Ein praktisches Berechnungsverfahren zur Regulierung von Dränsystemen durch Kulturstaue

Mit Hilfe von Stauwehren kann der Grundwasserstand in Dränflächen so gesteuert werden, dass den Belangen der Landwirtschaft, des Hochwasserschutzes und der Gewässergüte Rechnung getragen wird. Für die Wechselwirkungen zwischen Niederschlag, Grund- und Vorfluterwasserstand,
Dränabfluss und Abfluss über ein Wehr wurde ein auf Excel basierendes, leicht
anwendbares
Berechnungsverfahren entwickelt. Beispielrechnungen zeigen Möglichkeiten
des vorbeugenden Hochwasserschutzes in verschiedenen Böden, den Einfluss des Dränabstandes
und der Krautungshäufigkeit im Vorfluter auf die Funktionsweise des gesamten Systems.

Kulturwehre werden seit langem zur Regulierung von Wasserständen an Seen bzw. im Flachland zur Einstellung von Grundwasserständen verwendet. Die Regelung des Grundwasserflurabstandes zur Herstellung der Befahrbarkeit oder zur Wasserversorgung eines Pflanzenbestandes liegt im Interesse der Landwirtschaft. Weiterhin bemüht man sich seit einigen Jahren, den Hochwasserrückhalt nicht nur durch Rückhaltebecken, sondern auch durch flächenhafte Maßnahmen zu realisieren. Van der Ploeg et al. plädieren dazu für größere Dränabstände. Ihr Ansatz lässt jedoch Regelungsmöglichkeiten außer Betracht.
Dieser Artikel beschreibt eine Methode zur Stauwehr-Regulierung, die in der Lage ist, auch aktuelle Witterungsereignisse zu berücksichtigen. Die Berechnungsgrundlagen hierzu werden über ein Excel- Programm allgemein zugänglich. Folgende Zielsetzungen lassen sich mittels Stauwehren erreichen:
a) Wasserrückhalt im Winter, um die fast ausschließlich in dieser Jahreszeit auftretende Nitratauswaschung zu reduzieren. Durch erhöhte Verweildauer des N-belasteten Wassers soll der Nitratabbau durch Denitrifizierung innerhalb des Dränsystems erreicht werden.
b) Rückstau während kurzer Starkregen- Perioden im Sommer bzw. Herbst zur Hochwasser-Prävention.
c) Absenkung des Grundwasserspiegels gemäß den Bedürfnissen des Pflanzenbaus im Frühjahr und Sommer.
d) Anheben des Grundwasserspiegels während pflanzenbaulich kritischer Trockenperioden (Mai/Juni).
Die Punkte a) und b) dienen dem Gewässerschutz, die Punkte c) und d) der Pflanzenproduktion. Zielsetzungen dieser Art können in sogenannten Wehrreglementen auch rechtsverbindlich festgelegt werden. Dieser Artikel bietet moderne Berechnungsmethoden zur Grundwasserregulierung an, die auf standortspezifische Randbedingungen nicht so detailliert eingehen, wie das bei Spezial-Software der Fall ist (z. B. DRAINMOD, die dafür aber auch die Wechselwirkung mit dem Wehrbetrieb sowie der Vorfluterunterhaltung erfassen und mit gewöhnlicher Bürosoftware lauffähig sind. Die Methode liefert nicht nur die erforderliche Zeit für eine Absenkung des Grundwasserspiegels, sondern auch die Größe des Porenraumes, der dabei entwässert wird.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft 3 /2011 (März 2011)
Seiten: 7
Autor: Prof. a. D. Dr. Isidor Storchenegger
Dipl.-Ing. Barbara Bohne
Prof. a. D. Dr. Dr. h. c. Peter Widmoser

Die Bibliothek und die Kaufoptionen sind umgezogen zu https://library.wasteculture.com

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