Zwischen Dürre und Überschwemmung – Wasserhaushaltsgrößen vor dem Hintergrund des Klimawandels

Im Klimawandel sind die Veränderungen des Wasserhaushaltes bedeutsam, denn diese Veränderungen können Einschnitte in allen Bereichen des Lebens von der Trinkwasserbereitstellung über die Landwirtschaft und Nahrungsgüterproduktion bis zur Verteilung von Waren über wassergebundene Transportwege bedeuten. Weiterhin sind infrastrukturelle Ausstattungen und die Gestaltung von Naturräumen sowie Freizeitmöglichkeiten davon betroffen.

Das Klima war und ist immer Veränderungen unterlegen, die unterschiedliche Ursachen haben. In früheren Jahrhunderten waren dies immer nur natürlich ausgelöste astronomische, geophysikalische und geochemische Prozesse, auf die die Menschheit keinen Einfluss hat. Konkret sind dies beispielsweise Variationen der Erdbahn im Raum, Veränderungen der Sonnenaktivität und Vulkanausbrüche. Diese Zusammenhänge wurden seit dem 19. Jahrhundert untersucht und publiziert, wobei auch die Wirkung des Kohlendioxids insbesondere auf die Lufttemperatur schon 1896 in einer Veröffentlichung von Svante Arrhenius beschrieben wurde.

Heute ist die Klimatologie in der Lage mit gekoppelten Erdsystemmodellen den Klimawandel und seine Auswirkungen zu beschreiben. Dabei kommt den Wasserhaushaltsgrößen besondere Bedeutung zu. In der Klimatologie hat sich aus mehreren Gründen ein Mindestzeitraum von 30 Jahren für die Beschreibung der statistischen Eigenschaften der meteorologischen Parameter eingebürgert.

Die Weltorganisation für Meteorologie hat alle an der Thematik des Klimawandels arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aufgerufen, die Zeitspanne von 1961 – 1990 als Referenz zu nutzen. Die Gründe dafür sind einerseits die flächendeckende Etablierung von vergleichbaren bodengebundenen meteorologischen Messnetzen nach dem Zweiten Weltkrieg auf allen Kontinenten und andererseits die weitgehend gleichbleibende Spannweite der meteorologischen Messergebnisse in diesem Zeitraum. Bei manchen Wetterelementen, wie unter anderem beim Niederschlag, wäre es zwar günstiger, längere homogene Messreihen zur Verfügung zu haben, aber dies ist nur an vergleichsweise wenigen Orten der Welt gegeben. Dies unterstreicht aber zusätzlich die Bedeutung eines dauerhaften qualitätsgesicherten meteorologischen Monitorings, das die historischen Mess-und Beobachtungsmethoden nutzt und diese mittels moderner Verfahren der Fernerkundung, wie Satelliten, Wetterradar oder SoDAR (Sonic Detection and Ranging) und LiDAR (Light Detection and Ranging) ergänzt und aufeinander abstimmt. Besonders bei dem im räumlich-zeitlichen Bezug sehr differenzierten Element Niederschlag zeigt die Kombination aus hergebrachter, stationsbezogener Klimatologie und moderner Methoden, die Fernerkundungsverfahren einbeziehen (Verfahren RADOLAN, das Wetterradardaten und punktbezogenen Niederschlagsmessungen zusammenführt), dass sich die stärkeren Differenzierungen auch im klimatologischen Bild reproduzieren und zum Teil neue Muster in die Betrachtung einbezogen werden müssen.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 09 - 2019 (September 2019)
Seiten: 4
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Falk Böttcher

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