Wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit von Biokraftstoffen – Kosten ausgewählter Biokraftstoffoptionen

Einer der größten Vorteile von Biokraftstoffe ist deren nahezu problemlose Integration in die derzeitige Energieinfrastruktur des Verkehrssektors. Zugleich spielen bestehende „carbon lock-in“-Effekte im Transportsektor, die eine plötzliche Umstellung von einer fossilen zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft (z.B. durch Elektromobilität) erschweren, bei dem Einsatz von Biokraftstoffe nur noch eine vernachlässigbare Rolle. Jedoch muss für eine nachhaltige Nutzung der limitierten biogenen Ressourcen der weitere Ausbau der biogenen Kraftstoffbereitstellung besonders effizient, ökologisch und sozialverträglich erfolgen. Wegen der großen Bandbreite biogener Rohstoffe erforderlich ist es notwendig verschiedene Biokraftstoffrouten zu analysieren, diese untereinander und mit der jeweiligen fossilen Referenz zu vergleichen. Dazu werden nachfolgend typische modellhafte Anlagenkonzepte für ausgewählte Biokraftstoffe hinsichtlich ihrer jeweiligen Gestehungskosten untersucht. Diese auf realen Anlagendaten basierende Querschnittsanalyse marktrelevanter Biokraftstoffe deckt dabei sowohl dezentrale als auch zentrale Konzepte auf Basis unterschiedlicher Roh- und Reststoffe ab.

Ein großer Vorteil von Biokraftstoffe ist deren nahezu problemlose Integration in die derzeitige Infrastruktur des Verkehrssektors. Sowohl flüssige als auch gasförmige fossile Kraftstoffe sind aus technischer Sicht vollständig durch Biokraftstoffe ohne zusätzliche Infrastrukturaufwendungen und technologische Anpassungen substituierbar. Jedoch ist die nachhaltige Nutzung von biogenen Ressourcen zur Kraftstoffherstellung stark limitiert. Um die betriebswirtschaftlichen Kosten von Biokraftstoffen abzuschätzen, wurden die Gestehungskosten fünf praxisnaher Kraftstoffpfade mit unterschiedlicher Rohstoffbasis berechnet und mit den jeweiligen fossilen Referenzkraftstoffen verglichen. Während die biogenen Kraftstoffe Produktionskosten zwischen 14 und 36 €/GJ aufweisen, liegen die der fossilen Referenzen zwischen 9 und 17 €/GJ. Die vom Gesetzgeber eingeführte Biokraftstoffquote und die damit verbundenen Strafzahlungen bei Nichterfüllung, bieten Biokraftstoffen im Rahmen der abgesetzten Mengen einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber fossilen Kraftstoffen. Des Weiteren zeigte sich, dass der prozesstechnisch schwierige Einsatz günstiger Rohstofffraktionen wie im Fall Biomethan aus Bioabfällen zwar ökonomisch sinnvoll, aber zugleich auf ein geringes Potenzial begrenzt ist. Zudem konnte gezeigt werden, dass auch kleintechnische Konzepte mit einem hoch integrierten Stoff- und Energiestrommanagement (Bioraffinerie) zu ähnlichen Preisen produzieren wie großtechnische Anlagen mit einem hohen scale-up Vorteil.



Copyright: © Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät Universität Rostock
Quelle: 6. Rostocker Bioenergieforum (Juni 2012)
Seiten: 12
Preis inkl. MwSt.: € 0,00
Autor: Dipl.Wi.Ing. (FH) Martin Zeymer

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