Bilanz und Ausblick nach dem ersten Betriebsjahr des Doppelschlitzpasses Geesthacht

Die Erfahrungen mit dem Bau und dem Betrieb des Doppelschlitzpasses Geesthacht sind durchweg positiv. Der hohe konstruktive Aufwand zieht entsprechende Aufstiegsergebnisse nach sich, die eine uneingeschränkte Funktionsfähigkeit nachdrücklich unterstreichen. Aber kann solch eine Ausnahmekonstruktion als Vorbild für Fischaufstiegsanlagen an anderen Standorten und in anderen Flüssen herangezogen werden?

Der Doppelschlitzpass Geesthacht ist die größte Fischaufstiegsanlage Europas und Schauplatz eines fischökologischen Monitorings, das bisher bezüglich Umfang und Dauer in Deutschland beispiellos ist. Vor dem Hintergrund knapper Finanzmittel wird verschiedentlich die Frage gestellt, ob ein solches Bauwerk samt dem Untersuchungsprogramm vorbildhaft für eher „alltägliche“ Planungsaufgaben und Aufstiegskontrollen von Fischaufstiegsanlagen ist.
Richtig ist einerseits, dass der Europäische Stör, der der maßgebliche Grund für die Dimensionen des Doppelschlitzpass
Insofern hat der Doppelschlitzpass bei Geesthacht vielleicht nicht aufgrund seiner Dimensionen, aber sicher deshalb Vorbildcharakter, weil in diesem Fall das gesamte verfügbare Fachwissen in die Planung eingeflossen ist, um eine Fischaufstiegsanlage nach dem aktuellen Stand des Wissens und der Technik zu errichten. Nur wenn dieses Planungsziel auch an anderer Stelle konsequent verfolgt wird, wird sich die Durchgängigkeit der Gewässer hierzulande nachhaltig verbessern: Dies erscheint angesichts der aktuell doch weit über 90 % an bestehenden Wanderhindernissen fehlenden Fischaufstiegsanlagen dringend geboten.
Auch fischökologische Monitoringuntersuchungen werden an anderen Standorten in der Regel nicht mit vergleichbarer Intensität wie in Geesthacht durchgeführt werden können. Doch kann die Alternative nicht darin bestehen, als Funktionskontrolle bezeichnete, episodische Reusenkontrollen zu initiieren; eklatante Fehleinschätzungen der tatsächlichen Funktionsfähigkeit wären die zwangsläufige Folge und wirkten sowohl einer Qualitätssicherung als auch der Optimierung von Fischaufstiegsanlagen entgegen. Vorbildcharakter hat das Monitoring in Geesthacht insofern als durch die Kombination verschiedener Techniken in erheblichem Umfang neue Kenntnisse über das Wanderverhalten von Fischen und ihre Anforderungen an auffindbare und passierbare Fischaufstiegsanlagen erarbeitet werden.
Zudem werden durch die langjährige und kontinuierliche Dokumentation des Aufstiegsgeschehens an diesem wichtigen Schlüsselstandort im Elbesystem wichtige gewässer- und fischökologische Basisdaten bereitgestellt, die einerseits für die fischereiliche Hege und die Wiederansiedlungsprogramme von Bedeutung sind und andererseits der Umsetzung der europäischen Rahmengesetzgebung wie der FFH- und der Wasserrahmenrichtlinie dienen.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasserwirtschaft 4 / 2012 (April 2012)
Seiten: 6
Autor: Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Menzel
Dr. Ulrich Schwevers

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