – vormals Lahmeyer International GmbH – durchgeführte Mehrzweck-Projekt nach rund acht Jahren Planungs- und Ausführungszeit im Abschluss. Ein angeschlossenes Infrastruktur-Bauvorhaben wird ab Ende 2019 das Reservoir des Staubauwerks für die Trinkwasserversorgung einer Großstadt erschließen.

1 Projekthintergrund
Die Flüsse des Nordsudans weisen extreme Gang linien auf (Bild 1). Sehr hohen Abflüssen während sommerlicher Niederschläge in den Hochländern Ostafrikas folgt dauerhafter Niedrigabfluss oder Trockenfallen (Bild 2). Für eine ganzjährig gesicherte Wasserversorgung – Schlüssel zum hohen landwirtschaftlichen Potenzial des Landes – werden daher seit jeher große Anstrengungen unternommen. Das Rückhaltevermögen älterer Speicher ist aufgrund Verlandung durch hohe Sedimentfrachten mittlerweile bereits oft stark vermindert. Während die im Jahr 2013 abgeschlossene, durch Lahmeyer International (LI) begleitete Erhöhung des Roseires-Damms am blauen Nil den effektiven Weiterbetrieb bei gleichzeitiger elektrischer Leistungssteigerung ermöglicht, wird der Verlandung des Kashm-El-Girba-Damm-Stausees (KEGD) mit dem Bau des 100 km flussauf gelegenen Dam Complex of Upper Atbara Project (DCUAP) begegnet (Bild 3). Seit den 1960er-Jahren bildet das durch KEGD gespeiste 70 000-ha-Bewässerungssystem New Halfa die Lebensgrundlage für etwa 50 000 Menschen, die aufgrund des Einstaus des Nasser -Sees die Umgebung der Stadt Wadi Halfa verlassen mussten. Das nach mehr als 50-jähriger Betriebszeit verringerte Rück halte vermögen der Stauanlage wird durch das hinzukommende Volumen des DCUAP-Reservoirs in einer Weise kompensiert, die neben einer wesentlichen Erweiterung der bestehenden Flächen die Neuerschließung von 300 000 ha bewässertem Land ermöglicht. Gleichzeitig wird der Hochwasserschutz bedeutend verbessert. Nicht weniger Priorität hat Ausbau und Dezentralisierung der elektrischen Energieversorgung. Die Inbetriebnahme des 1 250-MW-Wasserkraftwerks von Merowe am Nil im Jahr 2009 verdoppelte bereits die national verfügbare elektrische Leistung. Das DCUAP-Kraftwerk leistet nun mit weiteren 320 MW einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung insbesondere für den östlichen Landesteil.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft - Heft 04 - 2019 (Mai 2019)
Seiten: 4
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Dipl.-Ing. Dr. techn. Yannick Scheid
Dr. Frank Zöllner

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