Provinzübergreifende Nutzung und Bewirtschaftung des Zayandeh-Rud-Speichers im Zentraliran – ein Projektbericht

Die ausgeprägte, weiter zunehmende Wasserknappheit im Zayandeh-Rud-Einzugsgebiet, Iran, erfordert vor dem Hintergrund der industriellen Entwicklungsziele und der demographischen Entwicklung eine integrierte Betrachtung der Wassernutzungen nach Menge, Qualität, Herkunft und rechtlicher Basis. Zur wasserwirtschaftlichen Bewertung entsprechender Planungsprozesse wurden Instrumente entwickelt, die die Wassernutzungs-, -verteilungs- und -bewirtschaftungssysteme sowie deren Regeln abbilden.

Der Zayandeh Rud ist der wasserreichste Fluss im Zentraliran. Er entspringt im Zagrosgebirge, einem Hochgebirge, das Höhen bis über 4 000 m ü. NN erreicht. Nachdem er das Zagrosgebirge verlassen hat, fließt der Zayandeh Rud in östlicher Richtung auf einer Länge von ca. 350 km durch die Hochebene von Isfahan (ca. 1 500 m ü. NN), bevor er in den Gavkhuni See mündet. Sein Einzugsgebiet umfasst eine Fläche von 25 958 km². Zum Wasserdargebot des Flusses trägt allerdings fast ausschließlich der im Hochgebirge gelegene Einzugsgebietsteil teil. Mit einer Fläche von ca. 4 200 km² versorgt er einen 1972 in Betrieb genommenen Staudamm, der für den Hochwasserschutz und die Wasserversorgung insbesondere der Landwirtschaft vorgesehen ist. Der Betriebsraum von 1 260 hm³ wird bei einem Stauziel von 2 059 m ü. NN erreicht, das tiefste Absenkziel liegt bei 1 983 m ü. NN. Die Betriebsauslässe zur Stromerzeugung haben eine Kapazität von insgesamt 90 m³/s, die Grundablässe von 380 m³/s. Die Hochwasserentlastungsanlage kann maximal 1 440 m³/s abführen. Zur Wasserversorgung des Zayandeh-Rud-Einzugsgebietes dienen weiterhin mehrere Tunnel, die Überleitungen aus dem Karun, dem wasserreichsten iranischen Fluss, der in den Persischen Golf entwässert, realisieren.
Der größte Teil der Oberflächen- und Grundwasserressourcen wird zur landwirtschaftlichen Bewässerung verwendet. Vor der Errichtung des Staudammes wurde mit traditionellen Bauwerken auf lokaler Ebene nach althergebrachtem Recht die Wassernutzung geregelt. In den 70er- und Ende der 90er-Jahre wurden mehrere Bewässerungsanlagen mit Verteilungsbauwerken und Kanalsystemen gebaut. Die bewässerte Fläche wurde auf ca. 260 000 ha erweitert. In Trockenjahren wird fehlendes Oberflächenwasser durch Grundwasser ausgeglichen. Dafür können etwa 35 000 Brunnen eingesetzt werden, die sich im Eigentum der fast ausnahmslos kleinen landwirtschaftlichen Betriebe befinden.

Ziel der deutsch-iranischen Zusammenarbeit war es, die Wassernutzung entlang des Zayandeh Rud nachhaltig zu gestalten und dabei die verschiedenen konkurrierenden Ansprüche zu berücksichtigen. Im Zentrum aller Aktivitäten stand hierbei immer die Verbesserung der Lebensbedingungen der iranischen Bevölkerung. Neben dem Transfer moderner Technologien und Management-Instrumente zielt der Ansatz des Integrierten Wasserressourcenmanagements (IWRM) auf die Mitwirkung der verschiedenen Nutzergruppen aus Landwirtschaft, Industrie, wachsenden Städten und der zuständigen Fachressorts. Mit dem IWRM-Prozess wurden die verschiedenen Ansprüche der Nutzergruppen und mögliche Interessenkonflikte zwischen Landwirten, Unternehmen, Mensch und Umwelt identifiziert sowie einer nachhaltigen Lösung zugeführt.




Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft 06/2016 (Juni 2016)
Seiten: 4
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Dr. Michael Kaltofen

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