Rückbau- und Recyclingstrategien für Wärmedämmverbundsysteme (WDVS)

In den vergangenen Jahrzehnten wurden in Deutschland große Mengen an Wärmedammverbundsystemen verbaut, überwiegend mit expandiertem Polystyrol (EPS) als Dämmstoff. Aktuell ist die Rückbaurate noch gering. Zukünftig wird aber mit steigenden Abfallmengen gerechnet, sodass Rückbau- und Recyclingstrategien an Bedeutung gewinnen. Heute zurückgebaute WDVS auf EPS-Basis enthalten in der Regel das seit August 2015 in EPS-Platten verbotene Flammschutzmittel HBCD und werden in geeigneten Anlagen verbrannt. Im Sinne der Kreislaufwirtschaft werden zukünftig höherwerte Verwertungswege an Bedeutung gewinnen.

Recyclingverfahren erfordern i.d.R. eine hohe Sortenreinheit der Stoffe. Durch die wissenschaftliche Begleitung von WDVS-Rückbauprojekten konnte aufgezeigt werden, dass auch derzeit intensive selektive Rückbau nicht direkt zu sortenreinen Abfallströmen führt. Versuche mit Aggregaten aus der Recyclingtechnik bieten aber die Möglichkeit, die einzelnen Werkstoffe aus einem Wärmedämmverbundsystem auf EPS-Basis weitgehend sortenrein aufzubereiten.

Die konsequente Steigerung der Energieeffizienz ist ein wichtiger Schlüssel für eine nachhaltige Klima- und Energiepolitik. Bereits seit den 1970er Jahren gelten in Deutschland Gesetze und Verordnungen, die die Energieeffizienz von Gebäuden durch Dämmung regeln. Die Anforderungen sind dabei stetig gestiegen. Die Dämmung der Fassade, welche bei Neubauten, aber auch bei Sanierungsmaßnahmen durchgeführt wird, ist hier ein zentrales Element. Die meistgenutzte Dämmvariante sind derzeit Wärmedämmverbundsysteme (WDVS).

WDVS bestehen aus mehreren, miteinander verbundenen Schichten (z.T. verklebt und verdübelt) und haben die Aufgabe, das Außenmauerwerk zu dämmen und die Fassade zu bilden. Dabei kommen unterschiedliche Dämmstoffe zum Einsatz, wie z. B. Mineralwolle, expandiertes Polystyrol (EPS), Polyurethan-Hartschaum oder natürliche Dämmstoffe wie Holzweichfasern. Als äußere Schicht werden neben anorganischen und organischen Oberputzen auch Flachverblender eingesetzt.

In Deutschland wurden von 1960 – 2012 rund 9 Mio. Mg WDVS, überwiegend auf EPS-Basis, verbaut. Da diese Systeme die zurzeit kostengünstigste Variante der Fassadendämmung darstellen, ist auch zukünftig mit hohen Zubauraten zu rechnen. Bisher beträgt das Rückbauvolumen bezogen auf die verbaute Menge im Jahr 2012 lediglich 0,1 %. Zukünftig ist aber mit deutlich steigenden Abfallmengen zu rechnen.



Copyright: © Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben
Quelle: Recy & Depotech 2016 (November 2016)
Seiten: 4
Preis: € 2,00
Autor: Niklas Heller
Prof. Dr.-Ing. Sabine Flamme

Artikel weiterleiten In den Warenkorb legen Artikel kommentieren


Diese Fachartikel könnten Sie auch interessieren:

Verfahren zur Verwertung von Dämmmaterialabfällen aus Mineralwolle in Spezialbaustoffen
© Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben (11/2016)
Vor dem Jahr 2000 erzeugte und verbaute Mineralwollerzeugnisse sind nicht frei von Bedenken bezüglich ihrer negativen Auswirkung auf die menschliche Gesundheit – sie können gemäß TRGS 905 aufgrund ihrer Wirkung auf die menschlichen Atemwege als krebserzeugend eingestuft werden. Aus diesem Grund dürfen diese nicht zu neuen Mineralwollerzeugnissen recycelt werden und müssen einer alternativen Verwertung oder Beseitigung zugeführt werden, die eine Freisetzung der Mineralfasern in die Biosphäre ausschließt.

Bestimmung von Leitparametern in Abfällen durch Einsatz eines tragbaren Röntgenfluoreszensgerätes LAGA Project L.2.08 / 2008 – 2010
© Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft - TU Dresden (3/2010)
In der Folge verschiedener EU-Richtlinien (u. a. Deponierichtlinie, 1999/31/EG; Richtlinie über die Verbrennung von Abfällen, 2000/76/EC; RoHS-Richtlinie, 2002/95/EG) besteht steigender Bedarf an schnellen und für die Routine praktikablen Verfahren der Identifizierung gefährlicher Stoffe bzw. des sicheren Ausschlusses von deren Vorhandensein.

Verwertungsstrategie „BauCycle“
© Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben (11/2018)
Im Fraunhofer-internen Projekt BauCycle wird eine ganzheitliche Verwertungsstrategie für Bauschutt kleiner 2 Millimeter entwickelt.

Verwertung von Aushubmaterialien
© Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben (11/2018)
Die Verwertung von Aushubmaterialien in Österreich ist eine wichtige aber noch zu wenig entwickelte abfallwirtschaftliche Maßnahme für diesen größten aller Abfallströme. Sie wird durch fachliche, wirtschaftliche und gesetzliche Rahmenbedingungen ermöglicht.

Auf den Spuren von Christo
© Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben (11/2018)
Die Schadstoffentsorgung der Objekte erfolgte im Wesentlichen in 7 Hauptsanierungszonen, wobei vier Sanierungszonen für die Entfernung der Spritzasbestanwendungen in der Fassade der neueren Gebäude und drei Sanierungszonen für die Entfernung der PAK-haltigen Böden in den älteren Objekten ausgeführt wurden.

Name:

Passwort:

 Angemeldet bleiben

Passwort vergessen?