Vegetationsentwicklung nach einer Flussrenaturierung in den Alpen

Im Rahmen einer Untersuchung wurde die Vegetationsentwicklung nach einer Renaturierung an zwei Alpenflüssen näher betrachtet. Der Flusslauf und die typischen Auenhabitate sollten damit naturnäher und diverser gestaltet werden. Wir stellen nach bis zu 12 Jahren der Renaturierung fest, dass das Ziel der Diversifizierung der Flussaue erreicht worden ist. Auch das Vorkommen von gefährdeten Arten, wie z. B. der Deutschen Tamariske, wurde gefördert. Aufgrund der künstlichen Störungen, die durch die Renaturierungsmaßnahmen hervorgehoben wurden, haben sich vielfach Neophyten ausgebreitet.

Natürliche Fließgewässersysteme mit ihren Flussauen bzw. Überschwemmungsbereichen zählen zu den dynamischsten und artenreichsten Lebensräumen der Erde. Der stete Wechsel zwischen Überflutung und Trockenheit, Erosion und Sedimentation sowie schwankende Grundwasserspiegel schaffen vielfältige Habitatstrukturen mit einer großen Zahl an ökologischen Nischen für Tier- und Pflanzenarten. Allerdings sind diese Vielfalt und Dynamik durch starke Eingriffe des Menschen in den vergangenen Jahrhunderten an vielen europäischen Flüssen verlorengegangen. Die wohl stärksten Eingriffe in die natürliche Flussauendynamik finden sich im Gebirge. In den Alpen sind nahezu alle Flüsse mehr oder weniger stark wasserbaulich geregelt bzw. verbaut.

Fluviale Prozesse haben einen großen Einfluss auf Wachstum, Überleben und Vitalität flussbegleitender Pflanzen und bestimmen somit ganz wesentlich Struktur und Zusammensetzung der Vegetation [1]. Entlang natürlicher Flusssysteme schaffen diese fluvialen Prozesse eine typische Sukzessionsabfolge der Ufer- und Auenvegetation. In den Alpen entwickelt sich im Auenbereich natürlicherweise ein Grauerlenwald (Alnus incana), welcher in seiner Ökologie und Dynamik sowie insbesondere hinsichtlich seiner Renaturierung in den Zentralalpen bisher aber wenig untersucht ist.

Hydrogeomorphologische Veränderungen stellen insbesondere seit dem vergangenen Jahrhundert den größten Einflussfaktor für die Qualität und Struktur sowie die Ökosystemleistungen der Flüsse in Europa dar [2]. Alpenflüsse wurden in der Vergangenheit stark verbaut und verändert, um das Gefahrenpotenzial zu mindern, landwirtschaftliche Nutzflächen oder Verkehrsflächen zu gewinnen, Wasserkraft energiewirtschaftlich zu nutzen oder um Flusskies abzubauen. Als Folge veränderten sich Abflussregime, Geschiebetransport, Morphologie und die Vegetation der Flüsse. Bei einem Großteil der mitteleuropäischen Flüsse und in den Alpen besteht somit keine Wechselwirkung mehr zwischen der flussbegleitenden Vegetation und der Flussdynamik.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft - Heft 11 (November 2019)
Seiten: 6
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Prof. Stefan Zerbe
Oliver Rohrmoser
Dr. Vittoria Scorpio
Prof. Francesco Comiti

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