Wo liegt der Nutzen des dualen Systems?

Das duale System fußt auf der Idee der Produktverantwortung. Produktverantwortung bedeutet, dass Hersteller die Verantwortung für den gesamten Lebenszyklus ihrer Produkte übernehmen. Im europäischen Kontext wird die Produktverantwortung mit dem Adjektiv erweitert verknüpft. Dieses Adjektiv weist auf die Verantwortung des Produzenten oder des Vertreibers nach Ablauf der Nutzungsdauer des Erzeugnisses hin, wenn es als Abfall gilt.

Produktverantwortung bzw. erweiterte Produktverantwortung ist eines der wichtigsten EU-Instrumente für die Realisierung der neuen, fünfstufigen Abfallhierarchie. Das Prinzip Produktverantwortung wird weit über die Grenzen der Europäischen Union weltweit angewandt, unter anderem auch in Kanada und hat Vorbildcharakter. Selbst China suchte in 2012 den Kontakt zur Branche, um sich über die Umsetzung der Produktverantwortung in Deutschland zu informieren.

Die EU-Abfallrahmenrichtlinie gibt einen sehr abstrakten Rahmen für Maßnahmen oder Gesetze der EU-Mitgliedsstaaten vor, damit Personen, die Erzeugnisse herstellen, entwickeln, verarbeiten, verkaufen oder einführen, eine erweiterte Herstellerverantwortung zugewiesen werden kann (Art. 8. (1)). Vergleicht man die Umsetzung der Produktverantwortung in den EU-Mitgliedstaaten, ist diese sehr unterschiedlich ausgestaltet. Allen Konzepten ist jedoch gemein, dass gemäß dem Verursacherprinzip der Abfallersterzeuger, der derzeitige Abfallbesitzer oder frühere Abfallbesitzer die Entsorgungskosten tragen (Art. 14 (1)) soll. Das Verursacherprinzip liefert so Anreize für Kosteneffizienz. Die Gewinnung von Sekundärrohstoffen aus den der Produktverantwortung unterliegenden Abfallströmen wird durch die Übernahme der Entsorgungskosten attraktiver.



Copyright: © Thomé-Kozmiensky Verlag GmbH
Quelle: Recycling und Rohstoffe 6 (2013) (Juni 2013)
Seiten: 13
Autor: Nicole Kösegi

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