Das ehemalige Revierelektrizitätswerk Freiberg im Drei-Brüder-Schacht

Die Nutzung der Wasserkraft im Bergbau hat lange Tradition. Durch das Anlegen von Speichern und Wasserläufen war es auch möglich, die Wasserkraft neben dem Betreiben von Arbeitsmaschinen für die elektrische Energiegewinnung zu nutzen. Am Beispiel des Kavernenkraftwerkes Drei-Brüder- Schacht in Freiberg wird im Artikel beschrieben, wie eine solche Anlage schon vor über 100 Jahren entworfen, gebaut und genutzt wurde. Der Betrieb wurde eingestellt, aber zahlreiche Bemühungen hatten die Wiederinbetriebnahme zum Inhalt. Die derzeitige Anlagensituation wird aufgezeigt und ein Ausblick über die weitere Entwicklung gegeben.

1 Historie

Einer der interessantesten Zeugen der bergmännischen Wassernutzung aus der jüngeren Geschichte ist das Freiberger Kavernenkraftwerk Drei-Brüder-Schacht. Die ständige Mechanisierung der Prozesse im Bergbau war ein permanentes technisches sowie ökonomisches Anliegen und begann schon vor dem 16. Jahrhundert. Die schon lange bekannten Wasserräder wurden mit Hilfe der Wasserkraft zu Antriebsmaschinen für die verschiedensten Technologien im Montanwesen. Die wichtigste Anwendung bestand in der Grubenwasserhaltung. Der Dualismus des Wassers ist darauf begründet, dass er Freund und Feind des Bergmannes zugleich sein kann. Kennzeichnend für die Wasserkraftnutzung war, dass in den Bergbaurevieren künstlich angelegte Wasserläufe und Speicher für die erforderlichen Aufschlagmengen angelegt werden mussten. Das Kavernenkraftwerk war vom 24. Dezember 1914 bis zum10. Juli 1972 in Betrieb. Es bestand aus zwei Teilanlagen. DasOberwerk im Konstantin-Schacht wurde durch in einem Kunstteich zwischen gespeichertes Kunstgrabenwasser beaufschlagt. Unterhalb der Moritzstollnsohle befand sich ein 1,5 Mio. m3 großer Wasserspeicher, der nahezu den gesamten Untertagebereich der Stadt Brand-Erbisdorf einnahm. Dieser Stauraum wurde zum Betrieb der Turbinen im Unterwerk benutzt. Danach floss das Wasser auf dem Rothschönberger Stolln (hier in ca.272 m Teufe, das entspricht 200 m über NN) ab (Bild 1). Im Zeitraum 1953 bis 1969 wurde im Bereich Brand-Erbisdorf wieder untertage abgebaut. Dadurch war die Nutzung des Stauraumes nicht mehr möglich. Das Wasser aus dem Oberwerk wurde jetzt in ca. 135 m Teufe auf einer Wasserstrecke zum Dreibrüder-Schacht geleitet und fiel dort über ein Gesenk bzw. über Rohrleitungen bis in das Unterwerk. Der Förderverein Drei-Brüder-Schacht hat die Geschichte des Revierelektrizitätswerkes in einer Broschüre beschrieben [1]. Nachfolgend werden die Geschichte und die Entwicklung des Werkes kurz skizziert.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft - Heft 01 (Januar 2022)
Seiten: 5
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Prof. Dr.-Ing. Egon Fahning
Dipl.-Ing. Frank Reuter

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