Oberflächennahe Geothermie in Südamerika am Beispiel eines Hotelneubaus in Santiago de Chile

Zwei Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen haben es sich auf die Fahnen geschrieben, die Geothermienutzung in Chile zu stärken. Doch welche Chancen und Risiken gibt es bei dieser Art des Dienstleistungsexportes und wie lassen sich solche Projekte aus einer Entfernung von 12.000 km umsetzen? Berichtet wird über die Realisierung einer Wasser-Wasser-Geothermieanlage mit rund 300 kW Leistung über fünf bis zu 90 m tiefe Brunnen.

Als „Land der Gegensätze“ hat Chile eine geografische Gestalt, welche in dieser Form auf der Erde einzigartig ist: Die Länge von 4.300 km (dies entspricht etwa der Entfernung von Spitzbergen bis Sizilien) und die durchschnittliche Breite von 175 km geben dem Land seine charakteristische Form. Mit einer Grundfläche von 756.626 km² ist Chile zudem etwa so groß wie Deutschland, Österreich, Italien und die Schweiz zusammen. Dabei leben in dem politisch wie auch wirtschaftlich sicherstem Land Lateinamerikas nur rund 18 Mio. Einwohner – dies entspricht in etwa der Bevölkerung Nordrhein-Westfalens.

Aufgrund seiner Nord-Süd-Ausdehnung (über insgesamt 39 Breitengrade) sind in Chile verschiedenste Klimazonen zwischen extremer Hitze und polarer Kälte anzutreffen. Vergleicht man den Norden mit dem Süden des Landes, so werden diese Gegensätze besonders deutlich: Während im Norden die trockenste Wüstenlandschaft der Welt, die Atacamawüste, liegt, findet man im Süden Chiles Wälder, Seen und Vulkanlandschaften vor. Gletscher in Südpatagonien sowie Teile der Antarktis gehören ebenso zum chilenischen Territorium.

In diese faszinierende Naturlandschaft hat es die Geschäftsführer der beiden in Nordrhein-Westfalen angesiedelten Ingenieurbüros aix-o-therm GeoEnergien (Marl) und Hydronik (Emmerich am Rhein) verschlagen: Bereits vor drei Jahren nahmen Dr. Roland Gaschnitz und Jens-Uwe Pietzsch an einer vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) geförderten Geschäftsreise unter Federführung der deutschen Auslandshandelskammer (AHK) in Chile teil. Eine intensive Markterkundung zeigte schnell, dass Geothermie in Chile bisher nur eine zu vernachlässigende Rolle bei der Energieversorgung des Landes spielt.

Dabei sind sowohl die geologischen wie auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durchaus interessant: Da beide Ingenieurbüros bereits über rund 20 Jahre Erfahrung mit dem südamerikanischen Kontinent verfügen, wurde 2014 die gemeinsame Firma hydro.therm Chile Ltda. als Planungsbüro für Erdwärmeprojekte in der Landeshauptstadt Santiago de Chile gegründet.



Copyright: © wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH
Quelle: Heft 11 - 2016 (November 2016)
Seiten: 4
Preis: € 4,00
Autor: Jens-Uwe Pietzsch
Dr. Roland Gaschnitz

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