Schachtsanierung in Abwassernetzen: Die Arbeit beginnt vor der Planung

14 Millionen Revisionsschächte schaffen Zugang zu 575.000 Kilometer Abwasserkanälen in Deutschland – allein im kommunalen Bereich. Wie die Kanalnetze sollen auch die Schächte regelmäßig inspiziert und gewartet werden. Schäden sind in einem angemessenen Zeitrahmen zu beheben, was in der Praxis oft heißt: Die Schächte müssen saniert werden. Für Inspektion und Sanierung gibt es eine breite und wachsende Palette technischer Lösungen. Eine hochwertige, nachhaltige und damit rentable Sanierung der Schächte erfordert die konsequente Anwendung anerkannter Regeln der Technik durch qualifizierte und zertifizierte Bauunternehmen. Ausführliche Informationen zum technischen Status Quo der Sanierungstechnik sowie Maßnahmen zur Qualitätssicherung bieten die Merkblätter 6 und 6.2. des RSV Rohrleitungssanierungsverbandes e.V. Kostenloser Download unter www.rsv-ev.de/anmeldung-regelwerk.html

Abwasser-Schächte: Wenn Handlungsbedarf verdrängt wird

575.580 Kilometer maßen die kommunalen Abwasserkanalisationssysteme in Deutschland im Jahr 2015. 23,8 Prozent der Rohre gelten kurz- bis mittelfristig als sanierungsbedürftig. Ebenso verschleißen die zu den Kanälen gehörenden Schachtbauwerke. 2009 wurden mehr als 13 Millionen Schächte im öffentlichen Raum gezählt, rund 31 Prozent davon älter als 60 Jahre. Nach aktuellen Zahlen der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA) ist bei durchschnittlich 40 Meter Haltungslänge heute von 14 Millionen Schächten in deutschen Kommunen auszugehen.

Da diese Bauwerke dem oberirdischen Verkehr viel direkter ausgesetzt sind als die im Boden verlaufenden Leitungen, ist von entsprechend höheren Schäden auszugehen. Das bestätigen vorliegende Zahlen: Die mittlere Schadensrate aller kommunalen Schachtbauwerke lag 2004 bei 30 Prozent. Hochgerechnet auf den Bestand von 2009 wäre dies ein Sanierungsbedarf von rund vier Millionen Schächten im öffentlichen Raum. Allerdings macht die DWA in ihrer Umfrage von 2015 keine Aussagen zur durchschnittlichen Schadensrate an Schächten.

Dazu kommen Schächte auf privaten Grundstücken, deren Zahl nur grob geschätzt werden kann: 2013 wurden in Deutschland 15,3 Millionen private Einfamilienhäuser bzw. Einfamilienhaus-Grundstücke gezählt. Je nach örtlicher Abwassersatzung müssen diese einen oder – bei Trennkanalisation – zwei Schächte haben. Hinzu kommen die Abwasseranlagen von Mehrfamilienimmobilien, Sozial- und Spezialimmobilien sowie gewerblichen Immobilien. Auf dieser Basis ist von etwa 25 bis 30 Millionen weiteren Abwasserschächten in Grundstücksentwässerungssystemen auszugehen.

In der Praxis werden die Schächte nur selten mit der gleichen Konsequenz kontrolliert und saniert wie die Kanalnetze, zu denen sie gehören. Das kann dazu führen, dass eine Sanierung der Kanäle die Probleme nicht löst, sondern nur verlagert: Wenn nach der Sanierung des Kanals weiterhin Grundwasser durch die Schächte ins System eindringt, ist zumindest in Sachen Fremdwasser wenig gewonnen – trotz oft erheblicher Kosten.



Copyright: © wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH
Quelle: Heft 09 - 2016 (September 2016)
Seiten: 6
Preis: € 6,00
Autor: Dipl.-Ing. Ulrich Winkler
Kerstin Hendess
Dipl.-Ing. (FH) Tim Krüger

Artikel weiterleiten In den Warenkorb legen Artikel kommentieren


Diese Fachartikel könnten Sie auch interessieren:

Multiple Korrelationsanalyse zur Beurteilung der Sanierungsqualität
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (7/2017)
Am Beispiel von 25 Schlauchlinerproben wird mittels statistisch-stochastischer Korrelationsanalys eine multiple Relation zwischen Biegesteifigkeit, Biege-E-Modul und der Wandstärke abgeleitet.

Zwischen Elbe und Havel – Grabenlos Sanieren im Flächenland
© wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH (3/2017)
In verdichteten urbanen Gebieten sind grabenlose Bauweisen seit den 1990er- Jahren salonfähig. Maßgeblich für die Ausweitung in Flächenländern sind Vertrauen und Kenntnis in verbesserte und weiterentwickelte Technologien und Verfahren.

Grabenlose Sanierung von Trinkwasserleitungen aus Asbestzement
© wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH (12/2016)
Die Rehabilitation von Trinkwasserleitungen aus Asbestzement ist hinsichtlich des Arbeitsschutzes und der Entsorgung des belasteten Materials mit großen Herausforderungen verbunden. Grabenlose Technologien überzeugen durch eine umweltschonende und wirtschaftliche Sanierung von Rohrleitungen. Das gilt besonders für die Rehabilitation von Leitungen, die aufgrund von altersbedingten Schäden oder Kapazitätsanpassungen ertüchtigt werden müssen. Aktuelle Projekte, in denen die „Primus Line“-Technologie Anwendung fand, legen die Vorteile gegenüber der mit großem Aufwand verbundenen offenen Sanierung an den Tag.

Qualität in der Kanalsanierung – Einflüsse und Entwicklungen
© wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH (9/2016)
Mit den richtigen Produkten und Verfahren lassen sich in der Kanalsanierung hochwertige, dauerhafte Ergebnisse erzielen. Bei der Auswahl helfen die Erkenntnisse aus der Forschung des IKT - Institut für Unterirdische Infrastruktur und die Ergebnisse der IKT-Warentests. Bei vielen Verfahren entsteht die Qualität aber erst vor Ort – und an diesem Punkt kommt der Faktor Mensch ins Spiel. Erfreulich: Die durchschnittliche Qualität nimmt stetig zu, was z. B. am jährlichen IKT-LinerReport deutlich wird.

Zukunftsorientierte Anpassungsmaßnahmen für die Abwasserinfrastruktur – Über- und Unterlast-Szenarien rechtzeitig begegnen
© wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH (7/2016)
Die Zukunft beginnt heute. Dies gilt für uns Menschen, unsere Bedürfnisse und unser urbanes Umfeld. Mit welchem Wasserversorgungs- und Entwässerungskomfort wir leben, wo wir leben und wie wir dort mit Stadtentwicklung umgehen. Wir wollen in lebenswerten Städten leben, in hygienisch sicheren und möglichst attraktiven Stadtquartieren, mit einer funktionierenden Grundversorgung an Strom, Wasser, Energie, neben Nah- und Fernverkehr und Telekommunikationsnetzen schließlich mit effektiven Abwassertransportnetzen. Wir wollen auch eine hohe Qualität der Oberflächengewässer, die durch geeignete Maßnahmen im Stadtgebiet und an Kläranlagen den zukünftigen Veränderungen gerecht werden sollen. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt KURAS liefert hierzu Methoden zu ganzheitlichen Betrachtungsansätzen und erste Anpassungsoptionen.

Name:

Passwort:

 Angemeldet bleiben

Passwort vergessen?