Praktische Erfahrungen bei Einbau, Inbetriebnahme und Dauerbetrieb einer trockenen Rauchgasreinigungsanlage in der MVA Weisweiler

Die MVA Weisweiler GmbH & Co. KG ist eine so genannte "PPP-Gesellschaft". "Public-Private- Partnership" steht für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der "öffentlichen" (kommunalen) AWA Entsorgung GmbH und der privaten Entsorgungsgesellschaft Niederrhein mbH als gleichberechtigte Teilhaber der Betreibergesellschaft.
Die MVA Weisweiler ist eine moderne Müllverbrennungsanlage, bestehend aus 3 unabhängigen Verbrennungslinien, in der pro Jahr ca. 360.000 Tonnen Abfall verbrannt werden können. Damit bietet die MVA Weisweiler Entsorgungssicherheit für etwa 850.000 Bürgerinnen und Bürger. Das Entsorgungsgebiet erstreckt sich über den Kreis und Stadt Aachen, Kreis Düren (kommunale Abfälle), Euregio (Belgien und Niederlande) bis hin zu überregionalen Gewerbeabfällen.
Bei Nennlast der Anlage werden pro Stunde ca. 51,5 Tonnen Dampf pro Linie erzeugt und zum Antrieb einer Turbine zur Stromerzeugung im benachbarten Braunkohlekraftwerk Weisweiler genutzt (elektrische Leistung 35 Megawatt, ausreichend für ca. 60.000 Haushalte).

Ausgehend von steigenden Energie- und Instandhaltungspreisen wurde über technische Optimierungsmöglichkeiten der nassen Rauchgasreinigung nachgedacht. Unter Berücksichtigung des Anlagenalters und den entsprechend anstehenden Sanierungsmaßnahmen im Wäscherbereich und bei den Wärmeverschiebungssystemen ergaben sich nicht unerhebliche Ersatzinvestitionen. Dies eröffnete auch die Diskussion über eine grundsätzliche verfahrenstechnische Umstellung z. B. auf ein Trockenverfahren.

Nach intensiven verfahrenstechnischen und anlagentechnischen Untersuchungen ergab sich für die bestehende Anlagenkonstellation das Trockenverfahren mit dem Additiv Natriumbicarbonat als technisch einfach integrierbare und auch als wirtschaftlichste Umstellungsvariante. Diese konnte den Vorplanungen entsprechend in kurzer Zeit erfolgreich umgesetzt werden.

Nach 78 Monaten Betrieb an 3 Linien zeigt sich, dass Natriumbicarbonat als Abscheidemittel zuverlässig dauerhaft problemlos eindüsbar ist und der Katalysator mit einer Niedertemperaturfahrweise ausreichendes Reaktionspotential hat.

Das anlagentechnische Gesamtkonzept führt zu deutlich geringeren Instandhaltungsaufwendungen und zu einer höheren Anlagenverfügbarkeit als die bisherige nasse Rauchgasreinigungsanlage.



Copyright: © Texocon GbR
Quelle: 10. Potsdamer Fachtagung - 21.2. bis 22.2. 2013 (Februar 2013)
Seiten: 20
Preis inkl. MwSt.: € 10,00
Autor: Guido Hentschel
Martin Ludewig

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