Auf dem Boden der Gesetze

Bei der Vergabe von Bauvorhaben können in öffentlichen Ausschreibungen Recycling-Baustoffe besonders berücksichtigt werden

In diesem Beitrag erörtert die Autorin, wie Recycling-Baustoffe bei öffentlichen Bauausschreibungen im Hoch- und im Tiefbau rechtssicher berücksichtigt werden können. Das moderne Vergaberecht berechtigt die öffentlichen Auftraggeber, in allen Phasen des Vergabeverfahrens, angefangen bei der Formulierung der Leistungsbeschreibung und der Vertragsbedingungen bis hin zur Angebotswertung, Umweltaspekte einfließen zu lassen und dabei auch den Produktionsprozess in den Blick zu nehmen.

Die Autorin weist darauf hin, dass die Behörden bei Ausschreibungen für Tiefbauarbeiten das Recycling von Baustoffen festlegen dürfen, da es sich a) um eine rechtliche technische Spezifikation handelt und b) einzelne Bieter aufgrund des Recyclings nicht bevorzugt oder – im Gegenteil – diskriminiert werden, aufgrund der Tatsache, dass Baumaterial auf dem freien Markt in ausreichender Menge verfügbar ist. Darüber hinaus wird in dem Artikel dargelegt, dass der Anteil an Recyclingmaterial in Beton, der von den Bietern angeboten wird, als Bewertungskriterium bei Ausschreibungen für oberirdische Gebäude herangezogen werden kann, sofern das Bewertungskriterium und die Bewertungsmethode den Bietern vor der Angebotserstellung mitgeteilt worden sind. Die etablierten Ausschreibungspraktiken müssen nicht geändert werden, um Recyclingmaterial bei der öffentlichen Auftragsvergabe zu berücksichtigen. Behörden können weiterhin die Standardformulare des Vergabe- und Vertragshandbuchs des Bundes (VHB) und des Handbuchs HVA B-StB verwenden. Der gesamte Ausschreibungsprozess muss dokumentiert werden. § 20 VOB/A und § 20 EU VOB/A in Verbindung mit § 8 VgV regeln den Mindeststandard für die Dokumentation. Die Berücksichtigung von Recyclingmaterial sollte auch in der Dokumentation begründet werden.



Copyright: © Rhombos Verlag
Quelle: ReSource 2019 - 02 (Juni 2019)
Seiten: 6
Preis inkl. MwSt.: € 5,00
Autor: Dr. Angela Dageförde

Artikel weiterleiten In den Warenkorb legen Artikel kommentieren


Diese Fachartikel könnten Sie auch interessieren:

The new Waste Framework Directive and its impact on textile waste
© Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben (11/2020)
In the course of implementing the circular economy package of the European Union, the Waste Framework Directive was amended recently. Textiles are no longer the poor relation of waste management but have come to the fore.

Reporting of food waste in the EU – Results of current estimates in Germany
© Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben (11/2020)
In February 2019, the German Federal Cabinet adopted the 'National Strategy for Reducing Food Waste', setting a framework for the future direction of this initiative. Among other things, it stipulated that an inter-ministerial "Indicator 12.3 Working Group" should prepare the data bases and methods for nationwide balancing of food waste generation (baseline). Based on existing 2015 data, this status quo analysis will be used as a starting point to agree on milestones for the respective sectors.

Erfahrungen mit der biologischen Abbaubarkeit von kompostierbaren Kaffeekapseln
© Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben (11/2020)
In Österreich kommen verstärkt Kaffeekapseln auf den Markt, die als „kompostierbar“ bzw. „biologisch abbaubar“ gekennzeichneten werden. Diese Entwicklung wird von Konsumenten als positiv wahrgenommen, ist jedoch aus abfallwirtschaftlicher und umwelttechnischer Sicht als kritisch zu betrachten. Denn in bisherigen Studien (van der Zee & Molenveld 2020; Rameder 2018; Shrestha et al. 2020), war die Desintegration der zumeist aus PLA bestehenden Kapseln in Labor-versuchen und in der Praxis nach den Anforderungen der EN 13432 nicht in ausrei-chendem Maße gegeben. Die bisherigen Erkenntnisse werden durch die eigenen Ergebnisse der experimentellen Untersuchungen an vier am österreichischen Markt erhältlichen „kompostierbaren“ Kaffeekapseln nur bestätigt. Erfahrungen der österreichischen Abfallwirtschaftsverbände zu dieser Thematik stützen im Wesentlichen die Erkenntnis, dass die derzeitige Entwicklung in Richtung biologisch abbaubare Kunststoffe für das Produkt Kaffeekapsel nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnisse und Erfahrungen nicht sinnvoll erscheint.

Packaging recycling in EU member states – requirements from the circular economy package
© Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben (11/2020)
The EU has established concrete recycling targets for packaging waste for 2025 and 2030. Furthermore, the methodology for calculating the corresponding recycling rates has been amended. The new and stricter calculation methodology will potentially lead to decreases of the current rates. This will be particularly the case for plastic packaging, where denkstatt calculated a gap far above 10 % compared to smaller decreases (> 2 %) to be expected for glass or steel packaging.

Chemical Current Sources Management in the European Union and Russia in the Context of Extended Producer Responsibility
© Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben (11/2018)
The rapid development of the electronic industry in the post-industrial society contributes to the increase in the production volumes of chemical currentsources (CCS). This article is concerned with the extended producer responsibility (EPR) concept and the mechanisms of its implementation in the spent chemical current sources (SCCS) management in Russia and in the EU countries. The EPR organization models for greening the SCCS lifecycle in these countries using the existing legal basis of the European Union and Russia are presented.

Name:

Passwort:

 Angemeldet bleiben

Passwort vergessen?

Abfallausstellung
Nur wer die Geschichte kennt,
siegt im ewigen Kampf
gegen den Müll