Bewertung von Sekundärrohstoffen auf Bergbauhalden am Beispiel Bleiberg, Kärnten

Aufgrund der Rohstoffknappheit nimmt die Tendenz zur Rohstoffwiedergewinnung
aus bereits verarbeitetem Material immer mehr zu. Deshalb sollten die Halden der stillgelegten Blei-Zink-Erzlagerstätte Bleiberg auf ihre Wertelementgehalte (Blei, Zink, Molybdän und Cadmium) untersucht werden. Es erfolgten diverse Probenahmen an den Halden Matthäus, Altstefanie und Glück. Untersuchungen aufbereitungstechnischer Versuche mit Röntgenfluoreszenzanalyse
(RFA) und Rasterelektronenmikroskopie (REM) bestätigen wirtschaftliche Gehalte
der gesuchten Elemente, die zumeist in Sekundärmineralen – Wulfenit (Mo), Cerussit (Pb) und Smithsonit (Zn) – enthalten sind. Ein Anteil der Schwermetalle ist an schwer lösliche, feinkörnige Eisenoxyhydroxide gebunden. An den im Jahr 2021 entnommenen Proben wurden mittels RFA 0,06 % Mo, 0,13 % Zn und 0,67 % Pb als Median der Gesamtgesteinsanalysen aller Probenahmepunkte bestimmt. An den im Jahr 2019 entnommen Proben wurde eine Schwimm-Sink-Analyse
durchgeführt, wo im Schwergut der Matthäus-Halde 4 % Mo, 16 % Zn und 33 % Pb enthalten sind. Durch die Kombination der chemischen und mineralogischen Untersuchungen kann eine Neubewertung des Haldenmaterials als zukünftige Rohstoffquelle ermöglicht werden.

Der Erzabbau aus der karbonatgebundenen Pb-Zn-Lagerstätte Bleiberg (Kärnten) lässt sich bis ins Jahr 1333 zurückverfolgen. In fast 700 Jahren Bergbaugeschichte wurden ungefähr je 1,1 Mio. t Blei und Zink, sowie 500 t Molybdän, 1000 t Cadmium und 200 t Germanium gewonnen (Schroll, 2008). Seit 1993 ist der Abbau stillgelegt (Zeloth, 2004) und mit Übergabe des Altbergbaus im Jahr 2004 von der Bleiberger Bergwerks Union (BBU AG i.L.) an die GKB-Bergbau GmbH wird das Ziel verfolgt, die Bergbauhalden auf ihre Aufbereitbarkeit zu untersuchen. Dies soll im Zuge des COMMBY-Projektes (Competence Network for the Assessment of Metal-Bearing By-Products) der Montanuniversität Leoben durch verschiedene aufbereitungstechnische Versuche sowie chemische und mineralogische Untersuchungen bewertet werden.

Eine erste Begehung mit Probenahme für mineralogische Untersuchungen erfolgte im Jahr 2018. 2019 startete eine großangelegte Probenahmekampagne mittels Schreitbagger und Seilwinde an den sehr steilen Halden Altstefanie, Glück und Matthäus. An der letzteren wurden zusätzlich im Jahr 2021 Proben mittels Spaten im Raster von ~15x15 m entnommen und diese noch vor Ort mit portabler RFA gemessen. Insgesamt 20 entnommene Proben wurden im Labor mit dem Hammer gebrochen und mit der Scheibenschwingmühle gemahlen. Für die Herstellung von Schmelzpillen wurden die Pulverproben für zwei Stunden bei 1050°C geglüht und der Glühverlust ermittelt.



Copyright: © Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben
Quelle: Recy & Depotech 2022 (November 2022)
Seiten: 4
Preis inkl. MwSt.: € 2,00
Autor: Sabrina Dollinger
Dipl.-Ing. Lukas Marousek
Sabine Elmer
H. Nussbacher
Univ.-Prof. Mag.rer.nat. Dr.mont. Frank Melcher

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