Die Neuerungen in den ICOLD-Richtlinien über die Erdbebenbemessungskriterien für
große Stauanlagen werden diskutiert. Die bestehende Richtlinie „Selecting Seismic Parameters for Large Dams“ stammt aus dem Jahr 1989 und wurde 2010 überarbeitet.
Neu ist, dass neben den bisherigen Bemessungskriterien für Talsperren auch die sicherheitsrelevanten Elemente, die nach einem Starkbeben funktionieren müssen, mit einbezogen werden. Zudem sind Bemessungskriterien für die Nebenanlagen und Komponenten sowie für kritische Bauzustände und temporäre Bauwerke enthalten.
Große Talsperren sind die ersten Bauten, die weltweit bereits seit Mitte der 1930er-Jahre systematisch gegen Erdbeben ausgelegt wurden. Die Erdbebeneinwirkung wurde dabei durch einen seismischen Koeffizienten charakterisiert und die Erdbebennachweise basierten auf einer pseudostatischen Berechnung. Diese sehr einfachen Verfahren wurden bis 1989, als das ICOLD-Bulletin 72 „Selecting Seismic Parameters for Large Dams“ publiziert wurde, verwendet [1]. Dieses Bulletin spezifizierte zwei Beben, die bei der Auslegung einer Talsperre verwendet werden sollen. Das ist einerseits das Betriebserdbeben (Operating Basis Earthquake; OBE) und andererseits das maximal mögliche Beben (Maximum Credible Earthquake; MCE) und das maximale Bemessungsbeben (Maximum Design Earthquake; MDE). Demzufolge sollte eine große Talsperre den Bodenbewegungen des MCE widerstehen können (in diesem Fall entspricht das MDE dem MCE) und Stauanlagen mit einem geringeren Schadenspotential sind für Bodenbewegungen mit geringeren Wiederkehrperioden auszulegen.
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| Quelle: | Wasserwirtschaft 05/2013 (Mai 2013) | |
| Seiten: | 4 | |
| Autor: | Dr. Martin Wieland | |
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