Der Elsterfloßgraben - ein einzigartiges technisches Denkmal der Wasserbaukunst

Der Artikel befasst sich mit der historischen Entwicklung und den Chancen zur Sicherung des Elsterfloßgrabens als technisches Denkmal. Die Floßgräben in der Region sind durch den Braunkohletagebau in der Mitte des vorigen Jahrhunderts teilweise zerstört worden. Es werden Vorschläge zur Revitalisierung und nachhaltigen Nutzung gemacht.

1 Flößerei als immaterielles Kulturerbe

Wenn einem die Worte „Flößer“ oder „Flößerei“ in der Gegenwartbegegnen, dann erweckt die gedankliche Assoziation nichtselten Abenteuerlust, sich auf dem Wasser den Elementen zustellen oder aber mit Ruhe und Gelassenheit dahingleiten zukönnen. Nicht selten rufen solche Worte die Erinnerung an dasHauff‘sche Märchen „Das kalte Herz“ und den gleichnamigenFilm hervor oder an Begegnungen mit Flößerinnen und Flößernvon heute beim Ausüben ihres Handwerkes oder ihren Floßfahrten.Schließlich waren über viele Jahrhunderte lang natürlicheWasserläufe, in der Neuzeit auch in Kombination mit künstlichenWasserstraßen, die einzige Möglichkeit, Waren und Rohstoffeüber große Entfernungen zu transportieren. Die Holzflößereiist der Transport von Holz in verschiedenen Formen aufdem Wasserweg; als gebundenes Floß ebenso wie als einzelneStämme oder als Scheitholz.Seit dem Mittelalter bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhundertswurde die Flößerei in Europa zu kommerziellen Zweckengenutzt. Seine Hochkonjunktur erlebte das Handwerk inDeutschland und anderen europäischen Ländern zwischen demMittelalter und dem 20. Jahrhundert. In diesem Zeitraum warHolz vor allem als Brenn- und Baustoff gefragt. Geflößt werdenkonnte auf nahezu allen Gewässern, auf kleinen Bächen ebensowie auf großen Flüssen.Nach dem Ende der kommerziellen Nutzung haben vieleVereine das Wissen über die Flößerei bewahrt, weiterentwickeltund verschiedene Aspekte dieser Handwerkskunst an die nächstenGenerationen weitergegeben. Seit 2014 ist die Holzflößereials immaterielles Kulturerbe Deutschlands anerkannt. EndeMärz 2021 wurde ein gemeinsamer Vorschlag von Deutschland,Lettland, Österreich, Polen, Spanien und Tschechien bei derUNESCO in Paris eingereicht, die Flößerei für die repräsentativeListe des „Immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ vorzuschlagen.Der zuständige Ausschuss der UN-Organisationentscheidet Ende 2022 über den Antrag. Seitens der Präsidentinder Deutschen UNESCO-Kommission, Maria Böhmer, wurdeanlässlich der Nominierung erfreut kommentiert, dass dieUNESCO über die besondere Bedeutung der Flößerei bald entscheidenwürde und dass dieses jahrhundertealte Handwerkunsere Gesellschaft geprägt hat. In ihm spiegele sich unsereWirtschaftsgeschichte, denn ohne die Versorgung mit Floßholzwäre die Entwicklung vieler europäischer Städte nicht denkbar
gewesen [1].



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft - Heft 05 (Mai 2022)
Seiten: 6
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Dr. Frank Thiel

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