Siedlungsabfalldeponien – Nachsorge oder Rückbau?

Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert in ihrem „World Energy Outlook 2010“ [1] für das Jahr 2035 einen Rohölpreis von durchschnittlich 113 USD pro Barrel (159 Liter) gegenüber nur 60 USD im Jahr 2009. Dies käme einer Verdopplung des Ölpreises nahe. Zudem geht die IEA davon aus, dass der globale Primärenergieverbrauch zwischen 2008 und 2035 um 36% ansteigt. Dies verdeutlicht für die Zukunft, dass die Möglichkeit eines Deponierückbaus nicht mehr nur aus der Sicht eines Volumengewinnes betrachtet werden muss, sondern die Gewinnung des eingelagerten Wertstoffpotentials in Verbindung mit der Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund treten wird.

 Werden bei einem Deponierückbau die abgegrabenen Abfälle klassiert und fraktioniert, werden Störstoffe aussortiert, werden Wertstoffe einer Verwertung zugeführt und nur der nicht verwertbare Anteil am Standort - nach dem heutigen Stand der Technik - verdichtet wieder eingebaut, kann der Nachsorgezeitraum erheblich reduziert und der Standort aus umwelttechnischer Sicht dauerhaft abgesichert werden. Laut § 36d Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG) [2] müssen die Kosten für die Stilllegung und Nachsorge für einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren rückgestellt werden. Eine Entlassung aus der Nachsorge bei der Berücksichtigung des jetzigen Wissenstandes ist aber zu diesem Zeitpunkt in den meisten Fällen noch nicht möglich. Diese Aussage bestätigt auch RETTENBERGER (2009) [3], welcher der Meinung ist, dass ein Deponierückbau ein klares „Muss“ wäre, wenn man die Nachsorgezeiträume der Realität anpassen würde. Wenn man als Deponiebetreiber dem Grundsatz, dass die Kosten für die Nachsorge einer Deponie nicht auf die nachfolgenden Generationen übertragen werden sollen, Folge leisten
will, sollte man über alternative Maßnahmen wie den Rückbau nachdenken.



Copyright: © IWARU, FH Münster
Quelle: 12. Münsteraner Abfallwirtschaftstage (Februar 2011)
Seiten: 13
Preis inkl. MwSt.: € 6,50
Autor: Dipl.-Ing. Stefan Bölte
Dipl.-Ing. Julia Geiping

Artikel weiterleiten In den Warenkorb legen Artikel kommentieren


Diese Fachartikel könnten Sie auch interessieren:

Qualitätsmanagement im Deponiebau
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (9/2023)
Der rechtliche Rahmen für die langzeitsichere Verwahrung von Deponien wird über die Deponieverordnung (DepV) geregelt. Gemäß Punkt 2 des Anhangs 1 der DepV ist im Deponiebau der Stand der Technik für alle Materialien, Komponenten oder Systeme gegenüber der zuständigen Fachbehörde über prüffähige Unterlagen nachzuweisen.

Erste Erfahrungen mit Methanoxidationsfenstern zur Stilllegung der aktiven Deponiegaserfassung
© Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben (11/2022)
In der Stilllegungs- und Nachsorgephase von ehemaligen „Hausmülldeponien“ zeigt sich immer wieder, dass aktive Entgasungs– und Fackelsysteme aufgrund der schwankenden Gasqualitäten und rückläufigen Gasproduktion oft abschalten, und dann das Deponiegas nicht ausreichend behandelt werden kann. Eine mögliche Strategie um aktuelle Emissionen sowie das verbleibende Emissionspotential dieser Deponien zu reduzieren, ist die Umstellung auf eine passive Schwachgasbehandlung über sogenannte Methanoxidationsfenster nach Rückbau der Gasbrunnen. Die Methanoxidationsfenster bestehen aus einer adäquaten Gasverteilungs- und Oxidationsschicht mit hoher Oxidationskapazität und werden abschnittsweise in die bestehende, meist dichte Oberflächenabdeckung integriert.

Bestimmung des elementaren Kohlenstoffs in Feststoffproben zur Beurteilung laut Deponieverordnung – ein Lösungsvorschlag
© Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben (11/2022)
Zur Bestimmung des elementaren Kohlenstoffs in Abfallproben findet die DIN EN 19539 immer häufiger Anwendung. In dieser Norm wird eine temperaturabhängige Differenzierung des Gesamtkohlenstoffs in drei Fraktionen beschrieben, den TOC400, den ROC und den TIC900. Dabei soll sich der elementare Kohlenstoff in der ROC-Fraktion wiederfinden. Da sich der pyrogene Kohlenstoff, welcher für die Ausnahmeregelung der Deponieverordnung bestimmt werden soll, aber über den gesamten Temperaturbereich verteilt, sollte diese Methode nicht zur Beurteilung des elementaren Kohlenstoffs laut Deponieverordnung herangezogen werden. In der vorliegenden Arbeit wird ein adaptiertes Pyrolyse-Verfahren vorgestellt, welches für diese Bewertung besser geeignet ist.

Auswirkungen der Mantelverordnung auf Stoffströme zur Deponierung
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (4/2022)
Nach über 15 Jahren Diskussion ist im Juli 2021 die Mantelverordnung veröffentlicht worden. Ihr Kernelement ist die Ersatzbaustoffverordnung. Ziel ist die Schonung natürlicher Ressourcen durch den Einsatz von mehr Ersatzbaustoffen. Bisher liegen keine belastbaren Prognosen vor, ob das neue Regelwerk zu relevanten Stoffstromverschiebungen führen wird.

Deponiebedarfsanalyse – Hintergrund, Vorgehensweise und Ergebnisse
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH (4/2022)
In Deutschland besteht in vielen Regionen nach wie vor noch ein Bedarf an Deponiekapazitäten. Dies gilt insbesondere für Deponien der Klassen 0 und I, da der Einzugsbereich dieser Deponien aufgrund des Preisniveaus der abzulagernden Mengen eher gering ist. Deponiebedarfsanalysen erfüllen an dieser Stelle den Zweck, Vorhabenträgern und Abfallwirtschaftsbehörden methodisch belastbare Daten und Größenordnungen für den aktuellen und künftigen Bedarf an Deponiekapazitäten unterschiedlicher Klassen zur Verfügung zu stellen. Durch das geringer werdende Angebot an aktuellen und öffentlich zugänglichen Daten wird es aber zunehmend schwieriger, diesen Anspruch zu erfüllen.

Name:

Passwort:

 Angemeldet bleiben

Passwort vergessen?

Der ASK Wissenspool
 
Mit Klick auf die jüngste Ausgabe des Content -Partners zeigt sich das gesamte Angebot des Partners
 

Selbst Partner werden?
 
Dann interessiert Sie sicher das ASK win - win Prinzip:
 
ASK stellt kostenlos die Abwicklungs- und Marketingplattform - die Partner stellen den Content.
 
Umsätze werden im Verhältnis 30 zu 70 (70% für den Content Partner) geteilt.
 

Neu in ASK? Dann gleich registrieren und Vorteile nutzen...