Kasseler Modell - mehr als Abfallentsorgung (2009)

Heraugegeben von Prof. Dr.-Ing. Arnd I. Urban & Dipl.-Ing. Gerhard Halm
Fachgebiet Abfallgebiet
Institut fĂĽr Wasser, Abfall, Umwelt


Zukünftige Abfallwirtschaft zwischen Siedlungshygiene und Gewinnung von Sekundärrohstoffen
Prof. Dr. Henning Friege
Moderne Abfallwirtschaft hat zwei Wurzeln: Ausgehend von den damals aktuellen hygienischen Erkenntnissen wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine geordnete Abfallsammlung als wichtige Grundlage gesunder Städte und Gemeinden etabliert. Die Siedlungshygiene korrespondiert mit der Daseinsvorsorge im klassischen Sinne: Eine Aufgabe, die von der örtlichen Gemeinschaft übernommen wird, indem diese als Ordnungsfaktor und als Finanzier über Steuern oder Abgaben auftritt. Die andere Wurzel ist – vermutlich seit dem Zeitpunkt, in dem Menschen Abfälle erzeugten – die Rückgewinnung von Ressourcen aus Abfällen. Wertstoffrückgewinnung erlebt jetzt angesichts knapper werdender Bodenschätze eine Renaissance.
Abfallwirtschaft in Hessen
MDgt.a.D. Dipl.-Ing. Edgar Freund
Eine nachhaltige Abfallwirtschaft muss analog zur Energiewirtschaft und zur Wasserwirtschaft die Sicherheit, die Umweltverträglichkeit und die Wirtschaftlichkeit der Entsorgung dauerhaft gewährleisten. Um diese drei Bedingungen zu erfüllen, gibt es unterschiedliche Lösungsansätze: die Sicherheit der Entsorgung, die Umweltverträglichkeit, die Wirtschaftlichkeit.
Rechtliche Beurteilung der Modellversuche – Verpackungsverordnung und Abstimmungsvereinbarung
RA Hartmut GaĂźner, Rechtsanwalt und Fachanwalt fĂĽr Vergaberecht Dr. Frank Wenzel
Das Kasseler Modell hat unbestreitbare Vorteile für den Abfallbesitzer und führt offenbar auch abfallwirtschaftlich zu keinen schlechteren Ergebnissen als das herkömmliche Modell der Getrennterfassung der Wertstoffe. Aus rechtlicher Sicht gestaltet sich die Einführung eines solchen Entsorgungsmodells allerdings durchaus kompliziert. Eine Reihe von Fragestellungen ist zu klären. So ist im Folgenden auf das allgemeine Abfallrecht (dazu 2.), das Verpackungsrecht (dazu 3.), ferner das Kartellrecht (dazu 4.) und schließlich das Vergaberecht (dazu 5.) einzugehen.
Modellversuche zu alternativen Erfassungssystemen – eine aktuelle Übersicht
Dr.-Ing. Gabriele Becker
Die getrennte Sammlung von Abfällen bzw. Sekundärrohstoffen mit dem Ziel der Verwertung ist seit vielen Jahren ein wesentlicher Baustein der Abfallwirtschaft in Deutschland. Nach etwa 30 Jahren stetiger Intensivierung der getrennten Sammlung werden die etablierten Systeme in den letzten Jahren zunehmend hinterfragt. Dabei werden nicht der Sinn oder die Erfolge der Abfalltrennung vor der Erfassung in der Vergangenheit in Frage gestellt, aber es wird auf Grund der weiter entwickelten Sortiertechnik die Chance gesehen, zukünftig die getrennte Erfassung zu vereinfachen.
Erfahrungen mit dem System Gelbe Tonne plus in Leipzig und Berlin
Dipl.-Ing. RĂĽdiger Oetjen-Dehne
In einer Phase, in der die gesamte Entsorgungswirtschaft Wertstoffe zu oft nicht mehr kostendeckenden Erlösen erfasst, mutet es auf den ersten Blick gewagt an, über die Möglichkeiten zur Steigerung der Wertstofferfassung zu berichten. Trotz der momentanen Weltwirtschaftssituation, die sich auch auf die Entsorgungswirtschaft massiv auswirkt, hat sich aber eines nicht geändert: die Rohstoffsituation ist mittel- und langfristig von Knappheit geprägt. Damit ist auch der Wandel von der Entsorgungs- zur Versorgungswirtschaft bzw. zur Ressourcenwirtschaft weiterhin richtig.
Grüne Tonne plus – ein alternatives Wertstofferfassungssystem

Abfallwirtschaftliche Lösungen zeichnen sich in der Regel dadurch aus, dass sie auf individuelle Gegebenheiten abgestimmt sind und damit nicht ohne weiteres auf andere Gebiete übertragen werden können. Dies gilt sicher auch für das System der Grünen Tonne plus im Rhein-Neckar-Kreis.
„Sack im Behälter“ – das zukunftsweisende Entsorgungssystem
Michael Wieczorek
Bundesweit wurden in den vergangenen Jahren alternative Entsorgungssysteme projektiert und die Diskussion um eine optimale Wertstofferfassung ist vor dem Hintergrund einer konsequenten Ressourcenschonung, insbesondere auch unter dem Aspekt nationaler Klimaschutzziele, aktueller denn je. In Nordrhein-Westfalen ist das Lobbe-System „Sack im Behälter“ (SiB) derzeit das einzige alternative Entsorgungs-system, das im „Echtversuch“ umgesetzt wurde. Dabei unterscheidet sich SiB von anderen Versuchen durch einen völlig anderen Ansatz: Eine konsequente getrennte Erfassung und Sammlung von Abfällen/Wertstoffen von der „Quelle“ bis zu ihren „Zielorten“ ist im Entsorgungsprozess Voraussetzung für maximal mögliche Stoffmengen und -qualitäten.
Kommunalpolitische Motive und Ziele
Bürgermeister Stadt Kassel Thorsten-Erik Junge
Die Abfallwirtschaft steht bei den Bürgerinnen und Bürgern hoch im Kurs; die Entsorgung soll komfortabel, einfach und kostengünstig sein, dabei wird ein ordnungsgemäßer Umgang mit den Abfällen erwartet. Bürgerinnen und Bürger sehen hier grundsätzlich die Stadt, ihre Kommune, ihren Kreis in der Verantwortung; solange es funktioniert, ist die Welt in Ordnung - gibt es Probleme, wird nach der öffentlichen Hand als Gewährleister gerufen, selbst wenn sich Dritte z.B. auf Grundlage der Verpackungsverordnung verantwortlich zeigen.
Projekt „Nasse und Trockene Tonne“ Kassel
Dipl.-Ing. Gerhard Halm
Die Abfallentsorgung in der kreisfreien Stadt Kassel wird durch den Eigenbetrieb Die Stadtreiniger Kassel durchgefĂĽhrt. In Kassel leben zzt. etwa 197.000 Einwohner in rd. 102.000 Haushalten. Etwa 6.500 Industrie- und Gewerbebetriebe sind ebenfalls bei der Umsetzung einer geordneten und sicheren Abfallentsorgung zu berĂĽcksichtigen.
Verfahrenstechnische Untersuchung und ökonomisch-ökologische Bewertung des Kasseler Modells
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Arnd I. Urban, Dipl.-Ing. Ramona Schröer
Zur aussagekräftigen Bewertung des Sammelsystems „Nasse und Trockene Tonne“ Kassel wird ein mindestens über ein Jahr laufender Praxisversuch durchgeführt. Die wissenschaftliche Begleitung der Untersuchungen soll eine unabhängige, zielführende, zuverlässige und vollständige Ermittlung der für die Bewertung benötigten Daten durch eine systematische Planung, Vorgehensweise und Analyse sicherstellen. Dazu werden die einzelnen Ergebnisse einer Vielzahl von Teiluntersuchungen zusammengeführt, ausgewertet und das Gesamtkonzept ergebnisoffen bewertet.
Umsetzung und Erfahrungen im Bereich der Sammlung mit dem System „Nasse und Trockene Tonne“
Dipl.-Ing. Stefan Stremme,
Die Forderung der Bürgerinnen und Bürger nach einer Getrenntsammlung von Abfällen, die komfortabel, ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, veranlasste die Stadtreiniger Kassel alle bisherigen Modellansätze zur Getrenntsammlung kritisch zu hinterfragen. Hierbei soll es gelingen, ein „Zwei-Tonnen-System“ zu schaffen, wodurch sich einerseits die organischen Bestandteile der Restabfalltonne separieren lassen, und andererseits eine Abfallfraktion aus trockenem Restabfall entsteht. Dieser Konzeptansatz eines „Zwei-Tonnen-Systems“ aus einer Nassen und Trockenen Tonne basiert auf der Annahme, dass sich Nassabfälle mit biologischen Anteilen vergären und trockene Abfallfraktionen besser sortieren lassen.
Erste Erfahrungen mit der Verwertung von nassen und trockenen Stoffströmen aus dem Versuchsgebiet Kassel
Dipl.-Ing. Ramona Schröer, Dipl. Geograf Niklas Schiel
Mit dem Praxisversuch zur Einführung des neuen Sammelsystems „Nasse und Trockene Tonne“ Kassel (NTT-Kassel) zeigen die Stadtreiniger Kassel neue Konzepte der Abfallsammlung und Verwertung auf. Im folgenden Beitrag werden erste Erfahrungen mit der Verwertung der nassen und trockenen Stoffströme während dieses Praxisversuches dargestellt. Der Versuch wird durch die Universität Kassel wissenschaftlich begleitet. In diesem Kontext wurden schon vor dem Beginn bzw. werden während der Praxisphase die bestehenden Verwertungswege bewertet und entsprechend optimiert.
Möglichkeiten und Randbedingungen einer Wertstoffrückgewinnung aus Abfallgemischen
Dr. Joachim Christiani
Der Begriff „Sortierung“ umfasst in der aufbereitungstechnischen Nomenklatur Trennprozesse auf der Grundlage unterschiedlicher Stoffeigenschaften. Im abfallwirtschaftlichen Sprachgebrauch wird „Sortierung“ i.d.R. lediglich mit der trockenmechanischen Separation von Abfallkomponenten ohne deren physikalische Veränderung gleich gesetzt. Nachstehende Ausführungen beziehen sich auf die Prozesse letztgenannter eingeschränkter Begrifflichkeit.
Möglichkeiten der MBA als zentraler Baustein in der Abfallwirtschaft des Entsorgungszentrums Pohlsche Heide im Kreis Minden Lübbecke
Dipl.-Ing. Thomas Kropp
Der Grundstein für das Entsorgungszentrum Pohlsche Heide wurde vom Kreis Minden-Lübbecke Anfang der 80er Jahre mit den Planungen für eine zentrale Abfalldeponie gelegt. Dabei wurde Deponievolumen in 5 Deponieabschnitten von jeweils ca. 3,5 Mio. m³ geschaffen. Mit Inkraftsetzung der technischen Anleitung Siedlungsabfall 1993 wurde seitens der Politik und Werkleitung intensiv nach einer zukunftssicheren Abfallentsorgung gesucht. Es stellte sich heraus, dass es unter den gegebenen Rahmenbedingungen eines ländlich strukturierten Landkreises mit 330.000 Einwohnern in Ostwestfalen die Möglichkeit der mechanischen-biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) oder den Anschluss an die Müllverbrennungsanlage Bielefeld gab. Beide Alternativen wurden in einer Machbarkeitsstudie untersucht.
Die anderen Tonnen
Professor Dipl.-Ing. Dr. Helmut Rechberger
Eine Veranstaltung, die sich mit der zielorientierten Sammlung von Haushaltsabfällen auseinandersetzt, und in der viel von gelben, grünen, nassen und trockenen Tonnen die Rede ist, wirft mit diesem Vortrag einen Blick auf die anderen Tonnen – jene, mit denen die physikalische Einheit der Masse quantifiziert wird. Im Folgenden wird gezeigt, dass die massenmäßig wichtigsten Produkte und Abfälle einer hochentwickelten Volkswirtschaft vergleichsweise noch wenig gut erforscht sind und noch nicht optimal bewirtschaftet werden können.
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