Sanierung Sickerwasserschacht und –leitungen auf der Deponie Walddorf

Bei diesen Erkundungsarbeiten wurde unter anderem festgestellt, dass drei zentrale Schachtbauwerke und die daran angeschlossenen Leitungen sanierungsbedürftig sind. Von besonderer ingenieurtechnischer Herausforderung ist dabei der zentrale, unter der Basisabdichtung liegende Schacht S10. Der Ablauf der Sanierungsmaßnahmen – Schächte und Leitungen – werden im Nachfolgenden beschrieben.

Der Landkreis Calw mit derzeit etwa 152.000 Einwohnern mit ca. 65.000 Haushalten betreibt seit 1973 bis heute die Deponie Walddorf. Auf dieser DKII - Deponie werden durchschnittlich ca. 8.500 m³ mineralische Abfälle pro Jahr angenommen. Der aktuelle Einbaubereich umfasst eine Fläche von ca. 0,9 Hektar und hat ein Rest - Verfüllvolumen von ca. 150.000 m³ (Stand 2014). Die Restlaufzeit wäre demnach ca. 17 Jahre. Auf dem Gelände der Entsorgungsanlage finden zudem neben dem Betrieb der Deponie auch der Betrieb eines Recyclinghofs und der Umschlag von Wert- und Abfallstoffen statt.

Die Deponie Walddorf verfügt über ein umfangreiches Entwässerungssystem, das in den einzelnen Ausbauabschnitten den jeweils zum Ausführungszeitpunkt geltenden Stand der Technik widerspiegelt und in insgesamt 4 Bereiche unterteilt ist. Der Großteil des auf dem gesamten Altteil der Deponie anfallenden Sickerwassers wird über den Schacht S21 gesammelt und durch eine Stahlbetonleitung über den Schacht S20 im Deponieböschungsbereich sowie einen weiteren Schacht am Deponiefuß (S19) zum Sickerwasserbecken abgeleitet. Der Schacht S10 liegt an der Schnittstelle dreier Entwässerungsbereiche unterhalb der Basisabdichtung im Bereich der heute befestigten (asphaltierten) Plateaufläche. Diese ungewöhnliche Anordnung war aufgrund der komplizierten geologischen Gegebenheiten im Untergrund erforderlich. Der quaderförmige Schacht wurde 1993 als Sammelschacht errichtet, weshalb der Zugang nur über die angeschlossenen Leitungen erfolgen kann. Die Sohlhöhe liegt ca 27 m unter der Geländehöhe.

Im Jahr 1993 wurde außerdem ein Horizontalstollen errichtet, in welchen die Leitungen aus den Entwässerungsbereichen 3 (Altteil) und 4 (Neuteil) angeschlossen sind. Diese Entwässerungsleitungen sind im Stollen an Sammelleitungen angeschlossen, die am Tiefpunkt des Stollens zusammengeführt und über eine Haltung wiederum dem Schacht S10 zugeführt werden. Der Abstand zwischen Wartungsstollen und Schacht S10 beträgt ca. 5 m. Es wird davon ausgegangen, dass der Stollen und das Schachtbauwerk aufgrund zu erwartender Setzungsprobleme nicht miteinander verbunden wurden. Die Hintergründe sind aber nicht dokumentiert. Der Schacht S10 fungiert damit als wichtiges Bindeglied zwischen Alt- und Neuteil, insbesondere wegen der Vergrößerung der Entwässerungsfläche 4 aufgrund der Erweiterung der Einbaufläche im Jahr 2013.



Copyright: © Universität Stuttgart - ISWA
Quelle: Deponieforum 2016 (März 2016)
Seiten: 10
Preis: € 5,00
Autor: Dipl.-Ing. Antje Knab-Rieger
Dipl.-Ing. (FH) Oliver Schlemme

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