Umgang mit wild abfließendem Wasser und Bodenerosion in Dresden

Dresden hat zunehmend Probleme mit wild abfließendem Wasser und Bodenerosion. Eine abgestimmte Strategie zur Vernetzung der Handlungsfelder Information, Vorsorge und Gefahrenabwehr ist deshalb erforderlich. Neben der Analyse und Bewertung von Einzelereignissen wird verstärkt auf modellgestützte Risiko- und Gefährdungsanalysen gesetzt. Diese sind Grundlage für die kommunale Planung, das behördliches Handeln und die Information der Öffentlichkeit.

Nach § 2 SächsWG ist wild abfließendes Wasser das auf einem Grundstück entspringende oder sich natürlich sammelnde Wasser, das außerhalb eines Bettes dem natürlichen Gefälle folgt. Wild abfließendes Wasser ist bei Starkregenereignissen immer beteiligt und kann mit oder ohne Bodenerosion auftreten. Wenn die Vegetationsdecke ausreichend dicht ist oder Starkniederschläge auf gefrorenen Boden treffen, ist der erosive Anteil des wild abfließenden Wasser meist gering.

Besonders starke Schadensereignisse werden als Sturzfluten bezeichnet. Flächenhafter Oberflächenabfluss konzentriert sich früher oder später in natürlichen oder künstlichen Abflussbahnen und vervielfacht dadurch sein Schadenspotenzial. Schadensfälle sind fast immer in oder am Ende solcher Abflussbahnen zu verzeichnen. Durch Interaktionen mit dem Kanalnetz sind auch Überflutungen fernab dieser Strukturen möglich. Die Stadtentwässerung Dresden unternimmt große Anstrengungen, Überflutungen aus dem Kanalnetz möglichst zu verhindern.

Die Ursachen und Erscheinungsformen des wild abfließenden Wassers in Dresden sind sehr vielfältig. Neben den mit Bodenerosion verbundenen Schadensereignissen sind insbesondere folgende zu nennen:

  • wild abfließendes Wasser auf begrünten Abflussbahnen (z. B. Mobschatz),
  • Abflüsse auf gefrorenem Boden (Winter 2006),
  • wild abfließendes Wasser bei intensiver Vegetationsbedeckung nach Gewitterzellen,
  • massive Hangwasseraustritte nach Nassperioden in Verbindung mit dem Oberflächenanteil von Starkregen (z. B. Loschwitz-Pillnitzer Elbhang, lössbedeckte südliche Elbhänge).



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft 09/2015 (September 2015)
Seiten: 4
Preis: € 10,90
Autor: Dipl.-Phys. Jens Seifert
Dr. Matthias Röder

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