Stadtrandbewertung zur Berücksichtigung des Bodenschutzes im Flächennutzungsplan

Das Baugesetzbuch fordert eine Umweltprüfung bei der Aufstellung von Bauleitplänen. Notwendig ist die detaillierte Betrachtung der Umweltbelange, wobei der Boden häufig mangels Daten nur unzureichend beschrieben wird. Für drei Modellkommunen in Bayern wurde eine detaillierte Datengrundlage zum Schutzgut Boden erstellt, die in die Neuaufstellung des Flächennutzungsplans einfließt.

weltmedien im Ökosystem. Er erfüllt vielfältige Funktionen, beispielsweise als Lebensgrundlage und Lebensraum für Mensch, Tier und Pflanze, als Regler im Wasser- und Nährstoffkreislauf, als Filter, Puffer und Speicher für Stoffe und als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte. Den größten Eingriff in den Boden stellt die Überbauung dar. Durch die Umwandlung von natürlichen Böden in Siedlungsflächen wird der Boden so nachhaltig gestört, dass er seine Funktionen nur noch teilweise bzw. gar nicht mehr erfüllen kann. Angesichts einer sehr langsam ablaufenden Bodenbildung von etwa 1 cm in 100 Jahren kann der Verlust natürlicher Böden so gut wie nicht kompensiert werden. Nach § 1 des Bundes-Bodenschutzgesetzes (BBodSchG) sollen bei Einwirkungen auf den Boden Beeinträchtigungen seiner natürlichen Bodenfunktionen sowie seiner Funktion als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte (§ 2 BBodSchG) soweit wie möglich vermieden werden. In der kommunalen Planung, die die örtliche Flächeninanspruchnahme steuert, wurde in der Vergangenheit das Schutzgut Boden nur wenig berücksichtigt. Seit der Novellierung des Baugesetzbuches (BauGB) 2004 ist jedoch die Durchführung einer Umweltprüfung bei der Aufstellung von Bauleitplänen (Flächennutzungsplänen und Bebauungsplänen) vorgeschrieben (§ 2 Abs. 4 BauGB), in der auch die Belange des Bodenschutzes beschrieben und bewertet werden müssen. Dazu werden Angaben zu Eigenschaften der Böden und der Ausprägung der Bodenfunktionen benötigt, die von den Planungsverantwortlichen direkt verwertet werden können. Solche detaillierten Daten liegen in den meisten bayerischen Kommunen bisher nicht vor. In Ergänzung zu vorliegenden Arbeitshilfen wurde durch das Bayerische Landesamt für Umwelt in dem Projekt „Stadtrandbewertung Boden“ in der Stadt Hof sowie in den Gemeinden Moosinning und Kümmersbruck (Bild 1) eine großmaßstäbige Kartierung (Maßstab 1 : 10.000) und Bewertung des Bodens auf Flächen am Stadt- bzw. Gemeinderand durchgeführt, die für den Flächennutzungsplan (FNP) planungsrelevant sind.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 04/2011 (April 2011)
Seiten: 4
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Dipl-Ing. (FH) Sandra Gommer

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