Techno-ökonomische Analyse integrierter Wasserinfrastrukturprojekte

Infrastrukturkonzepte für die Wasserversorgung von Jordanien und Palästina sind grenzübergreifend zu planen und umfassen Entsalzungsanlagen, Förderanlagen und Rohrnetze zur Verteilung des aufbereiteten Wassers in Versorgungsgebieten. Zusätzlich können Wasserkraftanlagen bei solchen integrierten Wasserinfrastrukturprojekten einbezogen werden. In diesem Beitrag wird eine technoökonomische Analyse für ein sehr frühes Planungsstadium vorgestellt.

1 Hintergrund und Motivation

Aufgrund der zunehmenden Wasserknappheit im Nahen Osten investiert Israel seit Ende der 1990er-Jahre in groß angelegte Projekte zur Meerwasserentsalzung (MWE) und Systeme zur Abwasseraufbereitung. In Palästina und Jordanien hingegen gibt es trotz Maßnahmen zur effizienten Nutzung lokaler Wasserressourcen weiterhin hohe Defizite im Wasserhaushalt [1]. Darüber hinaus können die Auswirkungen des Klimawandels und Flüchtlingsbewegungen die Probleme weiter verschärfen. Die geschätzten jährlichen Süßwasserdefizite im Jahr 2050 belaufen sich auf bis zu 323 Mio. m³ im Westjordanland, 282 Mio. m³ im Gazastreifen und 712 Mio. m³ in Jordanien, sodass zeitnah Maßnahmen erforderlich sind [2]. Eine Maßnahme besteht darin, Meerwasser an der Mittelmeerküste bzw.dem Golf von Aqaba (Rotes Meer) zu entsalzen und anschließend zu verteilen. Bestandteile eines solchen integrierten Wasserinfrastruktursystems sind einerseits Anlagen zur MWE, teils mit dedizierten Energieversorgungsystemen, und zum anderen Wasserverteilungsnetze samt Förderanlagen, wie Pumpwerke und Nebeneinrichtungen. Darüber hinaus könnten die topografischen Bedingungen der betrachteten Region mit einem starken Höhengefälle von potenziellen Standorten zur MWE an der Mittelmeerküste Israels hin zum See Genezareth im Norden Israels auf -208 m ü. NHN und dem Jordantal die Integration einer Wasserkraftanlage in das Netz begünstigen (Bild 1) [3]. Die Auswahl technologischer Lösungen und Ausgestaltung des resultierenden grenzübergreifenden Wasserinfrastrukturnetzwerkes stellt dabei ein komplexes Planungsproblem dar. Bei der Identifizierung, Bewertung und Auswahl möglicher Projekte ist eine techno-ökonomische Analyse sinnvoll, um mit der Erweiterung oder Neuerrichtung wasserwirtschaftlicher Infrastrukturkomponenten verbundene Kosten in einem frühen Planungsstadium mit vertretbarem Aufwand zu approximieren. Auf diese Weise können technische Varianten differenziert und Entscheidungsalternativen hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit bewertet werden.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft - Heft 07/08 (August 2022)
Seiten: 8
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Sebastian Schär
Prof. Dr. Jutta Geldermann

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