Trinkwassernotbrunnen – Wasserversorgung in Extremsituationen

Die ursprünglich für den Verteidigungsfall konzipierte Trinkwassernotversorgung des Bundes nach dem Wassersicherstellungsgesetz kann auch bei anderen denkbaren Ausfällen in der öffentlichen Wasserversorgung zum Einsatz kommen. Neuere Gefährdungen werden dargestellt, ebenso wie Entwicklung, Konzeption, technische und organisatorische Besonderheiten bei der Umsetzung der Trinkwassernotversorgung sowie die Aspekte zur Wasserqualität.

Die Versorgung mit hygienisch unbedenklichem Trinkwasser ist für den Menschen lebensnotwendig. In den entwickelten Versorgungsstrukturen ist die Bereitstellung von Wasser für den menschlichen Gebrauch in ausreichender Menge und Güte zur Selbstverständlichkeit geworden und Deutschland hat als ein überwiegend wasserreiches Land einen Notstand in der Trinkwasserversorgung kaum zu befürchten. Wurden in der Vergangenheit vor allem kriegerische Auseinandersetzungen als mögliche Ursache für einen großflächigen Ausfall der Wasserversorgung gesehen, so stehen heute neue Gefährdungen durch Extremereignisse im Vordergrund.
Grundsätzlich bestehen gewisse Risiken bei Extremsituationen, die zum Ausfall der öffentlichen Wasserversorgung führen könnten. Außergewöhnliche Ereignisse, wie Naturkatastrophen unterschiedlichster Art, z. B. Hochwasser, Erdbeben oder extreme Trockenperioden, können die öffentliche Wasserversorgung in ihrer Funktionstüchtigkeit beeinträchtigen oder so stark stören, dass sie abgeschaltet werden muss oder gar von selbst ausfällt. Eine Verwundbarkeit durch Extremereignisse besteht sowohl für einzelne Komponenten als auch für das Gesamtsystem Wasserversorgung. So betraf die Zerstörung durch Hochwasserfluten im August 2002 auch in großem Umfang Anlagen und Einrichtungen der Wasserversorgung. Die Auswirkungen der Hochwasserereignisse waren abhängig von der genutzten Rohwasserressource, der Art und Lage der Fassungsanlagen sowie dem Umfang der Zerstörung von Anlagen und Leitungsnetzen.
Nicht zuletzt ist die Funktionstüchtigkeit der Wasserversorgung von einer intakten Stromversorgung abhängig, da der Strom für Pumpen, Druckerhöhungsanlagen sowie MSR-Technik benötigt wird. Eine intakte Wasserversorgung ist wiederum Voraussetzung für die Abwasserentsorgung, denn ein Ausfall der öffentlichen Wasserversorgung führt in der Regel auch zu einem Ausfall der häuslichen Abwasserentsorgung.
Um eine Grundversorgung mit Wasser zu gewährleisten, falls die öffentliche Wasserversorgung nicht mehr in der Lage ist, Wasser zu liefern, wurde in Zeiten des Ost-West-Konf liktes die „Trinkwassernotversorgung“ mit dem Ziel konzipiert, trinkbares Wasser für den Verteidigungsfall und andere Notsituationen bereitzustellen. Hierzu stehen derzeit mehr als 5.200 leitungsunabhängige Einzelbrunnen zur Verfügung, an deren Zapfstellen sich die Bevölkerung mit Hilfe von Behältnissen selbstständig mit Wasser versorgen kann. Überdies wurden seit Beginn der Wassersicherstellung über 120 Verbundleitungen zwischen Wasserversorgungsunternehmen zur Erhöhung der Redundanz in der leitungsgebundenen Versorgung erbaut.



Copyright: © wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft Gas und Wasser mbH
Quelle: Heft 04 - 2013 (April 2013)
Seiten: 9
Preis inkl. MwSt.: € 4,00
Autor: Dipl.-Ing. Peter Fischer
Dr. Ina Wienand

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